Die Entscheidung des Bayerischen Kabinetts fiel am Mittwoch: Testpflicht für alle Schüler im Klassenzimmer. Wie das ab Montag im Detail umgesetzt werden soll, darüber mussten sich die Schulleiter kurzfristig Gedanken machen. Echte Probleme gibt es da jedoch nicht: Die Schulen sind auf die neue Herausforderung vorbereitet.

Im Landratsamt waren fleißige Hände gleich am Donnerstag damit beschäftigt, die Verteilung von insgesamt 66 000 vom Freistaat gelieferten Tests auf die Schulen im Landkreis vorzubereiten. Die Pakete konnten am Freitag von Vertretern der Schulen abgeholt werden. Genügend Tests sind für den Anfang vorhanden: Würden alle Schüler des Landkreises ab Montag wieder den Präsenzunterricht besuchen und zwei Mal pro Woche testen, würde der Vorrat gut drei Wochen reichen.

So viele Schüler werden aber zunächst gar nicht in die Klassenzimmer zurückkehren. Lediglich die Abschlussklassen, sowie die vierten Klassen der Grundschulen und die Q11 der Gymnasien starten am Montag wieder mit Präsenzunterricht. Dazu gibt es die Notbetreuung. Alle anderen dürfen wieder in die Schulen, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert auf unter 100 sinkt.

Oliver Hempfling vom Krisenstab des Landratsamts geht davon aus, dass der Staat auch kontinuierlich für Nachschub sorgen wird, nachdem der Test für alle Schüler, Lehrkräfte und schulischen Mitarbeiter verpflichtend ist.

Schüler und Eltern bräuchten keine Angst vor den Tests zu haben. "Es handelt sich nicht um den tiefen Nasen-Rachen-Abstrich, den geschulte Kräfte durchführen müssen, sondern einen Abstrich im Nasenvorhof. Das Stäbchen wird dafür nur eineinhalb Zentimeter tief in die Nase eingeführt.

Ist ein Selbsttest positiv, wird das Kind nach Hause geschickt und das Gesundheitsamt informiert, das einen PCR-Test organisiert. Nur falls dieser auch positiv ist, müssen der Schüler und seine unmittelbaren Kontaktpersonen in Quarantäne.

Maskenpflicht bleibt

Ein negativer Selbsttest wirkt sich übrigens nicht auf die Maskenpflicht und die Abstandsregeln aus. Diese bleiben bestehen. FFP2-Masken sind allerdings in der Schule nicht nötig. Für die Schüler genügen Alltagsmasken, Lehrer tragen medizinische Masken.

Für Schüler und Lehrer sei es ein anderer Start in den Schultag, aber es sei wenigstens wieder ein Schultag, sagt Oliver Hempfling: "Ich kann mir das Virus wegwünschen wie den Regen vor einen Wanderung. Wenn ich raus will, muss ich mich so anziehen, dass ich auch im Regen losgehen kann." Eine Zeitlang werde es unvermeidlich sein, das gewohnte Leben zu verändern. "Wenigstens haben wir jetzt die Möglichkeit, kostenlos und schmerzlos für eine gewisse Sicherheit zu sorgen."

Darüber ist man auch beim Staatlichen Schulamt froh. "Es ist eine gute Sache, dass wir wieder in die Präsenz gehen und uns schützen können", sagt Schulamtsdirektor Michael Hack. Ganz überraschend sei die Entscheidung aus München für die Schulen nicht gekommen. "Schon vor den Osterferien gab es drei Tage lang für Abschlussklassen Unterricht mit einer freiwilligen Testmöglichkeit. Da konnte man schon erste Erfahrungen sammeln, wie das funktioniert."

Angesichts steigender Inzidenzwerte und des allgemeinen Wunsches, die Schulen wieder zu öffnen, sei eine Testpflicht zu erwarten gewesen. Geregelt sei nun: Schüler im Präsenzunterricht müssen einen Selbsttest machen, alternativ sich mit Nachweis in einem Testzentrum oder einer Apotheke testen lassen. Dort werden freilich nicht die vereinfachten Test durchgeführt, sondern die tiefen Abstriche.

