Dort prangt das Wappen der Familie derer von Lerchenfeld in einem runden Fenster über dem kleinen Altar.
Freiherr Ludwig von Lerchenfeld kann das nur bestätigen. Tatsächlich ist die heutige Leichenhalle zu hundert Prozent mit der Familie derer von Lerchenfeld verbunden. Denn sie wurde als Gruft für Gustav Freiherr von Lerchenfeld erbaut.

Er war die zweite Lerchenfeld-Generation in Heinersreuth - der älteste Sohn des Direktors bei der Landesdirektion in Ulm und späteren bayerischen Finanzministers Max Freiherrn von Lerchenfeld.

Gustav von Lerchenfeld selbst war Jurist, wirkte in Landau und Frankenthal als Richter und später als Appellationsgerichtsrat in Bamberg. 1843 verließ Gustav von Lerchenfeld den Staatsdienst und verwaltete das Gut des Vaters, widmete sich außerdem historischen und staatswissenschaftlichen Studien, schreibt Max Freiherr von Lerchenfeld in der allgemeinen Deutschen Biographie.


Politische Parallelen

1845 trat Gustav von Lerchenfeld in den bayerischen Landtag ein - als Abgeordneter der adeligen Gutsbesitzer mit Gerichtsbarkeit. "Er war quasi mein Vorgänger im Landtag", zieht Ludwig Freiherr von Lerchenfeld eine Parallele zur heutigen Familiengeschichte.

Schon bald wurde Lerchenfeld Oppositionsführer gegen das Ministerium Abel. Doch 1840 verstarb seine Gattin nach kinderloser Ehe. Lerchenfeld litt stark unter diesem Verlust, zog sich zurück und schied am 19. Dezember 1848 aus dem Ministerium aus, das das Vertrauen des Königs nicht mehr besaß. Aber den revolutionären Bewegungen trat er ebenso entgegen, schreibt die Deutsche Biographie.

Lerchenfeld kämpfte für eine Einigung Deutschlands in Vereinigung mit Österreich und kämpfte deshalb an der Spitze des großdeutschen Reformvereins. Doch im Jahr 1866 stürzte Lerchenfeld, der auch ein passionierter Alpinist war, in der Kolowratshöhle auf dem Untersberg bei Salzburg ab und erlag schließlich den Folgen dieses Sturzes.

Erinnerungstafeln

Noch heute erinnern Tafeln an den legendären Gustav von Lerchenfeld und an seine Frau Elisabeth Louise von Rühle sowie an den Sohn von Gustav von Lerchenfelds Bruder Maximilian, der von 1842 bis 1893 gelebt hat und an seine Frau Charlotte Henriette Susanne Croft. "Die Familie von Croft ist übrigens eine Lordfamilie, die noch heute im britischen Oberhaus vertreten ist", verrät Ludwig Freiherr von Lerchenfeld.

Mit Stolz blickt Lerchenfeld selbst auf die lange Familientradition und auf seine direkte Linie zu Maximilian von Lerchenfeld zurück.

Allerdings sind die Folgegeneration der Familie von Lerchenfeld nicht mehr auf dem Pressecker Friedhof begraben, sondern auf dem Waldfriedhof bei Schloss Heinersreuth, der aber nicht öffentlich zugänglich ist.

Die Vorgängergenerationen der heutigen Lerchenfelds haben die traditionelle Familiengruft schließlich der evangelischen Kirche als Leichenhalle überlassen. "Selbst die Einheimischen wissen oft nicht mehr, was es mit dem geschichtlichen Hintergrund unserer Leichenhalle auf sich hat", sagt Heimatforscher Richard Seuß über die Historie des Bauwerks.