"Zeit zum Reden habe ich jetzt genug", sagt Stephan Ertl. Der Chef des gleichnamigen Hotels am Stadtpark übt sich bei unserem Anruf im Galgenhumor. Gäste hat er keine mehr, seit Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt hat, dass nur noch Dienstreisende in Beherbergungsbetrieben aufgenommen werden sollten. Ministerpräsident Markus Söder hat gestern nachgelegt und für Bayern erklärt, dass keine Touristen in Hotels übernachten dürfen.

Existenzen stehen auf dem Spiel

Die Corona-Krise trifft die Branche schwer. Ertl, der Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Kulmbach ist, hat großes Verständnis dafür, dass Sozialkontakte auf ein Mindestmaß reduziert werden sollen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Doch befürchtet der Hotelier, dass Existenzen vernichtet werden. Viele könnten die Einschnitte vielleicht zwei bis drei Wochen durchhalten, "zwei bis drei Monaten aber sicher nicht".

Viele haben viel investiert

Hotelbetreiber und Gastwirte hätten in einer zinsgünstigen Zeit Kredite aufgenommen, um ihren Betrieb auf Vordermann zu bringen. Es sei nicht nur staatliche Hilfe gefragt. Es sei auch die Frage, wie Banken verfahren, ob etwa Tilgungen ausgesetzt werden können.

Kurzarbeit

Ertl hat keine Gäste, braucht deshalb auch kein Personal. Er versuche, seine Mitarbeiter über Kurzarbeit zu halten - wohlwissend, dass er diese dringend benötigt, sollte der Betrieb wieder anlaufen. "Denn es ist in unserer Branche ja ohnehin schwer, Angestellte zu bekommen." Er fürchtet um den Fortbestand seines Hotels, denn die laufende Kosten müssten weiter getragen werden, auch wenn er keine Einnahmen verzeichnet. Ob die vom Staat angekündigten Hilfen greifen? Er hat große Zweifel. Es gebe noch nichts Greifbares. "Außer Steuerstundungen, die man beim Finanzamt schon beantragen kann."

Das Not-Konzept

Wie die Hotellerie stehe auch die Gastronomie vor einer kaum überwindbaren Hürde, so Ertl. Speiselokale dürfen zwar unter Auflagen bis 15 Uhr öffnen, "doch das größte Geschäft machen die ja in den Abendstunden". Etliche Wirte hätten sich dazu durchgerungen, sich zu bestimmten Zeiten auf den Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf zu konzentrieren.

Lokal nicht mehr geöffnet

Ein Angebot, auf das beispielsweise auch die "Zunftstube" setzt. Das Lokal offen zu halten, lohne sich nicht, sagt Chef Marcus Schulz. Bei ohnehin nur 48 Sitzgelegenheiten blieben nur wenige Plätze übrig, weil von Gast zu Gast ja 1,5 Meter Abstand gehalten werden müssten. Die "Zunftstube" setzt in der Not wie viele Wirtshäuser auf den Außer-Haus-Verkauf. "Wir liefern auf Vorbestellung oder machen den Wirtshaus-Abholverkauf", sagt Schulz. Man müsse kreativ sein, betont der Koch, der es für sinnvoll hält, zum Schutz der Beschäftigten und Gäste erst einmal zuzusperren. "Wir hoffen, dass wir uns über Wasser halten."

Die Schotten dicht macht die Kommunbräu. "Wir haben bis zum 31. März erst einmal zu", sagt Geschäftsführer Frank Stübinger. Es sei bis dahin Zeit, sich neu zu orientieren, "zu schauen, was überhaupt noch kommt". Je größer ein Wirtshaus sei, desto weniger Sinn mache es, den Betrieb in der kurzen Zeit bis 15 Uhr weiter zu führen, sagt Stübinger. Die Kommunbräu habe auch mit dem Gedanken gespielt, sich auf den Lieferservice zu verlegen. Man habe davon aber Abstand genommen. Die ganze Branche springe darauf auf, "und ich bin überzeugt, dass wir die Effizienz, die wir im Lokal haben, nicht auf die Straße bringen würden".

Stübinger erklärt, dass er wie viele den Ernst der Lage noch vor Wochen verkannt habe. Jetzt gelte es, den Vorgaben Folge zu leisten. "Wir wollen ja keine Plattform bieten, dass sich unsere Beschäftigen wie auch die Gäste anstecken können."

Sind das Touristen?

Nur noch wenige Zimmer sind im Hotel "Kronprinz" belegt. "Wir hatten zuletzt vier Übernachtungen", sagt Inhaberin Ulrike Berger, die ihren Betrieb in personeller Minimalbesetzung fährt, auch schon Entlassungen vornehmen musste. "Ich hoffe natürlich, dass ich die Leute bald wieder einstellen kann", betont Berger, die von vielen Unwägbarkeiten spricht. Es dürften zwar nur Geschäftsleute aufgenommen werden, doch was sei mit Gästen, die nach Kulmbach kommen, etwa um auf die Beerdigung eines Angehörigen zu gehen? Berger: "Das sind ja dann auch keine Touristen."

Zu viel Bürokratie?

Die Hotelchefin rechnet mit extremen Einbußen, weiß, dass sie in den nächsten Wochen, vielleicht Monaten ein Minus machen wird. Vor denen, die staatliche finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen wollen, würden sich, so befürchtet sie, bei der Antragstellung "Bürokratiemonster" aufbauen. Eine Erfahrung, die sie beim Blick auf die Ausführungen zu KfW-Krediten schon gemacht habe. Dass die Beschränkungen, die die Gastronomie wie auch die Hotellerie treffen, bald aufgehoben werden, denkt sie nicht. Berger glaubt, dass vielen Betrieben die Insolvenz droht.

"Kühlen Kopf bewahren"

Auch Kommunbräu-Wirt Frank Stübinger befürchtet, dass der Corona-Virus die Welt noch lange im Atem hält. Er vermutet, dass in Deutschland bald eine Ausgangssperre gilt. Sein Credo: "Wir sollten erst einmal alle in der Situation ankommen und lernen, damit umzugehen." Es gelte, kühlen Kopf zu bewahren, "auch wenn wir von den Ereignissen derzeit überrollt werden".

Wie lange die Kommunbräu, die Kurzarbeit angemeldet hat, ohne Einnahmen über die Runden kommt? In den 90-er Jahren wäre das wohl über Monate gegangen, erklärt Stübinger. "Da waren die Margen in unserer Branche noch viel größer." In der Corona-Krise werde es für viele ein Kampf ums Überleben. Der Staat sei gefordert: "Er muss was tun, sonst werden wir ganze Branchen verlieren."