Wieder die Autobahnauffahrt bei Unterbrücklein, wieder ein Bierlaster, der in der Kurve seine Ladung verliert und wieder Hunderte bis Tausende zerbrochene Mönchshof-Flaschen auf der Fahrbahn. Es ist fast immer das gleiche Szenario, das sich seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit an der Anschlussstelle der A70 abspielt. Lediglich Unfallzeitpunkt und Herkunft des Lastwagens sind austauschbar.

Kein Wunder, dass besagte Auffahrt - betroffen sind übrigens beide Zubringer, sowohl in Richtung Bamberg als auch in Richtung Bayreuth - im Volksmund längst den Spitznamen "Bierkurve" erhalten haben. Was genau genommen nicht ganz korrekt ist, denn an jener Stelle haben Lastwagen auch schon ganz andere Ladungen verloren.

Immer wieder verlieren Bierlaster hier ihre Ladung

Doch der Bezeichnung "Bierkurve" machte die Örtlichkeit am Montagmorgen gegen 9.40 Uhr wieder einmal alle Ehre, als der Fahrer einer Bayreuther Spedition beim Linksabbiegen von der B 85 auf die Autobahn in Richtung Bamberg offenbar die Fliehkräfte seiner Ladung unterschätzte.

200 Kästen Mönchshof-Bier durchbrachen die Bordwand und stürzten vom Auflieger nach rechts auf die Fahrbahn und in den Straßengraben. Als Unfallursache machten die Ordnungshüter eine mangelhafte Ladungssicherung aus, was für den Lkw-Fahrer eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige zur Folge haben wird.

Durch die Aufräumarbeiten kam es zu einer kurzen Sperrung der Anschlussstelle, erhebliche Verkehrsbehinderungen blieben glücklicherweise aus. Den Sachschaden beziffert die Polizei auf circa 4000 Euro. Neben einer Polizeistreife aus Kulmbach waren auch Spezialisten der Verkehrspolizei Bayreuth sowie die Autobahnmeisterei Thurnau im Einsatz.

Die "Bierkurven"-Unfälle der vergangenen Jahre

Ein Blick auf die "Bierkurven"-Unfälle der vergangenen Jahre zeigt, dass es vor allem zwei Dinge sind, die diese Unfälle verursachen: mangelnde Ladungssicherung und ein etwas zu flotter Fahrstil beim Abbiegen. Der Geschäftsführer der Verkehrsakademie Kulmbach, Michael Möschel, nahm in einem ähnlichen Fall im vergangenen Jahr die Fahrer der Kulmbacher Brauerei in Schutz. "Sie sind intensiv geschult von uns, Ladungssicherung ist dabei sogar ein Extra-Block". Oftmals handele es sich aber um Fahrer anderer Firmen oder Speditionen.

Das betonte auch der Vorstandssprecher der Kulmbacher Brauerei, Markus Stodden, der bei der Aktionärsversammlung des Unternehmens im vergangenen Jahr ebenfalls auf das Thema angesprochen wurde. "Meistens sind das nicht unsere eigenen Fahrzeuge und Fahrer, die zum ersten Mal hier sind und die Kurve unterschätzen", sagte er im Mai 2019.

Die Brauerei gebe inzwischen sogar extra ein Merkblatt aus, um auf die unfallträchtige Stelle und eine besonders vor- und umsichtige Fahrweise dort aufmerksam zu machen.

Prozesse und Schulungen

Auf Nachfrage zu einem vergleichbaren Unfall hieß es im vergangenen Oktober von Seiten der Brauerei: "Das Thema Ladungssicherung wird in unserer Brauerei schon deshalb sehr ernst genommen, weil wir gesetzlich für eine sichere Verladung der Ware verantwortlich sind, ganz unabhängig davon, ob es sich um eigene Fahrzeuge unserer Brauerei oder die von Abholern oder Spediteuren handelt. Zur Ladungssicherung gibt es festgelegte Prozesse, zu denen unsere Mitarbeiter im Jahresturnus geschult werden."

Für die Betriebs- und Verkehrssicherheit der Fahrzeuge seien die Lkw-Fahrer verantwortlich. Dazu gehöre zum Beispiel auch das ordnungsgemäße Verschließen der Planen. Laut Michael Möschel von der Verkehrsakademie unterschätzen manche Lenker die Folgen einer mangelnden Sicherung und die Kräfte, die etwa bei einer Kurvenfahrt auftreten können. Dazu könne dann noch eine fatale Mischung aus Eile und "Zieh' ich bei der ersten Rast nach" kommen.

Dass es hauptsächlich Speditions-Lastwagen sind, denen die "Bierkurve" zum Verhängnis wird, würde auch erklären, warum es kurioserweise immer Mönchshof-Spezialitäten sind, die auf der Straße landen - schließlich sind sie der nationale Verkaufsschlager der Kulmbacher Brauerei.