Das Coronavirus hat den Alltag verändert. Auch den der Hausärzte. Sie sind an vorderster Front im Einsatz. Wie gehen sie mit dem Risiko um? Wir haben bei drei Ärzten nachgefragt.

Es ist ein ganz anderes arbeiten als sonst, sagt Bernd Rosen, Allgemeinarzt aus Kulmbach. Der persönliche Kontakt mit den Patienten, der ein wichtiger Bestandteil seiner Tätigkeit sei, sei deutlich weniger geworden. "Es wird viel telefonisch geregelt."

Der Arzt hat seine Praxis erst seit dem Dienstag nach Ostern wieder geöffnet. Er lässt die Räume nur einzeln von Patienten betreten. "Nur so kann ich sicher sein, dass das Infektionsrisiko minimiert ist", sagt er.

Rosen schützt sich selbst mit FFP3-Masken (die die höchste Sicherheit bieten), hält ausreichend Abstand und desinfiziert sogar die Versicherungskarten. "Man muss sich so verhalten, als ob der Patient infektiös wäre."

Nicht notwendige Termine, beispielsweise routinemäßige Gesundheitschecks, würden vertagt. "Man muss einfach abwägen, ob es nötig ist, die Leute zu sehen - oder ob der Infektionsschutz überwiegt. Hier muss man von Fall zu Fall entscheiden." Wer regelmäßig Medikamente benötige und entsprechend eingestellt sei, erhalte sein Rezept entweder per Post oder es werde gleich an die Apotheke gefaxt, wo die Mittel dann abgeholt werden können.

Unterschiedliches Verhalten

Bei den Patienten hat er ganz unterschiedliches Verhalten beobachtet. So gebe es auf der einen Seite Menschen, die sich aus Angst vor einer Infektion nicht mehr aus dem Haus trauen - und auf der anderen Seite - meist Ältere - die ihr Verhalten nicht ändern würden.

Einen Patienten hatte der Arzt, bei dem er vermutet, dass dieser an dem Coronavirus erkrankt ist. Die Person sei in Quarantäne gewesen, der Abstrich jedoch negativ. "Aber ob man dem Test zu 100 Prozent trauen kann?", fragt sich Rosen.

Für eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen findet er es zu früh. "Ohne diese Maßnahme wären noch viel mehr Menschen infiziert." Ziel müsse es nach wie vor sein, die Infektionskurve flach zu halten, damit die Intensivbetten in den Kliniken ausreichen. "Es ist eine schwierige Frage, wie man es richtig macht. Denn es ist um jeden einzelnen schlimm, der stirbt."

Einen neuen Empfangstresen mit hohem Vollglasschutz für seine Mitarbeiterinnen hat der Weismainer Arzt Christopher Kirsten im Eingangsbereich seiner Praxis installieren lassen. Er und sein Team schützen sich zudem mit FFP2-Masken. Diese FFP2-Masken habe er noch bei der Firma Dechant kaufen können - und die gleiche Anzahl geschenkt bekommen - wofür er sehr dankbar ist.

Für die Patienten nähe zudem eine seiner Mitarbeiterinnen, medizinische Fachangestellte Marina Meier, Mund-Nase-Masken, die bei Bedarf bei ihr erworben werden können. Denn Patienten dürfen nur mit so einem Schutz beziehungsweise einem umgebundenen Schal oder Tuch die Praxisräume betreten. Diese Maßnahme hält er für die wichtigste. "Wenn alle von Anfang an Masken gehabt hätten, hätte das die Ausbreitung des Virus wirksam behindern können", ist er überzeugt.

Für Corona-Verdachtsfälle (er hatte noch keinen bestätigten Fall) gibt es bei ihm einen extra Raum, den man über einen Seitengang erreichen kann, ohne in den Empfangsbereich zu müssen. Dort, sowie im Hof seiner Praxis, nimmt Kirsten Abstriche vor. "Das mache ich nur in voller Schutzkleidung", erklärt er. Denn mit 62 Jahren zähle er bereits zur Risikogruppe. "Natürlich hat man da Angst vor einer Ansteckung. Aber das ist mein Job", sagt er. Ein paar Tausend Euro habe er in die Schutzausrüstung investiert.

Kirsten verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei den Patientenzahlen um 75 Prozent. "Es sollen ja nur wirklich wichtige Sachen besprochen werden." In der Konsequenz musste er jedoch Kurzarbeit anmelden, die Hälfte seines Teams ist zuhause.

Die, die arbeiten, versucht er so gut zu schützen wie möglich. Dabei kommt der Umstand entgegen, dass sich seine Praxis im Erdgeschoss befindet, die Rezeptausgabe über ein Fenster erfolgen kann. "Es reicht ein Anruf, wir bereiten alles vor und reichen es dann raus." Corona macht erfinderisch.

Relativ früh hat Volker Seitter, der zusammen mit seiner Kollegin Anja Tischer Gemeinschaftspraxen in Thurnau und Untersteinach betreibt, den Betrieb heruntergefahren, nur noch tägliche Notfallsprechstunden von 7 bis 11 Uhr eingerichtet. Auch bei ihnen wird viel per Telefon oder Videoschaltung geregelt. "Es werden nur einzeln Patienten in die Praxis einbestellt, die man sehen muss. Ziel ist es, die Kontakte möglichst gering zu halten."

Die Gemeinschaftspraxis arbeitet mit normaler Besetzung, allerdings sind die Teams in den Einrichtungen in Thurnau und Untersteinach streng getrennt. "Wir hoffen, dass wir um Kurzarbeit herumkommen", erklärt Seitter.

Der Arzt beobachtet die Coronaentwicklungen ganz genau und hat festgestellt, "dass die Einschläge deutlich näher kommen". Patienten mit entsprechenden Symptomen leitet er wenn möglich an das Gesundheitsamt weiter. Und wenn er in der Praxis untersuchen muss, dann mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen. "Wir haben spezielle Schutzkleidung, die wir aber nach Möglichkeit für dringende Situationen zurückhalten."

Angst vor dem Virus hat der Thurnauer Mediziner nicht, wohl aber Respekt. "Wir sind als Ärzte immer schon mit infektiösen Krankheiten konfrontiert, man muss die Entwicklungen ernst nehmen", sagt er. In seinen Augen braucht es gute Konzepte, wie mit der neuartigen Krankheit umgegangen werden muss. "Unser Gesundheitssystem kann die Fälle derzeit gut abarbeiten." Anderen sei das nicht so gelungen.

Dennoch würde er die Ausgangsbeschränkungen noch nicht lockern, sondern damit lieber etwas warten. "Damit wir nicht in relativ kurzer Zeit einen Rückschlag bekommen."

Anhand der Krise zeige sich, so Volker Seitter weiter, dass das deutsche Gesundheitswesen gut arbeite, allerdings noch besser vernetzt, der Informationsfluss optimiert werden könnte. Und es habe sich gezeigt, dass "das Gesundheitswesen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht privatisiert werden sollte".