Die Wartenfelser Kirche ist eine einzige Baustelle. Gerüste und Materialien lagern im Gotteshaus. An eine Nutzung als solches ist nicht zu denken - auch zur Kirchweih nicht.

"Ach, das Schlimmste ist schon überstanden", sagt Pfarrer Godfryd Mizerski. Natürlich schaut er sich oft in der St.-Bartholomäus-Kirche um, er ist über den Baufortschritt genauestens informiert. "Immerhin ist der alte Putz schon weg und der neue aufgebracht. Das sieht doch schon sehr gut aus", gibt sich der Geistliche zuversichtlich. Er hofft, dass die Gläubigen den Advent wieder in der Bartholmäuskirche feiern können.

In wochenlanger Arbeit haben die Arbeiter den Putz, der noch aus der Bauzeit vor gut 150 Jahren stammte, abgeklopft. Vor 45 Jahren wurde das Gotteshaus schon einmal saniert. Leider so, dass die Wände Feuchtigkeit gezogen haben und sich Salpeter eingenistet hatte. Jetzt bestand die Gefahr, dass der Putz herabfällt.
Diese Probleme sind jetzt alle beseitigt.

In dieser Woche kommt ein Künstler, der die Deckenmalereien auffrischt. Die Wand bekommt eine neue Farbe. Und die Figuren, die im Kirchenraum aufgestellt sind, werden ebenfalls "hintermalt".

Kosten: 280.000 Euro

Zudem sollen im Zuge der rund 280.000 Euro teuren Sanierung auch noch einige Glanzstücke einen neuen Auftritt bekommen: Die alten Figuren des Hochaltars, die jahrzehntelang im Dachboden schlummerten, sind aufwändig restauriert worden. Jetzt kommen sie im Altarraum zu neuen Ehren. Die fast lebensgroße Figur des St. Bartholmäus, des Namenspatrons der Kirche, ist schon fertig. Auch die beiden anderen Figuren, die die Heiligen Paulus und Petrus darstellen, sollen im Altarraum für etwas Glanz sorgen.

Zu den Kosten steuert Bamberg 180.000 Euro steuert Bamberg bei, 30.000 Euro die Oberfrankenstiftung. Weitere rund 20.000 Euro sollen durch Spenden aufgebracht werden.

Doch wie feiert man Kirchweih, wenn die Kirche nicht zugänglich ist? Die Wartenfelser hatten vorgesorgt und ließen sich die Freude an der Kerwa nicht verderben. Sie lagerten die Kirchenbänke kurzerhand in eine ehemalige Fabrikhalle aus, die natürlich gesäubert und "festlich" ausstaffiert wurde. Ein beleuchtetes Kreuz dient als Blickfang hinter dem Altar. Vor einer Marienfigur waren Blumen aufgestellt - auf einem roten Teppich. Und von den Wänden blickten die vier Evangelisten aus Goldrahmen auf die Kirchenbänke. Eisenträger und Rohre sind mit Silberpapier verkleidet worden. Sogar eine Orgel wurde in die Halle geschafft, damit Otmar Föhr den Kirchweihgottesdienst musikalisch umrahmen konnte.

Pfarrer Godfryd Mizerski stellte in seiner Predigt natürlich die Weihe des Gotteshauses in den Mittelpunkt. "Kirche ist mehr als nur der Ort, an dem sich die Menschen treffen, um gemeinsam Messen, Andachten und Feste zu feiern; Kirche ist ein Ort, an dem jeder jederzeit mit Gott verbunden sein soll", betonte der Seelsorger und appellierte an die Gläubigen, etwas von der Freude, die bei der Kirchweih zu spüren ist, in den Alltag mitzunehmen. Er rief dazu auf, Brücken zu bauen und Freude am Glauben zu leben.

Die Lust der Menschen, Kerwa zu feiern, nahm Pfarrer Mizerski jedenfalls als lebensnahen Beweis dafür, dass die Kirche auch heute noch in einer globalisierten, oft nüchternen Welt ihren Platz in den Herzen der Menschen einnimmt. Er freute sich über die vielen Gläubigen, die in die alte Fabrikhalle zur "ausgelagerten" Kirchweih gekommen sind.

Tatsächlich war die "Ausweich-Kirche" voll besetzt. Nach der Messe standen viele Katholiken noch lange vor ihrer "Gotteshalle" und blickten auf die "echte" Kirche hinab. In einem Punkt waren sich alle einig: Es wird ein Freudenfest, wenn die Wartenfelser St.-Bartholomäus-Kirche Ende November wieder nutzbar sein wird.