Das Desinfektionsmittel in der Flasche, die im Landratsamt auf einem Besprechungstisch steht, richt ein wenig eigenartig: Nach Bier. Manchmal sorgt das für Erheiterung. Manchmal aber auch für Erleichterung. Die Zusammenarbeit zwischen der Kulmbacher Brauerei, der Firma Ireks, den Kulmbacher Apotheken und dem Landratsamt funktioniert. Für Alten- und Pflegeheime, Kliniken und ambulante Dienste in der Region gibt es genügend Desinfektionsmittel.

Die Corona-Krise macht kreativ. Das betrifft nicht nur das Desinfektionsmittel, das aus einem Nebenprodukt der Herstellung von alkoholfreiem Bier stammt. Das betrifft auch andere Bereiche. Details dazu wurden am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Landratsam erläutert. Im Mittelpunkt: Kreisbrandmeister Marcel Hocquel. Er leitet die sogenannte Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung und ist zuständig für die Beschaffung Verteilung von Material. Mundschutz, Handschuhe, Schutzanzüge - Hocquel und seine Mitarbeiter prüfen, wo es so etwas zu kaufen gibt, und verteilen es nach einem bestimmten Schlüssel.

Es geht um beachtliche Mengen: Knapp 4000 sogenannte FRP 2-Schutzmasken hat das fünfköpfige Team seit dem 24. März verteilt, knapp 200 Schutzanzüge, rund 10 000 mal einen Mund-Nasen-Schutz, mehr als 1000 Hunderter-Packs Handschuhe und über 1000 Liter Desinfektionsmittel.

Hocqel macht keinen Hehl daraus, das die Materialbeschaffung schwierig ist. Der deutsche Markt ist leergefegt. Bestellt werden muss im Ausland. Gut, dass es heimische Firmen gibt, die in der Krise mithelfen bei der Materialbeschaffung. Das Unternehmen AFW Creativ Stickerei etwa, wo derzeit Nase-Mund-Bedeckungen genäht werden, oder die heimischen Apotheken, die mit Ethanol, das von der Kulmbacher Brauerei kommt, Desinfektionsmittel herstellen. Auch die Ireks liefert Desinfektionsmittel, hat nach dem Großbrand in der Produktion mit der Herstellung begonnen und seither rund 2000 Liter zur Verfügung gestellt. Bei der Beschaffung gehen Marcel Hocquel und seinTeam auch einmal ungewohnte Wege: Wenn der Handel für Medizinbedarf keine abwaschbaren Schürzen mehr liefern kann, kann vielleicht der Fachhandel für Metzgereibedarf helfen...

Für die Mitarbeiter des Landratsamtes, die sich seit Ausbruch der Corona-Krise um Organisation, Beratung und Koordination bemühen, geht die Arbeit auch während der Osterfeiertage weiter. Viele Menschen haben hingegen frei. Landrat Klaus Peter Söllner nutzt das zu einem Appell: Niemand sollte sich dazu verleiten lassen, leichtsinnig zu handeln.

"Wir sind noch lange nicht über den Berg. Die Lage ist nach wie vor ernst. Deshalb erneuern wir unsere Bitte: Bleiben Sie zuhaue, vermeiden Sie Kontakte!" Disziplin sei nach wie vor nötig. "Es ist noch lange nicht vorbei!"