Es war eine Reise zu Freunden, die eine Gruppe mit vielen Kulmbachern nach Nepal geführt und die der Corona-Virus abrupt beendet hat. Die Oberfranken wurden von den Horrormeldungen aus Europa überrascht und konnten nur mit sehr viel Glück rechtzeitig wieder ausreisen, berichtet Sigrid Daum, die die 18-köpfige Gruppe begleitet hat.

Bis dahin sei der Trip beeindruckend gewesen, sagt Daum. Ziel sei nicht nur die Hauptstadt Kathmandu, sondern auch die kleine Stadt Malekhu gewesen, die mit Kulmbach eng verbunden ist: Der Verein Nepalhilfe hat dort etliche Projekte initiiert, auch den Bau von Schulen.

Da war Corona noch kein Thema

Mitglieder der Nepalhilfe haben in Malekhu Patenkinder. "Einige unserer Reiseteilnehmer haben die Buben und Mädchen das erste Mal gesehen und waren von der Herzlichkeit der Familien, die in sehr ärmlichen Verhältnisse leben, beeindruckt", schildert Daum ihre Eindrücke aus der Zeit, in der Corona noch kein Thema war."Es ist beachtlich, was der Verein dort auf die Beine gestellt hat", stellt der Limmersdorfer Peter Cordes fest, der in Nepal dabei war und von traumhaften Erfahrungen spricht, die er gemacht habe.

Kaum Infos erhalten

Von der Pandemie habe man in Malekhu nichts mitbekommen, sagt Sigrid Daum. Dort habe man kaum Infos erhalten, "auch, weil wir dort keine Internetverbindung hatten". Erst nach der Rückkehr in die Hauptstadt Kathmandu habe man erfahren, welche Folgen der sich weltweit ausbreitende Virus habe. In Nepal selbst, so Daum, sei von Corona-Infizierten nichts zu hören gewesen. Wie sie mitteilt, leben die Menschen in dem asiatischen Binnenstaat wie bisher weiter. "Nur ohne Touristen, die die Flucht in ihre Heimatländer ergriffen haben."

Goldrichtige Entscheidung

Wie ernst die Lage ist, darüber hat die Gruppe Stefan Schaffranek vom gleichnamigen Reisebüro informiert, über das der Urlaub gebucht worden war. "Er hat uns geraten, ihn vorzeitig zu beenden und nach Deutschland zurückzukehren", berichtet Daum. Ein Rat, der, wie sich wenig später herausstellen sollte, goldrichtig war.

Flüge wurden gestoppt

Ursprünglich wäre der Rückflug mit der Fluggesellschaft Turkish Airlines am heutigen Samstag erfolgt - nach einem Zwischenstopp in Istanbul. "Turkish Airlines wäre da schon nach dem damaligen Stand aber nicht mehr nach Deutschland geflogen. Dann wären wir in der türkischen Hauptstadt gestrandet", so die Reiseleiterin.

Stefan Schaffranek habe schließlich einen Ersatzflug mit Fly Emirates für vergangenen Montag buchen können. "Das war unser Glück", sagt Daum, die am Tag darauf erfahren hat, dass auch Emirates Airlines den Flugverkehr ab Dienstag eingestellt hat. "Wären wir nicht am Montag rausgekommen, säßen wir in Kathmandu fest und müssten wohl darauf hoffen, dass wir durch die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes heimkommen."

Rückkehr in "Geisterstädte"

Über Dubai ging es mit dem Flieger nach München, wo der Reisegruppe am Montag schnell die Auswirkungen der Pandemie deutlich wurden. "Auf der Heimfahrt mit dem Bus war auf der A9 kaum Verkehr. Und als wir durch Bayreuth und Kulmbach gefahren sind, haben wir Geisterstädte gesehen", sagt Daum. "Auf den Straßen war niemand zu sehen."

Stefan Schaffranek ist froh, dass die Gruppe wohlbehalten zurückgekehrt ist. "Wir hatten Riesenglück, dass wir rechtzeitig reagiert haben und Ersatzflüge buchen konnten." Heilfroh darüber, dass er wieder zuhause ist, ist Peter Cordes, der weiß, dass er sonst mit seiner Frau und den anderen Reiseteilnehmern möglicherweise über Wochen in Nepal festgesessen hätte.