Bei der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag im Kulmbacher Landratsamt zur Corona-Lage im Landkreis gab es Licht und Schatten, gute und schlechte Neuigkeiten.

Die Seniorenheime

Während sich die Lage in den bisher betroffenen Seniorenheimen in Kulmbach und Wirsberg stabilisiert hat, gibt es seit Anfang dieser Woche neue Corona-Fälle im Alten- und Pflegeheim St. Marien in Stadtsteinach. Das erklärte der Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, Oliver Hempfling. Vier Bewohner seien positiv getestet worden. Vom Personal sei niemand betroffen.

Als erstes wurde bei einer Frau, die aus einer Bayreuther Einrichtung zurück nach Stadtsteinach kam, das Virus festgestellt. Die Frau sei aber nicht in einer der von der Schließung betroffenen Kliniken gewesen. Sie sei vor ihrer Rückverlegung auch getestet worden - negativ. Nach einer fünftägigen Isolation wurde vor ihrem Umzug in ihr normales Zimmer ein Schnell-Test vorgenommen - und der war dann positiv. Am Dienstag folgte eine Reihentestung in der Einrichtung, bei der drei weitere Positiv-Fälle festgestellt wurden.

Wie die Leiterin des Gesundheitsamts, Camelia Fiedler, betonte, wird der Befund der Frau nun daraufhin untersucht, ob es sich um eine Virus-Mutation handelt. Das Ergebnis lag am Donnerstag noch nicht vor. Fiedler wies darauf hin, dass bislang noch keine Virus-Mutation im Landkreis nachgewiesen werden konnte. Nach den positiven Befunden wurden im Seniorenheim Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Virus-Ausbreitung zu verhindern, wie Pflegebeauftragter Yves Wächter erklärte. Ziel sei es, durch bauliche Veränderungen Isolationsbereiche zu schaffen, die Stationen zu trennen, um so weitere Infektionen zu verhindern. Hier helfe das THW mit.

Das Impfzentrum

Gut läuft es im Impfzentrum, das von Marcel Hocquel geleitet wird. 2746 Impfungen seien im Landkreis durchgeführt worden, 1761 im Impfzentrum, 665 von mobilen Impftrupps, 320 im Klinikum. 928 Zweitimpfungen haben man inzwischen vorgenommen, 500 Bürger im Landkreis würden schon einen vollständigen Schutz genießen. Die Impfquote liegt bei 3,84 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt. Würde mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, könnte sogar noch mehr geimpft werden. Eine Herausforderung sei noch die Erfassung von Personen, die zwar geimpft werden könnten, ihr Haus jedoch nicht verlassen können, ergänzte Oliver Hempfling. Hier ist man dabei, sich einen Überblick zu verschaffen.

Impf-Termine

Dass es bei der Vergabe von Impfterminen im Internet noch technische Probleme gibt, die aber nicht in der Verantwortung des Landratsamts liegen, räumte Oliver Hempfling ein. So könne man eine E-Mail-Adresse nicht mehrfach registrieren. In solchen Fällen - oder wenn das technische Verständnis fehlt - müsse man sich an die Impf-Hotline (09221/707-657) wenden. Zudem führe ein neues Modul dazu, dass das Landratsamt keinen Einfluss darauf hat, wer wann einen Termin bekommt.

Ein weiterer Fehler sei, dass bei der Eingabe der Kulmbacher Postleitzahl 95326 automatisch Kronach als Ort erscheine. Das hat laut Hocquel aber keinen Einfluss auf die Anmeldung im Kulmbacher Impfzentrum. "Es wird niemand dem Impfzentrum Kronach zugeordnet", versicherte er. Der Fehler sei dem Ministerium bereits gemeldet.

Nachdem bei den Impfungen eine Priorisierung erfolgt und neben älteren Menschen auch bestimmte Berufsgruppen schnell geimpft werden sollen (zum Beispiel Kräfte in Pflegeheimen, in Kliniken, im Rettungsdienst), ist es für letztere unerlässlich, eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorzulegen. Wer ohne kommt, wird abgewiesen.

Neu: Infektionssprechstunde

Ab 1. Februar gibt es in der Bereitschaftspraxis am Klinikum eine Infektionssprechstunde. Sie soll genutzt werden, wenn der Hausarzt nicht erreichbar ist. Wer Anzeichen einer Infektion spürt, kann sich wochentags von 20 bis 21 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 19 bis 21 Uhr an die Bereitschaftspraxis wenden. Arzt Heinrich Behrens betonte, dass in der Praxis auch Abstriche erfolgen.

Das Klinikum

Seit einigen Tagen verzeichnet das Klinikum Kulmbach eine Entspannung bei der Corona-Lage, erklärte Geschäftsführerin Brigitte Angermann. Von 21 Corona-Patienten lägen sechs auf der Intensiv-Station. Nur vier Infizierte (alle auf der normalen Station) seien noch aus den drei bisher betroffenen Heimen.

Die Situation an den Bayreuther Kliniken habe vor allem am Dienstag auch für Aufregung in Kulmbach gesorgt. Nach drei Tagen verzeichne man zwar ein erhöhtes Patientenaufkommen (in zweieinhalb Tagen rund 50 Personen) und mehr Geburten (7), aber die Lage sei "absolut unter Kontrolle". Man habe niedergelassene Hebammen zur Unterstützung auf Abruf gewinnen können. Weitere könnten sich aber gerne melden. Es bestehe die Hoffnung, dass ab 3. Februar in Bayreuth wieder Patienten normal aufgenommen werden. Für positive Covid-19-Fälle und erhärtete Verdachtsfälle gelte das schon jetzt.

15-Kilometer-Grenze

"Wir hätten gerne verkündet, dass die 15-Kilometer-Regel nicht mehr gilt. Aber der Verwaltungsgerichtshof ist uns zuvorgekommen", erklärte Oliver Hempfling. Denn in Kulmbach wäre die Beschränkung am Mittwoch ohnehin vorbei gewesen, nachdem der Inzidenzwert dann sieben Tage unter 200 gelegen hätte. Trotzdem appellierte er an die Bevölkerung: "Seien Sie vorsichtig und versuchen sich auch im Freien Abstand zu halten."

Die Geschäfte

Eine positive Entwicklung gab Oliver Hempfling bei den Geschäften bekannt: So wurden die Regeln für die Misch-Sortimenter geändert. So darf bislang nicht erlaubte Ware wieder verkauft werden, wenn das erlaubte Sortiment überwiegt. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass der Drogeriemarkt Müller wieder die Spielwaren-Abteilung öffnen darf.

Die Soldaten

Pflegebeauftragter Yves Wächter hatte direkten Kontakt zu den Soldaten, die in den Pflegeheimen im Einsatz waren. Es habe nur positive Rückmeldungen gegeben. Die Soldaten hätten die Lage in den Heimen stabilisiert. Inzwischen würden mehr und mehr normale Mitarbeiter aus der Quarantäne zurückkehren, so dass auch die Zahl der Soldaten auf 15 Pflegekräfte und 27 Helfende Hände zurückgefahren werde. Schwerpunkt des Einsatzes sei nach wie vor die Seniorenwohnanlage in der Johann-Brenk-Straße. Auch Landrat Klaus Peter Söllner würdigte die große Hilfsbereitschaft der Bundeswehr.