Tennis gehört zu Thurnau wie die Töpferkunst: 196 aktive Mitglieder zählt der TC Weiß-Blau Thurnau, der mit stolzen 17 Teams am Spielbetrieb teilnimmt. Es ist ein Verein, der vor einer gewaltigen Herausforderung steht. Denn nicht nur Corona bremst die Sportler aus - weil der Besitzer der Tennishalle in der Bürgermeister-Kleinlein-Straße, die bis dato das Winterquartier ist, den Mietvertrag nicht verlängert, steht der Verein vor einer ungewissen Zukunft.

"Existenzbedrohend"

Vorsitzender Heiko Ellner-Schuberth spricht von einer existenzbedrohenden Lage, "wenn unser Winterspielbetrieb nicht gesichert ist". Ende April läuft der Mietvertrag aus. "Wir standen vor der Frage: Sollen wir die alte Halle käuflich erwerben und sanieren oder eine eigene Halle bauen?" In einer Online-Befragung hätten sich die Mitglieder eindeutig für den Neubau ausgesprochen

Neben der Tennisanlage

Entstehen soll die Halle auf einem Grundstück, das sich an der Schorrmühlstraße direkt gegenüber der Tennisanlage befindet. Die Marktgemeinde sitzt mit im Boot. Im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde das Areal erworben, das in Erbpacht an den Verein vergeben werden soll. "Der Tennisverein ist für Thur­nau von großer Bedeutung, vor allem auch, weil er eine intensive Jugendarbeit betreibt", sagt Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU). Er freut sich, dass die Riege junger Sportler, die Trainer Oli Hanus in den vergangenen Jahrzehnten herangeführt habe, nun die Weichenstellungen vornimmt.

Die Kosten sind immens

Der TC Weiß-Blau steht vor einer großen Aufgabe, denn die Frage ist: Wie können die immensen Baukosten finanziert werden? Heiko Ellner-Schuberth schätzt diese auf 850 000 Euro. Der Club hofft, 45 Prozent über einen Zuschuss des Landessportverbandes decken zu können. Die Chancen darauf stehen nicht schlecht, wie BLSV-Kreisvorsitzender Lothar Seyfferth mitteilt, der von einem Sonderförderprogramm spricht. In Gemeinden wie Thurnau, die in einer schwierigen finanziellen Situation sind, könne die Zuschusshöhe von 25 auf 45 Prozent erhöht werden. Doch die Zeit dränge, der TC Weiß-Blau müsse den Förderantrag schnell auf den Weg bringen. "Denn der Fördertopf für höheren Zuschüsse wird irgendwann ausgeschöpft sein."

45 Prozent Zuschuss?

Bekäme der Club 45 Prozent, blieben immer noch fast 470 000 Euro Restkosten, die der Verein aufbringen müsste. Ein Betrag, den die Tennisfreunde allein nicht stemmen können. Und so hat sich die Führungsriege um Heiko Ellner-Schuberth, Sandra Roßmerkel sowie Marie und Hannah Zenk Gedanken gemacht, wie man finanzielle Unterstützung erhalten könnte. Der Club hofft auch auf eine Zuwendung der Gemeinde und des Landkreises. Firmen wurden angeschrieben und um eine Spende geben. "Die ersten Rückmeldungen sind erfreulich", sagt stellvertretende Vorsitzende Hannah Zenk. Auch an die Durchführung eines Spendenlaufs ist gedacht, bei dem für jeden gelaufenen Kilometer ein Geldbetrag gezahlt werden soll.

Über drei Jahrzehnte

Durch die Buchung von Hallenstunden könnten Firmen ihren Mitarbeitern ein wöchentliches Training ermöglichen, führt Heiko Ellner Schuberth an. Auch so könnten Einnahmen generiert werden, so der Vorsitzende, der weiß, dass der Verein trotz aller Zuwendungen einen Kredit in stolzer Höhe aufnehmen muss, um sich den Traum von der eigenen Halle zu ermöglichen. Ein Kredit, der über 30 Jahre abgezahlt werden soll.

