Sie hat sich als Verlobte ausgegeben und konnte deshalb im Ermittlungsverfahren wie auch im Strafprozess vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen: eine heute 24-Jährige, die die Lebensgefährtin des als Bunkermann bezeichneten Mannes war, dem 2015 in Bayreuth der Prozess gemacht worden ist.


Viereinhalb Jahre Haft

Der damals 36-Jährige war am Landgericht wegen Untreue in 23 Fällen, falscher eidesstattlicher Versicherung sowie Verstößen gegen das Waffen-, Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In einem im Garten angelegten Bunker hatte der Mann selbst gebastelte Handgranaten, Rohrbomben, Schwarzpulver und weitere explosive Stoffe gelagert. Auch Rauschgift wurde entdeckt. Der Mann hatte erhebliche Beiträge vom Konto seines Arbeitgebers abgezwackt. Geld, das in den Bunker-Bau geflossen ist.


Höhere Strafe für Bunkermann?

Warum sich eineinhalb Jahre nach der Urteilsverkündung seine frühere Freundin vor dem Kulmbacher Amtsgericht wegen Strafvereitelung verantworten musste? Weil sie im Nachhinein erklärt hat, dass sie mit ihrem Ex-Freund nicht verlobt war. Im Prozess gegen den Bunkermann hätte sie folglich aussagen müssen. Am Tag nach der Urteilsverkündung hatte sie erklärt, dass sich auf dem Grundstück noch Rauschgift befindet. Die Kripo hat in der Folge in einem eingegrabenen Tresor 1,8 Kilo Marihuana sichergestellt. Im Urteil war das Landgericht von 970 Gramm ausgegangen. Hätte die Angeklagte gegen ihren Ex ausgesagt und wäre das weitere Rauschgift entdeckt worden, hätte sich die größere Menge in der Strafhöhe ausgewirkt, so Staatsanwalt Willy Dreise.


"Konnte mir nicht mehr weh tun"

Die 24-Jährige zeigte sich geständig. "Es tut mir leid", stellte die Angeklagte fest. Sie machte deutlich, dass ihr Ex-Freund sie unter Druck gesetzt und dazu gedrängt habe, sich als Verlobte auszugeben. Nach dem Prozess sei eine Last von ihr abgefallen, sagte die Frau, die ein gemeinsames Kind mit dem Bunkermann hat. Sie habe sich offenbart, "weil ich wusste, dass er mir in nächster Zeit nicht weh tun kann", betonte die 24-Jährige.
"Sie hat bei der Festnahme ihres Freundes gezittert. Sie war ihm in meinen Augen hörig", sagte eine Kriminalbeamtin, die im Zeugenstand mitteilte, dass sich die 24-Jährige schon bei der Festnahme des Bunkermanns als Verlobte ausgegeben hat.


"Reinen Tisch gemacht"

Rechtsanwalt Gert Lowack machte deutlich, dass es das Verfahren gegen seine Mandantin nicht geben würde, hätte diese nicht zu dem "Befreiungsschlag" ausgeholt. "Sie hat reinen Tisch gemacht und weitere Ermittlungen ermöglicht." Lowack hielt eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro für angemessen.

Amtsrichterin Sieglinde Tettmann verurteilte die 24-Jährige wegen Strafvereitelung zu 2400 Euro Geldstrafe. Sie hätte nicht schweigen dürfen, auch wenn sie vom Bunkermann psychisch unter Druck gesetzt worden sei, sagte sie. Tettmann vermutete, dass die gegen ihren Ex-Freund verhängte Gesamtstrafe eventuell um sechs Monate höher ausgefallen wäre, wäre dem Gericht die tatsächliche Rauschgift-Menge bekannt gewesen.


Tötungsversuch mit Rohrbombe?

Nach dem Prozess 2015 hatte die Frau erklärt, dass ihr Ex-Freund versucht habe, seinen früheren Chef mit einer Rohrbombe zu töten. Ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes wurde eingestellt.