Bei den Verantwortlichen im Landkreis Kulmbach schrillen derzeit alle Alarmglocken. Mehr als 800 Tests auf das Coronavirus sind in den letzten Tagen durchgeführt worden. 33 mal war das Ergebnis positiv. Das bedeutet: Der sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz-Wert ist auf über 43 gestiegen. Und alles spricht dafür, dass die kritische Grenze von 50 in absehbarer Zeit erreicht wird, denn noch stehen rund 200 Testergebnisse aus.

Ein Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 50 oder mehr aber bedeutet: Im öffentlichen Leben wird es Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen geben.

Auslöser der aktuellen Corona-Welle im Landkreis ist mit größter Wahrscheinlichkeit eine private Feier von jungen Leuten in einem Ort im Landkreis Kulmbach. Von dort aus hat sich das Virus in verschiedene Richtungen verbreitet. Vorläufige Bilanz: Zahlreiche Infizierte, rund 400 Menschen in Quarantäne - darunter zwei komplette Schulklassen und 14 Lehrkräfte.

Zudem gibt es im Landkreis Lichtenfels Infektionen, die sich bis zu jener Feier zurückverfolgen lassen.

Vorläufig gibt es im Landkreis Kulmbach nur dringende Verhaltens-Empfehlungen. Die allerdings seien "eine Blaupause für verpflichtende Festlegungen" - falls die Zahl der positiv Getesteten weiter steige.

Noch habe man, so heißt es aus dem Landratsamt, die Lage im Griff. Und man betont, dass niemandem wirklich ein Vorwurf zu machen sei. Anders als etwa in Garmisch, wo eine unter Quarantäne stehende Frau feiern gegangen war, habe hier niemand gegen Auflagen verstoßen. Es handle sich um "ganz normales Freizeitverhalten": Viele junge Leute auf einem Fleck.

Das Geschehen zeige, wie schnell sich das Virus verbreite, so Oliver Hempfling, Leiter des Corona-Krisenstabs im Landratsamt. Jeder der jungen Partygäste habe in seinem eigenen Umfeld zahlreiche Kontakte: Familie, Freunde, Schulkameraden, Kollegen. Das bedeute aber auch, dass sich das Geschehen nicht eingrenzen lasse.

Die Mitarbeiter der erst kürzlich eingerichteten zentralen Abstrichstelle des Landkreises haben derzeit viel Arbeit: Allein bis Freitag letzter Woche 460 Tests, über 300 weitere am Wochenende. Das bringt einen enormen Verwaltungsaufwand mit sich. Der Landkreis wird deshalb vermutlich am Dienstag das Anmeldeverfahren auf eine Online-Anmeldung umstellen. Negative Testergebnisse werden den Probanden automatisch per Mail übermittelt. Auch die Bescheide über ein positives Testergebnis kommen per Mail.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Abstrichstelle im Falle eines weiteren Anstiegs der Fälle noch Kapazitäten vorhält, wird den Menschen im Landkreis jedoch empfohlen, bei verdächtigen Symptomen telefonisch Kontakt mit ihrem Hausarzt aufzunehmen.

Das Landratsamt Kulmbach freilich vermeldet auch Erfreuliches: Bislang gebe es keinen einzigen Corona-Fall in einem Alten- und Pflegeheim oder ähnlichen Einrichtungen. Auch die Kindertagesstätten in der Region seien bislang komplett coronafrei. Und auch wenn etliche der infizierten jungen Leute aktuell leichte bis mittelschwere Krankheitssymptome aufwiesen, sei niemand so schwer erkrankt, dass er im Krankenhaus behandelt werden müsse.