Auch der TSV 08 baut

Den Mut des Tennisvereins, der eine tolle Jugendarbeit betreibe, sich mit dem Hallenbau ein eigenes Winterquartier zu schaffen, lobt nicht nur Bürgermeister Martin Bernreuther, sondern auch BLSV-Vorsitzender Lothar Seyfferth. Der Club habe ein Großprojekt ins Auge gefasst, von denen es im Landkreis Kulmbach in jüngster Zeit nicht viele gegeben habe. Seyfferth spricht hier den Bau des Sportheims des SV Hutschdorf, aber auch die Pläne der Turnabteilung des TSV 08 Kulmbach an, die auf dem Vereinsgelände im Katzbachtal einen Hallenbau realisiert. Treibende Kraft ist hier Maxi Roßberg, die das Projekt auf den Weg gebracht hat. "Die Planungen sind schon weit gediehen", sagt die Leistungsturnerin. Demnächst werde die Bodenplatte ausgeschrieben, der Bau der Halle könne dann zeitnah beginnen. Bei Baukosten in Höhe von rund 560 000 Euro steuert hier der Bayerische Landessportverband 137 000 Euro bei. Den Restbetrag will Maxi Roßberg dem Verein spenden.

Der erste Ballwechsel 2022?

Vor einer weitaus größeren finanziellen Herausforderung steht der Tennisverein, doch ist die Führungsriege überzeugt, dass auch in Thurnau zeitnah der Hallenbau in Angriff genommen werden kann. Möglichst Anfang 2022 soll unter dem neuen Hallendach der erste Ballwechsel erfolgen.

Hierzu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Junge Sportler setzen ein Zeichen

Wer behauptet, dass junge Leute heute nicht mehr bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, der wird beim Blick nach Thurnau und Kulmbach eines Besseren belehrt. Dort bauen junge Sportler gerade an der Zukunft ihres Vereins.

In Kulmbach verwirklichen sich die Leistungsturnerinnen des TSV 08 den Traum von der eigenen Trainingshalle auf dem Vereinsgelände in Katzbachtal. Die Zeiten, in denen sie sich in der Halle der Max-Hundt-Schule am Sportunterricht orientieren, die Turngeräte bei jedem Training auf- und abbauen mussten, sind schon bald vorbei.

Dass sich die Nullachter eine eigene Sportstätte schaffen können, haben sie vor allem ihrer Turnerin Maxi Roßberg zu verdanken, die treibende Kraft des Projekt ist und eine stattliche Summe von rund 400 000 Euro aus eigenen Mitteln beisteuert. Geld, das sie dem Hauptverein, der die Halle auf dem Parkplatz vor dem Sportheim errichten wird, als Spende zukommen lässt. Hört sich verrückt an, es ist aber Fakt: Maxi Roßberg lässt sich ihren großen Traum einiges

kosten.

Ein weitaus größeres Wagnis gehen in finanzieller Hinsicht die Thurnauer Tennisfreunde ein, die im Frühjahr aus der angemieteten Halle in der Bürgermeister-Kleinlein-Straße ausziehen müssen und damit ihre Winterquartier verlieren. Die überwiegende Mehrheit der Mitglieder hat sich nicht für den Kauf und die Sanierung der alten Halle, sondern für einen Neubau entschieden, der nach aktuellen Schätzungen 850 000 Euro verschlingen würde. Ein dicker Batzen Geld für einen Verein, der selbst einige Hunderttausend Euro schultern müsste, selbst wenn der Landessportverband die erhoffte Förderung von 45 Prozent gewähren würde. Die Tennisfreunde hoffen nun auf Zuschüsse und Spenden - auf einen noblen Gönner, wie ihn die Turnerinnen aus Kulmbach haben, können sie aber nicht setzen.

Beim TC Weiß-Blau ist man sich der Tatsache bewusst, dass der Hallenbau den Verein über Jahrzehnte finanziell belasten wird. Die junge Führungsriege sieht aber nicht nur das Risiko, sondern die Chance, die Zukunft des Vereins zu sichern, der eine tolle Jugendarbeit leistet und in sportlicher Hinsicht ohne Frage eine Zukunft hat.