Doreen und Dominik sind Gestrandete in einer Welt, die sie nicht kennen: die Quarantänestation des Kulmbacher Tierheims. Und dennoch erfahren die beiden Katzen wohl erstmals in ihrem Leben das, was man "umsorgt werden" nennt. Dabei ist eine normale Kontaktaufnahme so leicht gar nicht möglich, denn die Tiere sind durch ihre Vorgeschichte scheu, teils panisch und traumatisiert. "Einen geregelten Umgang mit Menschen kennen diese Katzen nicht, sie haben im Rudel mit Ihresgleichen gelebt und nur Futter und Wasser hingestellt bekommen. Das macht es sehr schwierig, aber nicht unmöglich", sagt Carina Wittmann. Sie und Angelika Enzmann, die beiden Leiterinnen der Einrichtung, hatten in den vergangenen Wochen zehn solcher Fälle zu betreuen. Die Tiere kamen über Nacht, nachdem sie aus einem Haus gerettet wurden. Mittlerweile sind die Katzen zur Vermittlung freigegeben, einige haben ein neues Zuhause gefunden.

Rückblick: In Diepersdorf (Gemeinde Leinburg) im Großraum Fürth wird die Feuerwehr Anfang Februar zu einem Wasserschaden in einem Mehrfamilienhaus gerufen. Was sie allerdings neben feuchten Böden und Wänden noch finden: 116 tropfende Katzen in einer verwahrlosten Wohnung. Die Samtpfoten lebten - oder besser: vegetierten in zwei Zimmern und auf 60 Quadratmetern. Die Mieterin und Besitzerin der Tiere, eine 60-Jährige, war zum Zeitpunkt des Einsatzes nicht da.

Auf drei Heime verteilt

Es war schnell klar, dass allein die schiere Menge der Fundtiere nicht von einem Tierheim allein versorgt werden konnte. Und so landeten zehn der Schützlinge schließlich in Ködnitz. "Wir haben die Tiere übernommen und gleich festgestellt: Sie waren weder geimpft noch gechipt, sie haben wohl selten oder noch nie einen Tierarzt gesehen", sagt Carina Wittmann. Das ändert sich schnell. Die Tiere werden Tierärztin Sonja Büttner in Kulmbach vorgestellt, die nötigen Versorgungen wie Impfung und Entwurmung vornimmt. Vor allem ein starker Floh- und Wurmbefall ist zu konstatieren. Diese Vorbelastungen halten auch das Tierheim-Team auf Trab.

In der Quarantänestation des Tierheims sollen die Neuankömmlinge vor allem eines: gesund werden und zur Ruhe kommen. Es handelt sich um Perser-Siam-Mischlinge. Die Versorgung ist nicht einfach, denn diese Tiere wollten keinen Kontakt. "Sie kennen das nicht", sagt Angelika Enzmann. "Sie können nicht unterscheiden, ob man ihnen Gutes oder Böses will. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen."

Die Kosten für Tierarzt, Unterbringung und Betreuung wurden zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung zunächst vom zuständigen Veterinäramt Nürnberger Land übernommen. Ab der offiziellen Übereignung an den Tierschutzverein Kulmbach aber hat dieser die Kosten zu tragen. Laut Carina Wittmann müssen die neuen Besitzer eine Vermittlungsgebühr über 150 Euro bezahlen. "Aber das deckt nicht alle unsere Auslagen, die waren pro Tier deutlich höher." Die Differenz finanziert die Einrichtung aus den Mitgliedsbeiträgen und aus Spenden.

Die Möglichkeit zur Vermittlung ist mittlerweile gegeben. "Es sind noch vier Katzen bei uns, die zu haben sind, sechs haben wir bereits an neue Besitzer übergeben können oder sind reserviert." Der Gesundheitszustand sei bei allen Tieren mittlerweile gut. "Sie sind fit, mit Ausnahme einer der Kandidatinnen, die gesundheitlich noch nicht so gut drauf ist und noch schlecht frisst. Aber wir hoffen, dass sich das noch gibt." Bis auf eine Katze sind alle Tiere zwischen zwei und drei Jahre alt; das lässt sich anhand des Gebisses zumindest schätzen.

Da die Katzen aufgrund ihrer Herkunft und der Haltungsbedingungen allesamt scheu und verängstigt sind, sucht der Tierschutzverein katzenerfahrene Menschen, die den Stubentigern die nötige Zeit lassen, sich im neuen Zuhauses zu akklimatisieren. Darum sollte es im neuen zu Hause sehr ruhig zugehen. Eine Haltung als Freigänger sei - nach entsprechender Eingewöhnungszeit - ebenfalls möglich.

Erste Erfolge gibt es bereits zu vermelden. So berichtet eine Trebgasterin, die mit ihren Eltern drei der Katzen unter ihre Fittiche nahm: "Die Tiere tauen langsam auf, sind neugierig und reagieren interessiert auf ihre Umgebung. Zutraulich sind sie noch nicht, aber das kommt sicher. Ich möchte alle ermuntern, sich so eine Katze zu holen: Das, was man als scheues Fellknäuel im Tierheim sieht, ist nur ist die verängstigte Version dessen, was man zu Hause in einer entspannten Umgebung für viele Jahre als tollen Mitbewohner hat."