Friedrich Herold hat unruhige und kurze Nächte. Die kühle Witterung fordert den Obstbauern, der im Kasendorfer Ortsteil Lindenberg auf fünf Hektar Fläche Kirschen, Zwetschgen, Birnen und Äpfel anbaut. Auch nachts um 1 Uhr geht sein Blick auf's Thermometer, denn: Der 54-Jährige fürchtet Väterchen Frost.

Die Zwetschgen stehen auf den Feldern bereits in Vollblüte, und auch die Frühkirschen blühen - und drohen zu erfrieren. "Minus ein Grad halten die Blüten gerade noch aus", sagt Friedrich Herold, der bis dato Glück hatte. Nur einmal sei die Temperatur in der letzten Woche unter null Grad gesunken.


Der Schutzpatron

Der Landwirt dankt dem "Schutzpatron Görauer Anger". Unterhalb des Höhenzugs lasse der Wettergott meist Milde walten. Herold: "Bei uns ist es oft wärmer als in Dörfern, die höhenmäßig weiter unten liegen." Und im Tal war es in den vergangenen Tagen teils tatsächlich um einige Grad kälter.


Notfalls wird geräuchert

Er müsse ständig auf der Hut sein, betont der Obstbauer. Sinkt die Temperatur in kritische Bereiche, räuchert er die Bäume nämlich ein. Eine Schutzmaßnahme für die Blüten: Der Qualm hülle diese unter eine "Glocke" ein. "Die Kälte kann da nicht eindringen." Feuer schüren musste der 54-Jährige in diesem Frühjahr aber noch nicht. "Ich hoffe, dass das so bleibt", sagt Herold, der mehr als die jetzige Frostperiode die Eisheiligen Mitte Mai fürchtet. "Denn der Blütenfrost ist nicht so gefährlich wie der Frost, der den Fruchtansatz gefährdet."


Das Risiko

Große Ernteeinbußen befürchtet er ob der kalten Tage Ende April nicht. "Doch sicher kann man sich da nie sein." Die Natur sei unberechenbar und damit auch der Ertrag. "Wir haben halt kein Dach über unserem Arbeitsplatz und Jahr für Jahr ein unternehmerisches Risiko." Auf eine Rekordernte sei er nie aus. Gebe es Früchte im Überfluss, gehe der Preis in den Keller. "Mir ist daher eine Ernte mit mittlerem Ertrag lieber."

Ortswechsel: Matthias Stenglein baut 13 Kilometer weiter kein Obst, sondern Gemüse an. Stenglein ist Spargelbauer in Rothwind. Und dort ist es oft frostiger als im höher gelegenen Lindenberg. Der 45-Jährige hat nachts teils Temperaturen von drei Grad minus ausgemacht. Schlecht für den Spargel, der neben Sonnenstrahlen vor allem auch Wärme braucht. An beiden hat es zuletzt gemangelt.


Zwei statt sieben Zentimeter

Die Folge: Der Spargel, der laut Stenglein bei 15 bis 18 Grad Bodentemperatur bis zu sieben Zentimeter am Tag wächst, lässt es derzeit langsam angehen. "Bei der kühlen Witterung sind an vielen Tagen gerade mal zwei Zentimeter drin."


Erddamm

Weil der weiße Spargel in einem Erddamm wächst, der isoliert, gedeiht er relativ gut. Schwerer hat es da schon der grüne Spargel, der zum größten Teil über der Erde wächst und nur durch einen kleinen Folientunnel vor der Kälte geschützt ist. Wenn es die Folie bei Minustemperaturen dann auch noch wegweht, ist es um das grüne Gemüse geschehen. Die Ernteerträge könnten nicht unterschiedlicher sein. "Weißen Spargel haben wir zurzeit genug. Der grüne Spargel ist mangels Masse in unserem hofeigenen Laden am Vormittag meist schon ausverkauft", teilt Stenglein mit.

Mit großen Ernteeinbußen müsse er wohl nicht rechnen, sagt der Spargelanbauer, der die plausible Erklärung liefert. "Sobald die Temperaturen wieder steigen, wächst der Spargel wieder." Die Saison könnte sich aufgrund der Frostperiode daher um einige Tage verlängern.


Geduld ist gefragt

Der 45-Jährige braucht Geduld. Geduld, die gerade auch Verbraucher aufbringen sollten, meint Ruth Geyer vom biologischen Gartenbau-Betrieb in Veitlahm. Man arbeite mit der Natur, die sich nicht in zeitliche Abläufe zwängen lasse und Überraschungen mit sich bringe, sagt Geyer, die nicht abschätzen kann, ob der Frost ihrem Betrieb wirtschaftlich schadet. Viele Pflanzen habe sie noch gar nicht gesät. Sie befürchtet, dass es die Pfirsich-Bäume getroffen hat. Das hätte man verhindern können, sagt Geyer: "Wenn wir diese mit einem Baldrian-Präparat besprüht hätten, das eine wärmende Wirkung hat."