Ist der Darrturm der früheren Mälzerei Müller erhaltenswert? Ja, sagen die Stadt Kulmbach und das Landesamt für Denkmalpflege. Nein, sagte bis dato der Rosenheimer Bauunternehmer Jürgen Drösel, der in der Pestalozzistraße einen Komplex mit 157 Wohnungen für Senioren und Studenten errichten und den Turm abreißen will. Dieser sei mit einem finanziell vertretbaren Aufwand nicht zu sanieren, so Drösel.

Nachdem der Stadtrat im Juli seinen Antrag abgelehnt hatte, den roten, siebenstöckigen Backsteinturm abbrechen zu dürfen, war der Disput noch einmal öffentlich geworden. Drösel hatte im Gespräch mit unserer Zeitung Druck aufgebaut, deutlich gemacht, dass er zwar in Kulmbach bauen wolle, das aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht unbedingt müsse. "Dann bleibt es halt bei der Ruine in der Innenstadt", hat er erklärt und sich darüber beklagt, dass die Stadt auf seine Anfragen nicht reagiert.

Ob es seitdem zu einem Austausch gekommen ist, sich die Positionen vielleicht sogar angenähert haben? Was feststeht: Es hat einen Ortstermin gegeben, bei dem sich die Stadträte einen Eindruck davon verschaffen konnten, wie marode der Turm ist. Doch trotz aller Schäden: Die Kommune will verhindern, dass das Einzeldenkmal dem Abrissbagger zum Opfer fällt. "Die Verwaltung steht in engem Kontakt mit dem Grundstückseigentümer", sagt Pressesprecher Jonas Gleich. Zentrale Aufgabe sei es, "gemeinschaftlich mit dem Investor eine Lösung zu finden, dass der Erhalt und eine denkmalgerechte Sanierung des Turmes im Sinne der städtebaulichen Entwicklung, aber auch des Grundstückseigentümers gesichert werden können". Gleich erinnert daran, dass sich die große Mehrheit des Stadtrats für den Erhalt ausgesprochen hat. "Nicht nur aufgrund der historischen Bedeutung für die Stadt, sondern in erster Linie auch aufgrund des Denkmalschutzes, der den Abriss nicht erlaubt."

Was wird aus dem Keller?

Eine Meinung, die auch Stadtbaurat Jens Ellinghaus als Leiter des Bauamtes vertritt. "Der Darrturm ist schützenswert und erhaltungswürdig", betont er. Selbst die alten Keller könnten einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt werden.

Der Stadt stehe mit möglichen Fördermittelgebern "im dauerhaften Kontakt", teilt Jonas Gleich mit. Was die Bayerische Rundschau erfahren hat, die Kommune aber nicht bestätigt: Es wird über eine Machbarkeitsstudie diskutiert, für deren Finanzierung staatliche Fördermittel fließen könnten. Wie die Stadt selbst müsste wohl auch der Investor einen Beitrag leisten. "Wenn eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird, muss der Stadtrat einbezogen werden", so Gleich.

Grundsätzlich könnten solche Studien im Rahmen der förderrechtlichen Vorgaben unterstützt werden, stellt die Sprecherin der Regierung von Oberfranken, Sabine Kerner, fest.

Mit Blick auf das Kulmbacher Projekt macht sie deutlich, dass für das Vorhaben rund um die Gebäude der ehemaligen Mälzerei Müller zunächst die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer am Zug ist. "Bei der Suche nach der bestmöglichen Lösung stehen wir den Akteuren vor Ort beratend zur Seite."

Die Stadt hält an der Sanierung fest. Ob sich Jürgen Drösels Meinung inzwischen geändert hat, auch er den Erhalt in Erwägung zieht? Die konkrete Frage, die wir gestellt haben, hat der Bauunternehmer nicht beantwortet. Zum Stand der Dinge teilt Drösel schriftlich mit: "Die Stadt ist zwischenzeitlich auf uns zugegangen, und es hat auch schon einen gemeinschaftlichen Termin in Kulmbach mit dem Oberbürgermeister, weiteren Vertretern der Stadt, dem Denkmalamt, involvierten Architekten und uns als Investor stattgefunden." Der Erhaltung des Darrturms werde geprüft. Was die Machbarkeit und die künftige Nutzung betreffe, würden die Stadt und das Denkmalamt alternative Vorschläge unterbreiten, über die dann auch diskutiert werden könne.

Landesamt hat klare Meinung

Dass es bei all den Diskussionen am Ende nur eine Lösung geben kann, hat schon im Sommer das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege erklärt. Auf unsere Anfrage hin hieß es aus München: "Das ortsbildprägende Einzeldenkmal ist - nach jetzigem Kenntnisstand - aus denkmalfachlichen Gesichtspunkten und substanzbewahrend zu sanieren."