Demenz-Experte in Kulmbach: Diagnose und Prävention sind wichtig

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Rund hundert Gäste hörten den Vortrag des Coburger Demenz-Experten Johannes W. Kraft im Medienhaus Baumann.Peter Müller
Rund hundert Gäste hörten den Vortrag des Coburger Demenz-Experten Johannes W. Kraft im Medienhaus Baumann.Peter Müller

Demenz - kann man sich vor der gefährlichen Erkrankung des Gehirns schützen? Und wenn ja, wie?

Johannes W. Kraft, der auf Einladung der MGO-Fachverlage und der Bayerischen Rundschau am Mittwochabend im Medienhaus Baumann dieser Frage nachging, hatte dazu eine schlechte, aber auch eine gute Nachricht.

Das Negative zuerst: Nur rund zehn Prozent der Betroffenen können geheilt werden.

Die gute Nachricht: Bei rechtzeitiger Diagnosestellung ist eine Verzögerung oder Linderung der Symptome bei etwa 90 Prozent der Erkrankten möglich. "Mit neuartigen Methoden kann die Krankheit schon drei Jahre vor ihrem Ausbruch vorhergesagt werden", betonte der Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Rehabilitation am Klinikum Coburg.


Jedes Jahr 300 000 Kranke mehr

Kraft, der dort unter anderem die Gedächtnisambulanz aufgebaut hat, teilte den rund hundert Zuhörern mit, dass Demenz eine typische Erkrankung des hohen Lebensalters ist. Mit 60 Prozent sei Alzheimer die am weitesten verbreitete Form. "Die Zahl der Erkrankungen nimmt pro Jahr um rund 300 000 zu, weil immer mehr Menschen über 80 Jahre alt werden. Ab 97 Jahren nehmen die Fälle dann wieder ab."

Die Hälfte aller demenziellen Syndrome sei bei rechtzeitigem Beginn präventiver Maßnahmen vermeidbar. Zur Vorbeugung sollte man sich vor allem darum bemühen, die wichtigsten Risikofaktoren auszuschalten. Diese seien nicht behandelter Bluthochdruck, inneres Bauchfett durch Insulinresistenz (schon bei Kindern messbar), Diabetes, unbehandeltes Vorhof-Flimmern sowie Alkohol- und Nikotinmissbrauch. Anfällig seien darüber hinaus Menschen mit geringen psychosozialen, geistigen und körperlichen Aktivitäten, mangelnder Bildung und sozialer Isolation. Negative Auswirkungen sind laut Kraft auch durch Schlafmangel oder -störungen und unbehandelte Depressionen zu befürchten.


Gesunde Ernährung schützt

Als Schutzfaktor legte der Medizinier seinem Publikum auch eine gesunde Ernährung ans Herz: "Ernähren Sie sich so bunt wie möglich, wobei Sie mehr Gemüse als Obst mit seinem hohen Zuckergehalt zu sich nehmen sollten." Nicht zu vernachlässigen sei ebenfalls die sogenannte Autophagie. die körpereigene Müllabfuhr, die die Zellen reinige und entgifte.

Aktiviert werden könne dieser Prozess ganz einfach durch die 3 x 16-Methode - drei Mal in der Woche 16 Stunden lang nichts essen, damit der Körper in die Fettverbrennung kommt. Kraft: "Das bedeutet, dass sie nur drei Mal entweder das Frühstück oder das Abendessen weglassen müssen."


Eine Kleidergröße in drei Monaten

Denn es sei tatsächlich so, dass es dort, wo es viele dicke Menschen gibt, die Lebenserwartung sinkt und die Zahl der Krankheiten steigt. Mit dieser Methode sei es auch durchaus möglich, innerhalb von drei Monaten um eine Kleidergröße abzunehmen. Durch den Abbau giftiger Zucker-Eiweiß-Moleküle beuge man neben Demenz auch Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Arthrose und Rheuma vor.

Der Referent bezifferte die Dauer zwischen dem Beginn merklicher Symptome und der Diagnose in Deutschland auf durchschnittlich viereinhalb Jahre. "Da muss ich selber meinen Berufsstand kritisieren. Das ist zu lange, das muss besser werden", sagte Kraft und empfahl dringend eine korrekte und frühzeitige Diagnose: "Sonst kriegen Sie den Pflegegrad 2 nicht, und das sind 316 Euro im Monat. Darauf haben Sie ein Recht!"


Enorme Einsparungen möglich

Nicht unerheblich sei auch der finanzielle Aspekt der Demenz-Vorsorge: "Wenn es gelingt, Demenz um zwei Jahre zu verschieben, könnten bundesweit rund fünf Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden."

Auszubildender Stefan Brumm von den Fachverlagen hatte eingangs den Referenten begrüßt und den Gästen erklärt. dass die Organisation der Vorträge ein Projekt der Azubis ist.