Ein Mitarbeiter der Sparkasse Kulmbach-Kronach hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. Nichtsahnend besuchte er vor einigen Tagen eine interne Schulungsveranstaltung mit rund 70 Kollegen, am Folgetag nahm er an einer Sitzung im kleineren Kollegenkreis teil. Erst danach wurde er positiv getestet.

In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt hat die Sparkasse sofort Maßnahmen eingeleitet, um eine mögliche Infektionskette frühzeitig zu unterbrechen, so Daniela Krüger, Leiterin des Vorstandsbüros und Pressesprecherin der Sparkasse Kulmbach-Kronach.

Vorstand geht auf Nummer sicher

Auch Krüger selbst gehört zu den Beschäftigten des Geldinstituts, die vorsichtshalber in dieser Woche ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegt haben. Vom Gesundheitsamt angeordnet musste sich nur eine Gruppe von knapp 20 Personen testen lassen und in Quarantäne begeben. "Aber unser Vorstand hat alle an den Veranstaltungen beteiligten Kollegen gebeten, sich vorsorglich testen zu lassen und das über den Betriebsarzt organisiert", so Daniela Krüger. Eine Strategie, mit der sich auch die Pressesprecherin selbst am wohlsten fühlt. "Ich bin als Mitarbeiterin froh, dass mein Arbeitgeber so umsichtig mit diesem Thema umgeht." Die Ansteckungsgefahr für die Mitarbeiter bei der größeren Fortbildungsveranstaltung, sei extrem niedrig gewesen, da in dem auf 500 Personen ausgelegten Veranstaltungsraum alle Vorgaben beachtet und sogar übertroffen wurden.

Trotzdem sei man lieber vorsichtig. Sobald die Testergebnisse vorliegen und weitere Infektionen ausgeschlossen sind, könnten die Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Bis dahin stehen nun vorübergehend nicht ausreichend Mitarbeiter vor Ort zur Verfügung, um alle Geschäftsstellen zu öffnen. Aktuell sind 16 geschlossen, darunter 11 im Landkreis Kulmbach: Kulmbach-Galgenberg, Himmelkron, Kupferberg, Mainleus, Marktleugast, Marktschorgast, Neudrossenfeld, Neuenmarkt, Presseck, Stadtsteinach und Untersteinach.

Die Hauptgeschäftsstellen in Kulmbach und Kronach sind weiter geöffnet. Die Mitarbeiter sind im Home-Office für ihre Kunden da, der Kundenservice ebenfalls erreichbar. In den geschlossenen Geschäftsstellen stehen die Geldautomaten und Briefkästen zur Verfügung.

Die Sparkasse ist bislang das einzige Unternehmen im Landkreis Kulmbach, bei dem in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Quarantänemaßnahmen verhängt werden mussten, so Rüdiger Köhler, geschäftsleitender Beamter am Landratsamt Kulmbach.

Wann Quarantäne, wann nicht?

Warum wurden nur die Teilnehmer einer Veranstaltung von Amtswegen unter Quarantäne gestellt? "Die rechtliche Grundlage stellt das Infektionsschutzgesetz dar", teilt das Gesundheitsamt auf Nachfrage mit. "Das Prozedere des Gesundheitsamtes richtet sich nach den fachlichen Kriterien des Robert-Koch-Instituts und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit."

Im Mittelpunkt steht dabei die Ermittlung des gesamten Geschehens, ausgehend von einem bestätigten Fall. Es wird ein Ansteckungszeitraum medizinisch definiert und insbesondere die Art der Kontakte überprüft, um diese Kontaktpersonen in Kategorien einzuordnen. Es werden Kontaktpersonen der Kategorie 1 und solche der Kategorie 2 unterschieden. Aus epidemiologischer Sicht entscheidend sind Kontaktpersonen der Kategorie 1, da diese ein höheres Infektionsrisiko aufweisen."

Auch im konkreten Fall bei der Sparkasse wurden diese Kontaktpersonen identifiziert und zu einem Abstrich ins Gesundheitsamt Kulmbach eingeladen. Für sie ist eine häusliche Quarantäne von 14 Tagen verbindlich. Eine zweite Testung wurde für die kommende Woche bereits vereinbart.

Alle anderen Personen wurden nicht als Kontaktpersonen 1 definiert, da es entweder keinen engen Kontakt gab oder ein möglicher Kontakt außerhalb des Ansteckungszeitraumes stattgefunden hat.

"Bei der Reihentestung weiterer, nicht vom Gesundheitsamt als Kontaktpersonen Kategorie 1 getesteter Mitarbeiter macht die Sparkasse Kulmbach-Kronach von der von der Bayerischen Staatsregierung eröffneten Möglichkeit sogenannter Jedermann-Tests Gebrauch. Das bayerische Testkonzept ermöglicht jedem Bürger in Bayern einen Wunschtest ohne medizinische Indikation", sagt Rüdiger Köhler.

Aktuell gibt es im Landkreis zwei bestätigte Corona-Fälle, die Gesamtzahl beträgt 248 Fälle. Davon sind 235 wieder genesen. An Covid-19 verstorben sind elf Menschen.