Es war ein heruntergekommenes bäuerliches Anwesen, das Johann Schneider senior am 22. Dezember 1829 ersteigerte. Nach dessen Tod 1845 übernahm Johann junior die Geschäfte. Und er war ehrgeizig. Der größte Teil der in die Jahre gekommenen Gebäude wurde abgerissen und durch schmucke, gewichtige Neubauten aus teueren Sandsteinquadern ersetzt.

Das Wichtigste aber war der Bau einer Brauerei mit Brauhaus, Malzhaus und den notwendigen Eis- und Gärkellern. Das Grundsteuer-Kataster von 1853 weist nun das neue Schmuckstück als "neu gebildeten Gutskomplex" aus. Schneider verfügte inzwischen auch über einen umfangreichen landwirtschaftlichen Besitz, auch in der Steuergemeinde Willmersreuth


Das Unternehmen expandiert

Nach dem Tod von Johann Schneider 1889 verwalteten seine Erben als "Johann Schneider's Relikten-Brauerei" das Anwesen. Dann übernahm Thomas Schneider mit inzwischen dazugekommenem Wirtshaus und Metzgerei sein Besitztum. Er braute nicht nur für seinen eigenen Ausschank, sondern belieferte auch Zapfenwirte in den Nachbarorten von Schwarzach. Und weil es Brauereien aus Kulmbach vormachten, versuchte er auch, einige Hektoliter seines Gerstensaftes über die bayerischen Grenzen nach Sachsen und Thüringen zu verkaufen.

Die Eltern von Babette Karl aus Fassoldshof waren froh, dass sie ihre 15-jährige Tochter nach Beendigung der Schulzeit als Dienstmagd im Schneider'schen Betrieb unterbringen konnten. Dem jungen Mädchen gefiel es dort, warum auch immer, überhaupt nicht. Die Abneigung gegen ihren Dienstherrn, Brauereibesitzer Schneider, ging so weit, dass sie sich zur vierfachen Brandstifterin entwickelte.

Am 14. November 1905 brannte das Strohdach des Eiskellers und - nachdem hier kein größerer Schaden angerichtet worden war - bald darauf eine Scheune. Im letzteren Fall war das Feuer in der Tenne gelegt worden, wo ungedroschenes Getreide in Brand gesteckt wurde. Es brannten auf der anderen Straßenseite sämtliche Nebengebäude ab, bis auf das massive Brauhaus.


Unschuldig verhaftet

Der Verdacht, beide Brände gelegt zu haben, richtete sich gegen den Dienstknecht Wolf, der dann auch verhaftet wurde.

Aber die Brandstiftungen gingen weiter. Allein am 23. November 1905 brannte es im Schneider'schen Bienenhaus und, nachdem dieses Feuer gelöscht war, in einer weiteren Scheune. Daraufhin wurde Babette Karl festgenommen. Sie gab anfänglich an, von Wolf angestiftet worden zu sein.

Die Gerichtsverhandlung über diese Untaten war auf den 28. Februar 1906 vor der Strafkammer in Bayreuth anberaumt. Wie in der Gerichtszeitung vom 2. März nachzulesen, legte der 15-jährige Teenager legte unter Heulen ein umfassendes Geständnis ab, so dass auf die Vernehmung der zahlreichen Zeugen mit Ausnahme des Ortsgeistlichen verzichtet werden konnte. Dem Brauereibesitzer Thomas Schneider war ein Gesamtschaden von rund 20 000 Mark entstanden.


Eineinhalb Jahre Gefängnis

Jugendschutzgesetze wie heute gab es zu Kaisers Zeiten noch nicht. Der Staatsanwalt beantragte wegen der vollendeten Brandstiftung vier Jahre, wegen drei Versuchen hierzu zwei Jahre, umzuwandeln in eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Gefängnis. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von eineinhalb Jahren. Nur ihr jugendliches Alter schützte die Brandstifterin davor, dass sie nicht vor das Schwurgericht und ins Zuchthaus kam.
Um den Schaden, den Thomas Schneider erlitt, einschätzen können, zwei Beispiele: Für ein Wilhelminisches 3-Mark-Stück musste ein Bergarbeiter einen Tag schuften. Der Wochenlohn eines (gut bezahlten) Münzarbeiters in München betrug 1906 ganze 23 Mark.
Thomas Schneider verkraftete diese Verluste, musste aber seinen Braubetrieb im Verlaufe des Ersten Weltkrieges wegen Kontingentierung von Braugerste aufgeben und seine Braurechte verkaufen. Das Wirtshaus ist heute noch in Betrieb und als "Oberer Wirt" bekannt.