Die Erwartungen der Grünen an diese Bundestagswahl waren hoch. Die guten Umfragewerte im Vorfeld und die schreckliche Flutkatastrophe im Westen, die allen aufgezeigt hat, dass der Klimawandel längst in Deutschland angekommen ist, hätten ein deutlich besseres Abschneiden nahegelegt, als es der Wahlabend gestern ergeben hat. Dennoch: Die Stimmung ist gut im Vereinszimmer des Mönchshof-Bräuhauses, wo die Kulmbacher Grünen zusammen mit den Vorstandssprechern aus Lichtenfels und Bamberg Land die Auszählung verfolgen. Auf Großleinwand läuft die Wahlberichterstattung des ZDF, mit Spannung wird jedes neue Auszählungsergebnis erwartet.

"Natürlich haben wir uns etwas mehr erhofft", sagt der Kulmbacher Vorstandssprecher Christian Ohnemüller, als klar wird, dass die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Die Laune wollen sich die Grünen trotzdem nicht verderben lassen. Immerhin: Direktkandidat Martin Pfeiffer kann 7,45 Prozent der Erststimmen für sich verbuchen, und das als politischer Neuling. Sein Vorgänger bei der Bundestagswahl von 2017, Markus Tutsch, hatte gerade einmal 4,4 Prozent erreicht. Und auch bei den Zweitstimmen legten die Grünen zu: von 5,95 Prozent (2017) auf 8,77 Prozent. "Das ist das beste Ergebnis seit 40 Jahren", freut sich Pfeiffer, auch wenn er natürlich zugeben muss, dass seine Erwartungen deutlich höher waren.

Dafür hat er sich im Wahlkampf mächtig ins Zeug gelegt, ist mit dem Lasten-E-Bike als mobilem Infostand durch den kompletten Wahlkreis 240 geradelt, hat 40 000 Flyer verteilt, 3000 Hausbesuche und etliche Firmenbesuche absolviert, in der vergangenen Woche noch Anton Hofreiter in Kulmbach empfangen. Die Resonanz bei seinen Terminen sei durchweg gut, auch die Zusammenarbeit mit den Kreisverbänden Lichtenfels und Bamberg Land sei hervorragend gewesen. Im Zuge des Wahlkampfes sei in Bischberg (Landkreis Bamberg) sogar ein neuer Ortsverein aus der Taufe gehoben worden. "Wir gehen gestärkt aus diesen Wahlen hervor", ist sich Martin Peiffer am Wahlabend sicher. Warum es trotzdem nicht gereicht hat? "Vielleicht waren wir zu ehrlich zu den Wählern. Wir haben auch kommuniziert, was für mögliche Belastungen auf die Menschen zukommen."

Eine ähnlich Vermutung hat auch Grünen-Stadträtin Dagmar Keis-Lechner, die sich gewünscht hätte: "Es hätte schon noch mehr werden können, denn unsere Themen sind für die nächste Generation immens wichtig." Es sei nötig, den Menschen zu sagen, was auf sie zukommt. Dafür seien die Grünen womöglich abgestraft worden. Man könne aber nicht nur Klimaneutralität bis zu einem gewissen Zeitpunkt propagieren, sondern müsse auch sagen, mit welchen Maßnahmen man das erreichen wolle. "Aber das wird von den anderen Parteien nicht gesagt, und das finde ich eine ziemliche Dreistigkeit", so Keis-Lechner.

Doch auf die eigene Arbeit der vergangenen Wochen waren die Grünen stolz. So sagte Klaus Bartels unter dem Beifall der Versammlung: "Wir haben einen mordsmäßig guten Wahlkampf gemacht mit einem riesen Einsatz des Kandidaten in einer Intensität, wie wir sie noch nie gehabt haben."

Grund genug, um an diesem Abend - Wahlergebnis hin oder her - mit einem Gläschen Sekt anzustoßen.