Was nicht unbedingt notwendig ist, das muss warten: Die Handwerksbetriebe in der Region stehen durch die Coronakrise, wie viele andere Branchen auch, vor besonderen Herausforderungen und handeln entsprechend. Die meisten Leute haben Verständnis, wenn nicht sofort der Handwerker anrückt. Aber es gibt immer noch uneinsichtige Zeitgenossen.

"Wir gehen nur für Notfälle in die Haushalte", erklärt Detlef Weißmann von der gleichnamigen Mainleuser Elektro-Firma. Zu Notfällen zählt, wenn die Waschmaschine, die Gefriertruhe oder der Elektroherd nicht funktionieren. Die Sachen eben, die man zum Leben braucht. "Ein kaputter Geschirrspüler oder ein defekter Wäschetrockner sind dagegen nicht relevant", so Weißmann, der auch auf entsprechende Vorgaben seines Verbands verweist.

Zudem müssen die Kunden schriftlich bestätigen, dass sie nicht infiziert sind und keinen Kontakt zu Infizierten hatten, nicht unter Quarantäne stehen und sich nicht in Risikogebieten aufgehalten haben.

Sollte ein Notfall in einem Haushalt sein, in dem jemand unter Quarantäne steht oder am Coronavirus erkrankt ist, muss der Elektriker das Gesundheitsamt informieren. "Von dem gibt es dann Anweisungen, wie man sich verhalten soll."

Die meisten Leute reagieren nach den Worten von Weißmann verständnisvoll, seien sensibilisiert. Nur eine Minderheit zeige kein Verständnis, "weil die Leute jetzt vielleicht gerade Zeit haben, weil sie in Kurzarbeit sind."

Die Firma von Weißmann ist derzeit nur mit der halben Mannschaft im Einsatz - als Vorsichtsmaßnahme. "Wenn alle arbeiten und einer hat was, ist der Betrieb dicht", erklärt er den Hintergrund. Ein Problem sieht Weißmann in den Zulieferer-Ketten. Hier gebe es schon Verzögerungen, vor allem bei italienischen Herstellern (Kabel, Leuchten) und bei elektrischen Bauteilen vom chinesischen Markt. "Ich habe schon die Auskunft bekommen, dass ein bestimmtes Bauteil, ein Wechselrichter, nicht vor Mitte September kommt."

Ähnlich wie Weißmann hält es auch Bezirksschornsteinfeger Harald Will aus dem Guttenberger Ortsteil Maierhof. "Was nicht unbedingt notwendig ist - zum Beispiel eine Feuerstättenschau, für die man in die Wohnung muss -, wird ausgesetzt." Kehr- und Messtätigkeiten, die für die Betriebssicherheit von Anlagen erforderlich sind, würden aber weiter durchgeführt.

Seinen Kehrbezirk betreut Will schon seit 20 Jahren, daher kennt sich der Schornsteinfeger aus. "Man weiß, was man zu machen hat. Da muss meistens niemand mitgehen", erklärt er weiter. Die Kommunikation erfolge entweder am Telefon oder mit ausreichendem Abstand an der Haustür. Wobei es schon vorgekommen ist, dass ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. "Im Großen und Ganzen ist es aber in Ordnung. Die Leute sind halt besorgt", sagt Will, der um seine Gesundheit keine Angst hat. "Ich fasse ja nichts weiter an, halte Abstand, wasche die Hände und habe Desinfektionsmittel dabei. Und in anderen Bereichen muss es ja auch gehen: bei der Polizei oder in den Läden ..."

Seit 37 Jahren ist Will in seinem Job tätig, so etwas wie die Coronakrise hat er aber noch nicht erlebt. "Ich wusste anfangs auch nicht, wie die Sache anzugehen ist." Erstmal hätten er und sein Mitarbeiter eine Woche Urlaub gemacht. Als dann abzusehen war, dass die Problematik länger andauere, habe man wieder zu arbeiten begonnen. "Sonst staut sich zu viel auf."

Heizungs- und Lüftungsbauer Michael Kürschner von der Kulmbacher Firma Heiden nimmt die Coronaproblematik sehr ernst, "weil bei mir im Haus auch Risikopatienten leben". Auch er rückt - wie der Elektriker - in Privathaushalte nur noch in Notfällen aus. Dazu zähle beispielsweise der Ausfall der Heizung. Aber was aufgeschoben werden kann, werde aufgeschoben.

Kürschner hat Kunden, die er teilweise schon 20 Jahre und länger betreut. Man kennt sich und unterhält sich. Doch der übliche Smalltalk mit ihnen muss in Coronzeiten entfallen. "Wir beschränken uns in beiderseitigem Interesse nur auf das Nötigste. Es weiß ja keiner, ob der andere was hat." Deshalb werde auf jeden Fall auf zwei Meter Sicherheitsabstand geachtet.

Auch innerhalb der Firma werde großer Wert darauf gelegt, die Mitarbeiter zu schützen, erklärt der Kundendienstmonteur weiter. Die Teams seien getrennt voneinander unterwegs, was gehe, werde telefonisch geklärt. Die Rücksichtnahme geht für ihn aber über den Job hinaus. "Man muss sich auch in seiner Freizeit an die Regeln halten."

Der 56-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass ältere Menschen in der Krise verständnisvoller sind als die Jungen. "Die 20- und 30-Jährigen haben sich ja noch nie einschränken müssen und kennen so was nicht."

Eine Mundschutzpflicht in seinem Job sieht Kürschner kritisch, weil: "Wir arbeiten manchmal auch mit Feuer und können da keine brennbaren Masken tragen." Aber es sei ohnehin schwierig, an die Teile zu kommen.

Abschließend würde er sich wünschen, dass das Engagement der Handwerker in der Coronakrise mehr Würdigung erfährt, weil: "Auch die Arbeiter halten den Laden am Laufen, was aber im Gegensatz zu den Pflegekräften nicht anerkannt wird."