Ein Standbein hat die Uni Bayreuth mit dem Forschungsinstitut für Musikwisschenschaften schon seit vielen Jahren im Thurnauer Schloss. Ein zweites kommt jetzt hinzu: das Institut für Fränkische Landesgeschichte, das die Bayreuther Hochschule zusammen mit der Uni Bamberg einrichtet. In die Gräflich Giech'sche Schlossanlage ziehen Historiker ein, die sich mit der regionalen Geschichte befassen und nach der millionenschweren Sanierung ab dem Jahr 2019 im Nordflügel beheimatet sein werden. Während der Lehrstuhlinhaber noch gesucht wird, hat sich der erste Mitarbeiter bereits niedergelassen. Marcus Mühlnikel heißt der Mann, dessen Büro sich im Carl-Maximilian-Bau befindet.

"Thurnau ist an sich schon interessant. Allein durch das Schloss, das ja eine Baugeschichte vom 13. bis 21. Jahrhundert aufweist", sagt der promovierte Historiker, der bis 2015 Studienrat am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth war und für drei Jahre als Lehrkraft an das sich im Aufbau befindliche Institut abgeordnet wurde. Thurnau, da ist sich Marcus Mühlnikel sicher, wird auch im Forschungskonzept des Institutes eine Rolle spielen.


Das Giech'sche Archiv

Der 41-Jährige, der von 2007 bis 2012 Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Uni Bayreuth war, betont, dass die konzeptionelle Ausrichtung vielschichtig sein wird. So habe das Institut einen Lehrauftrag für Studenten an den beiden oberfränkischen Unis. Diese könnten auch in der Thurnauer Geschichte forschen, befinde sich im Bamberger Staatsarchiv doch das Giech'sche Archiv, das mit 750 Aktenmetern einen riesigen Fundus biete. Was im Schloss selbst erforscht werden wird, das werde allerdings der Institutsleiter entscheiden.

Neben dem Institut für Fränkische Geschichte ist im Schloss laut Mühlnikel auch ein Zentrum für Kulturkommunikation und Geschichte geplant. Hier seien die Überlegungen aber noch nicht weit gediehen. "Klar ist bislang lediglich, dass dieses Zentrum eine Vermittlungsrolle zwischen den ,Profi'-Historikern des Instituts und den interessierten ,Laien-'-Historikern der Region darstellen kann." Was im Rahmen dieses Zentrums alles laufen wird, müsse man abwarten. "Denkbar wären Vorträge und Kurse in den historischen Hilfswissenschaften."


Blockseminar für Studenten

Mühlnikel, der an den beiden Unis bereits Studenten unterrichtet, hat eigene Ideen entwickelt, von denen gerade auch Thurnau profitieren könnte. So plant er für 2016 ein Blockseminar mit Studenten, die Infotexte zur Geschichte des Schlosses erarbeiten. Diese könnten, auf Tafeln im Hof präsentiert, Besucher über die Gebäude und Historie der Anlage aufklären.


Der Traum vom Museum

Von einem Museum, in dem Waffen, Bilder, aber auch Mobiliar aus der Giech'schen Sammlung gezeigt werden, träumt Kastellan Ralf Wirth. Damit könnte sich das Schloss für Besucher öffnen, sagt er. Auch Marcus Mühlnikel glaubt, dass ein Museum eine Attraktion wäre. Ein Museum, in dem man die Lebenswelt fränkischer Reichsritter darstellen könne. In Thurnau herrschten nach den Rittern von Förtsch ab 1564 die Herren (ab 1695 Grafen) von Giech. Allein deren Sammlung sei mit Waffen, Hochzeitstruhen oder Wandteppichen reichhaltig, so Mühlnikl. Die giech'schen Exemplare würden geschätzt. So könne man eine Prunkrüstung von Kaiser Matthias etwa im Metropolitan Museum of Art in New York bestaunen.


"Nicht zu stemmen"

Doch das Museum scheint zumindest vorerst eine Vision zu bleiben. Wie Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) erklärt, sei ein solches Projekt nicht zu stemmen, weil es sehr hohe, auch laufende Kosten, verursachen würde, die der Markt, wenn es keinen anderen Träger gäbe, nicht stemmen könnte. Thurnau sei jetzt erst einmal froh, dass die Finanzierung des nächsten Bauabschnitts in trockenen Tüchern sei.
Landrat Klaus Peter Söllner ist Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Gräflich Giech'schen Spitalstiftung, die Eigentümerin des Schlosses ist. Wie Söllner mitteilt, "stehen wir allem, was der Schlossanlage nutzt, aufgeschlossen gegenüber". Mit dem Institut könne "etwas wachsen", wobei das Museum aktuell kein Thema sei, weil der Blick zunächst auf die bauliche Entwicklung gerichtet werden müsse werde.

Was sich in Thurnau getan habe, ist seinen Worten zufolge beachtenswert. "Dank vieler Unterstützer sind wir in zäher Kleinarbeit zu einem tollen Ergebnis gekommen", so der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes. Das Schloss sei inzwischen ein Premium-Veranstaltungsort, der durch das Institut für Landesgeschichte eine weitere Bereicherung erfahre.