Hack versteht den grundsätzlichen Widerstand einiger Eltern gegen die Testpflicht nicht. "Ich würde alles dafür tun, dass meine Söhne wieder in die Schule gehen dürfen. Und sie möchten auch selbst gerne wieder in die Schule."

Das Beispiel Österreich zeige, dass das Konzept der Selbsttests gut funktioniere. "Warum soll das bei uns anders sein? Ich denke, wir trauen unseren Schülern zu wenig zu. Wenn ein Kind in der Nase bohren kann, kann es sich auch testen. Es ist ganz einfach, und es tut nicht weh."

Nicht mehr nachvollziehbar

Es sei obendrein im Interesse der Eltern, zu wissen, dass ihr Kind das Virus nicht aus der Schule mit nach Hause bringt. Aufgebrachte Diskussionen auf Facebook, wo sogar behauptet werde, die Stäbchen seien mit Schadstoffen oder Würmern verunreinigt, seien schlicht nicht mehr nachvollziehbar.

Ganz ähnlich sieht das auch Carmen Löffler, Elternbeiratsvorsitzende der Mittelschule Mainleus. Sie wünscht sich, dass auch ihre Tochter aus der sechsten Klasse bald wieder in die Schule darf. Und sie ist froh, dass durch die Testpflicht die Öffnung möglich wird. "Es ist für mich schon klar, dass vielleicht nicht alles auf Anhieb reibungslos funktioniert, aber wenn die Schüler das ein paar mal gemacht haben, wird es ganz normal sein." In der Schule könnten die Kinder besser lernen als zu Hause, es müsste nicht mehr so viel selbstständig gemacht und von den Eltern kontrolliert werden. Carmen Löffler bittet Eltern und Kinder um Geduld: "Das ist etwas Neues, das man erlernen und üben muss. Und dann klappt das auch."

Und was passiert, wenn Eltern oder Schüler den Test verweigern? Das ist klar geregelt, sagt Schulrat Michael Hack: "Derzeit gilt noch, dass Eltern ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen können, wenn sie Bedenken wegen Corona haben. Dann gibt es allerdings keinen Unterricht, und die Eltern müssen sich darum kümmern, wie Versäumtes nachgeholt wird, genauso wie bisher, wenn ein Kind krank ist und nicht zur Schule gehen kann."

An den Schulen ist man jedenfalls vorbereitet. Doris Hörath, Schulleiterin der Grund- und Mittelschule Mainleus, ist froh, dass zum Start der Testpflicht nicht alle Schüler gleichzeitig in die Schule kommen. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, findet in den Abschlussklassen und der vierten Klasse Wechselunterricht statt. Das heißt, im täglichen Wechsel kommt jeweils die Hälfte der Klasse in die Schule, die andere lernt zu Hause. "Wir haben also eine Eingewöhnungsphase."

Einige der Abschlussklassen-Schüler hätten bereits freiwillig vor Ostern Tests ausprobiert. "Für die älteren Schüler ist das keine Schwierigkeit."

Die Herausforderung sei nun, das in die Grundschule zu transferieren. "Für die Kinder der vierten Klasse ist das sicher auch kein Problem, aber in der Notbetreuung haben wir auch Kinder ab der ersten Klasse. Das Alter und die Emotionen der Kinder lassen sich nicht vergleichen." Man werde sie jedoch kindgemäß an die Aufgabe heranführen und dabei sehr sensibel vorgehen. "Die vertrauten Lehrer sind dabei und zeigen genau, wie es gemacht wird."

Vereinzelt habe sie schon Rückmeldungen besorgter Eltern erhalten, und sie habe auch Verständnis dafür. Doch Doris Hörath hofft darauf, dass Eltern und Schüler vor allem die Vorteile der Testpflicht sehen: "Wenn wir wieder Schule haben wollen, dann müssen wir diesen Weg auch alle mitgehen."

Die Schulleiterin sieht nun auch ein wenig die Eltern in der Verantwortung, ihren Kindern zu erklären, wie und warum getestet wird. "Das würde uns die Arbeit sehr erleichtern."