"Die Situation ist ziemlich angespannt." Die Mitarbeiterin der Apotheke im "Fritz" bilanziert die erste Woche der kostenpflichtigen Corona-Antigen-Tests als "schwierig" und anstrengend. Nachdem das BRK für Bürgertests geschlossen wurde, ist der Ansturm auf die Apotheken entsprechend groß, wie eine Umfrage der BR ergab.

Im "Fritz" liefen an den beiden Test-Vormittagen Dienstag und Mittwoch binnen zwei Stunden jeweils etwa 50 Personen auf, bei denen vor allem zunächst entschieden werden musste, ob sie die Voraussetzungen für eine kostenlose Testung erfüllen oder die Tests kostenpflichtig sind. Dies sei beim vorliegenden Verordnungstext aber nicht immer einfach. "Dazu kommt jeder zweite Anrufer, der fragt, ob er auch nachmittags kommen kann."

Die Apothekerin sieht dringenden Handlungsbedarf. "Es wäre wünschenswert, wenn die kommunale Seite ein Angebot am Nachmittag unterbreiten könnte - für diejenigen, die Anspruch haben auf kostenlose Tests." Das sind: Kinder bis zum 12. und übergangsweise bis zum 17. Lebensjahr, weiterhin Schwangere und Stillende, dazu Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, sowie die Besucher von Pflegeheimen und Krankenhäusern, wenn es die Einrichtungen nicht selber anbieten. Eine Testung am Nachmittag sei derzeit für die Apotheke nicht darstellbar, heißt es.

Angebot wird ergänzt

Oliver Hempfling, Leiter des Corona-Krisenstabs im Landratsamt, bekundet: "Wir sind uns der organisatorischen Probleme durchaus bewusst. Aber als Landkreis-Abstrichstelle sind wir nicht befugt, kostenpflichtige Tests durchzuführen."

Er verweist auf den Ansatz der Verantwortlichen, dies den Regeln des Marktes überlassen zu wollen. "Wir selber organisieren das, was wir tun müssen. Aber wir evaluieren unser Testangebot laufend, gerade natürlich in der Anfangszeit neuer Rahmenbedingungen. Deshalb werden wir die Öffnungszeiten der Nachfrage ein stückweit anpassen, um im Sinne der Bürger zu agieren." Das bedeutet: An Werktagen gibt es künftig zwei Testzeiten: morgens zwischen 6.30 und 9 Uhr, nachmittags zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr, Samstag und Sonntag von 9 bis 11 Uhr.

Seit Beginn des neuen Testregimes wurden in der Landkreis-Teststrecke insgesamt 261 kostenfreie Tests durchgeführt. Diese unterteilen sich in 217 Schnelltests und 44 PCR-Testungen.

Man werde auch weiterhin, so Hempfling, mit Hausärzten und Ärzteverband sowie den Verantwortlichen der Apotheken sprechen. "Ich bitte gleichwohl angesichts der komplexen Neuregelungen noch um Geduld."

Bis nach Bayreuth

Noch einmal anders stellt sich die Situation für jene dar, die einen laborbestätigten PCR-Test benötigen. Hier ist der Redaktion ein Fall bekannt geworden, wonach eine ungeimpfte Kulmbacherin für den Besuch einer Disco-Veranstaltung auf der Suche nach einem Testangebot erst bei einem Arzt in Bayreuth fündig wurde, weil es in Kulmbach offenbar keine einzige Praxis gibt, die einen solchen Test anbietet. Die junge Frau musste dafür 130 Euro bezahlen.

Oliver Hempfling hat dazu eine klare Meinung: "Es gibt ein Impfangebot für alle, die sich impfen lassen können. Es ist ja Zweck der neuen Regel, die Solidargemeinschaft nicht mehr mit diesen Kosten zu belasten."

Insofern könne er bestätigen: Es gibt an den amtlichen Stellen keinen PCR-Test für eine solche private Freizeitveranstaltung. "Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir sind gerne dabei behilflich, Strukturen im Landkreis zu schaffen, um auch kostenpflichtige Testangebote zu etablieren."

Hauptaufgabe sei es nun aber, ein Testangebot für besondere, anspruchsberechtigte Personengruppen zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen etwa auch Besucher und Beschäftigte von Heimen, um die Bewohner dort zu schützen.

Diese Teststrategie unterstütze der Landkreis Kulmbach auch. Hempfling erinnert daran, dass ein Großteil der 119 Corona-Toten Menschen in Pflegeeinrichtungen gewesen sind.