Ich fühle mich schon ein bisschen diskriminiert, echt jetzt. Ganz Deutschland redet vom Gendern und davon, dass man vor allem Frauen durch die Sprache nicht benachteiligen sollte. Da heißt es in Geschäftsbriefen auf einmal "Liebe Kund*innen", obwohl ich es als Mann seltsam finde, als "Kund" angesprochen zu werden. Oder da weist eine Radio-Moderatorin vor Millionen von Zuhörern mittags ernsthaft darauf hin, dass sie in ihrer Abend-Talkshow "eine Reihe interessanter Gästinnen und Gäste" erwarte. Gruselig.

Mit all dem könnte ich aber noch leben, jeder blamiert sich schließlich selbst, so gut er kann. Aber mal Hand aufs Herz: Ist Ihnen, liebe Herren der Schöpfung, noch nicht aufgefallen, dass es alles Böse dieser Welt, alles Gemeine, alles Lästige - gerade in den Sommermonaten - nur in der weiblichen Form gibt?

Pest und Cholera

Es ist die nackige Schnecke, die in den Gemüsegärten alles kahlfrisst, die Stechmücke (umgangssprachlich die Schnake), die uns abends auf der Terrasse piesackt, die Katze, die nächtens mitten im Blumenbeet ihren Haufen hinterlässt, die Wühlmaus, die sich die Wurzeln junger Bäumchen schmecken lässt, oder die Spinne, die in den Kellern ihre Fäden zieht. Und waren es nicht auch schon die Pest und die Cholera, die im Mittelalter Tausende Erdenbürger dahinraffte. Sollen wir uns das gefallen lassen?

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, in den nächsten Wochen bei meiner Wortwahl besser aufzupassen. Also werde ich der Schneckerich, der Muck, der Mäuserich, der Kater, der Spinner sagen. Und wenn ich das tue, werden mich sicher viele genau als Letzteres bezeichnen. Hmmh, ganz Unrecht haben sie wohl nicht ...