Gegen 16 Uhr war es am Montag soweit: Die ersten Kulmbacher wurden gegen das Covid19-Virus geimpft. Als erste Frau erhielt Elisabeth Charlotte Zimmermann die Spritze, die sie vor dem Virus schützen soll. Die 96-Jährige hätte schon am Sonntag die Erste sein sollen, die das Mittel injiziert bekommt. Aber nach der Impf-Panne mit der unterbrochenen Kühlkette musste sie sich wie viele andere auch noch etwas in Geduld üben.

Warum sie sich impfen ließ? "Ich bin 96. Wenn ich an dem Virus erkranke, habe ich wenig Chancen, heil davon zu kommen", sagte sie, nachdem ihr von Rettungsassistent Jonas Wessolowski die Spritze in den Oberarm gesetzt wurde. "Das Risiko ist klein, dass wegen der Impfung was passiert", erklärte sie und ergänzte: "Das war jetzt harmlos."

Als erster Mann ließ sich der frühere Chefarzt am Kulmbacher Klinikum, Johann Hunger, "aus voller Überzeugung" impfen. Nur so könne die Pandemie beendet werden. Eine Herdenimmunität gegen das Virus erreiche man nur, wenn 80 Prozent der Bevölkerung seinem Beispiel folgten. "Und die Impfgegner profitieren davon, weil die Ansteckungsrate in den Keller geht."

Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen hat der 81-Jährige nicht, im Gegenteil: "Ich bin überzeugt, dass der neue Impfstoff weniger Nebenwirkungen hat als alle bisherigen." Weil er auf RNA-Basis hergestellt und so für seinen Einsatzzweck "maßgeschneidert" werden könne. "Nebenwirkungen sind so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto", sagte er.

Auch wenn jetzt mit dem Impfen begonnen werde, so geht der Mediziner davon aus, dass "uns Corona auch noch das Jahr 2021 begleiten wird". Weil es eine unglaubliche logistische Herausforderung sei, rund 80 Millionen Menschen zu impfen.

Dass es mit dem Impfen nun doch losgehen kann, darüber war Landrat Klaus Peter Söllner (FW) nach der Panne am Sonntag sichtlich erleichtert. Bei der Auslieferung der ersten Charge des Impfstoffes für die Impfzentren Coburg, Lichtenfels, Kronach, Kulmbach, Bayreuth, Hof und Wunsiedel war es zu Problemen bei der Nachvollziehbarkeit der Kühlkette gekommen. Daher wurde die für Sonntag geplante Impfung ausgesetzt. "Der Impfstoff war über eine halbe bis dreiviertel Stunde bis 14 Grad warm", erklärte Söllner. Erlaubt sind nur 2 bis 8 Grad.

Deshalb waren sich die oberfränkischen Landräte einig, diese Charge nicht mehr zu verwenden. Eine Entscheidung, von der Söllner nach wie vor überzeugt ist. "Schutz und Sicherheit der Bevölkerung gehen vor. Das ist ein sensibles Thema, bei dem nicht der geringste Zweifel bleiben darf." Hier hätten die Landräte Geschlossenheit und sich unnachgiebig gezeigt.

Der Gang am Sonntag zu den Impfwilligen, so Söllner weiter, sei einer der schwersten seines Lebens gewesen. Doch er sei auf Verständnis gestoßen ("Am Schluss haben die Leute sogar geklatscht"). Die Termine für diese Personengruppe werden Dienstag und Mittwoch nachgeholt. "Und ein Tag Verzögerung ist kein Beinbruch."

Der Impfwilligkeit habe der Vorfall wohl keinen Abbruch getan, sagte Söllner. Denn nach wie vor würden sich die Leute bei der Hotline des Landkreises anmelden. "Aber jeder Zweite hat gesagt, dass er nicht den Impfstoff vom Sonntag will." Den bekommt hier auch niemand.

Am Montag war eine neue Lieferung des Vakzins in Kulmbach eingetroffen, von deren Zustand man sich natürlich ein genaues Bild machte. In Lichtenfels abgeholt hatte sie Marcel Hocquel vom Sachgebiet öffentliche Sicherheit und Ordnung. Für den Transport zeichnete das THW verantwortlich. Als Nataša Luz, die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts, das Serum inspiziert und grünes Licht gegeben habe, habe man mit dem Impfen beginnen können.

Söllner dankte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) für diese Lösung. Mit der Ministerin habe er wegen der Kühlpanne "den ganzen Sonntagnachmittag und den halben Abend" in telefonischem Kontakt gestanden. Überhaupt: "So lange wie in den vergangenen beiden Tagen habe ich noch nie telefoniert", sagte der Landrat weiter.

Der Impfstoff vom Sonntag wird zurück in das Lager in Bamberg geschickt, wo er unter anderem vom Hersteller Biontech überprüft und gegebenenfalls dem Impfkreislauf wieder zugeführt werde.

Ursache weiterhin unklar

Die Ursache, die zur Unterbrechung der Kühlkette geführt hatte, sei nach wie vor unklar, erklärte Söllner.