"Haben die Leute das Weggehen verlernt?" Während Veranstalter Matthias Mayer (u. a. Plassenburg-Open-Airs) trotz der Lockerungen noch auf mehr Besucher bei vielen Events hofft, sind andere schon wieder guter Dinge. Eine Umfrage unter Kulturschaffenden gibt ein durchwachsenes Bild der Lage.

"Mein Eindruck ist, dass die Leute dankbar sind, wieder Veranstaltungen besuchen zu können und eine Ablenkung zu haben von den strikten Einschränkungen der vergangenen Monate." Das sagt Helmut Völkl, der Leiter des Tourismus und Veranstaltungsservice (TUV) der Stadt Kulmbach. Die Resonanz auf die Veranstaltungen in der Dr.-Stammberger-Halle sei sehr positiv.

Als erfolgreiche Beispiele nennt er nicht nur Auftritte von Künstlern wie Gerhard Polt und den Well-Brüdern, sondern auch den Mädchen-Flohmarkt, der am Wochenende für ein volles Haus gesorgt habe. Außen-Veranstaltungen wie das Lauf-Event "Kulmbach Trails" würden wieder Besucher wie früher locken. "Und die Durchführung des Adventsmarkts ist durch die Regelungen des Freistaats erleichtert worden", freut er sich.

17 Veranstaltungen allein im November

Dass das Angebot steigt, das zeigt sich nach den Worten von Völkl auch daran, dass die Stadthalle wieder gut gebucht ist: "Dort finden allein im November 17 Veranstaltungen statt." Dazu zählen interne Firmen-Events ebenso wie der Auftritt von Heißmann und Rassau am 18. November. "Es läuft wirklich wieder gut an", ist der TUV-Chef zufrieden.

Nach erst einer Party-Nacht im Kauernburger Schlössla fällt es Veranstalter Jörg Hofmann schwer, schon ein Fazit zu ziehen: "Wir sind froh, dass es wieder losgeht und waren mit dem Besuch äußerst zufrieden, selbst wenn noch 50 Leute mehr ins Schlössla gepasst hätten", erklärt er mit Blick auf den Auftakt vor knapp zwei Wochen. Die Besucher seien gut vorbereitet gewesen, die 3G+-Regelung habe gut funktioniert. "Die Leute hatten Lust aufs Feiern", sagt er. Das sei auch verständlich gewesen nach 18 Monaten, in denen nichts los war. "Jetzt warten wir ab, wie es läuft. Nach zwei, drei Veranstaltungen lässt sich sicher ein besseres Fazit ziehen." Am heutigen Samstag hat das Schlössla wieder geöffnet, unter dem Motto "D.i.s.c.o. 54" darf getanzt werden.

"Richtig problematisch ist der Kulturbereich, während Rock-/Pop-Konzerte für junge Leute gut laufen." Das hat Matthias Mayer, der Geschäftsführer von Motion Kommunikation in Bayreuth, beobachtet. Lediglich Termine, die schon vor beziehungsweise während der Pandemie angesetzt und für die Eintrittskarten verkauft wurden, würden gut besucht. Aber auch hier würden zehn bis 20 Prozent der Ticketkäufer nicht kommen. Bei Kollegen seien es schon bis 50 Prozent gewesen, berichtet Mayer von einem bundesweiten Phänomen. Und: "Für neue Veranstaltungen kauft kaum einer mehr Tickets." Das drehe den Kulturschaffenden langsam die Luft ab.

Als einen Grund hat er die unterschiedlichen Regelungen (2G, 3G, 3G Plus) ausgemacht. Die einen seien nicht geimpft, andere wollten sich nicht testen lassen, wieder andere nicht mit Ungeimpften zusammenkommen. "Man kann es nicht jedem recht machen", sagt er.

Außerdem würden manche keine Tickets kaufen aus Angst, die Veranstaltung könnte abgesagt werden. Ein Teufelskreis: "Wenn keine Tickets verkauft werden, kann das wiederum zur Absage führen." Für ihn gibt es nur einen Weg aus der Krise und einen Appell: "Kauft Tickets und habt Verständnis, wenn mal was ausfällt." Er versuche, jede Veranstaltung durchzuführen, um den Besuchern die Sicherheit zu geben, dass alles stattfindet.

"Der Vorverkauf ist das A und O", bestätigt auch Stefan "Das Eich" Eichner. Denn nur so könnten Veranstalter und Künstler planen. Derzeit liege der Vorverkauf aber 80 Prozent unter Vor-Corona-Niveau, erklärt Eichner, der mit seinem Reinhard-Mey-Abend erst vergangenes Wochenende in der Dr.-Stammberger-Halle gastiert hatte. Sein erster Auftritt in der Stadthalle seit April 2018, den er genossen hat. "Das war eine schöne Konzertatmosphäre." Mit dem Besuch ist er angesichts des kurzfristig anberaumten Termins ("vor vier Wochen") zufrieden. "Die Leute hatten Spaß und haben gemerkt, dass es gar nicht so kompliziert ist, wieder ein Konzert oder ein Theater zu besuchen", lautet seine Bilanz des Abends.

Warum dennoch viele nicht gehen, da kann er nur spekulieren: "Manche fürchten die Bürokratie durch die unterschiedlichen Regelungen, bei anderen hat sich eine gewisse Lethargie eingeschlichen. Die waren lange daheim und es fällt ihnen schwer, sich wieder aufzuraffen." Die wenigsten hätten Bedenken wegen der Sicherheitskonzepte. Die seien ausgetüftelt, bestätigt Eichner. "Da muss niemand Sorgen haben, dass was passiert."

Sonst schon mehr Reservierungen

20 Prozent weniger Stühle stehen im Theater "Das Baumann", wo am heutigen Samstag um 20 Uhr die ausverkaufte Premiere von "Der Krug is hie" über die Bühne gehen wird. Wie die Kontrollen am Einlass funktionieren werden, darauf ist Theater-Chef Rüdiger Baumann selbst gespannt. "Wir haben noch keine Erfahrung mit 3G Plus." Er rechne mit Verständnis, weil die Leute wissen, dass "das nicht unsere Idee war". Und weil sie so ohne Maske auf ihren Plätzen sitzen können.

Aber auch Rüdiger Baumann spürt noch eine gewisse Zurückhaltung. "Normalerweise haben wir in dieser Phase schon mehr Reservierungen." Allerdings er ist zuversichtlich, dass sich das bald geben wird. "Solange wir den Laden nicht komplett zumachen müssen, kommen wir klar."