Wenn Bettina Richter den Namen der Tierrechtsorganisation Peta hört, dann bekommt ihr Gegenüber eine Mischung aus Seufzer und Lachen zu hören. Richter ist Sprecherin beim "Circus Voyage", der ab heute auf dem Festplatz am Schwedensteg gastiert, und sie es gewohnt, sich zu rechtfertigen. Denn egal in welche Stadt man komme, Peta (deutsch: "Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren) sei schon dort und mache immer die gleiche Kampagne.

Die nach eigenen Angaben weltgrößte Tierrechtsorganisation (über drei Millionen Unterstützer) wirft dem Zirkus unter anderem "mangelnde Haltungsbedingungen der Elefanten und Giraffen" vor. Peta führt "tragische Todesfälle" einiger Tiere auf und kritisiert die Transport- und Lebensbedingungen der Tiere - alles tierschutzwidrig. Zudem fordert die Organisation ein generelles Wildtierverbot in reisenden Zirkussen.


Vorwürfe und Erklärungen

Die Vorwürfe von Peta kennt Bettina Richter zur Genüge und schmettert sie alle ab. Zu jeder Beschuldigung hat sie eine Erklärung. Der - laut Peta - "tragische Todesfall" der Elefantendame Mausi vor zwei Jahren sei ein Beispiel, wie Peta Tatsachen verdrehe, so Richter. Mausi habe Arthrose gehabt und sei ständig in tierärztlicher Behandlung gewesen. "Wo Tiere sind, egal ob im Zirkus oder sonst wo, sterben Tiere", sagt Richter.

Auf der Homepage des Zirkus gibt es einen Text, mit dem Titel "Wahrheit über Mausi", der das Schicksal des Tieres aus Sicht des Zirkus schildert. Und die Narben der Giraffe, die laut Peta vom Transport stammen? Die rührten von einem Sturz im Gehege her. Jedes Haustier und jeder Mensch habe Narben, so Richter, die sich inzwischen in Rage geredet hat: "Wir sind immer die Verfolgten."

Peta fordert generelles Verbot

Die BR hat den Diplom-Zoologe und Peta-Fachreferenten Peter Höffken mit der Erklärung des Zirkus über die Herkunft der Narben der Giraffe konfrontiert. Als Höffken die Begründung mit dem Sturz hört, muss er lachen: "Sonst haben die immer gesagt, sie hätten das Tier schon so bekommen." Die Vorwürfe, die Peta erhebt, stammten unter anderem aus mehren Besuchen im Zirkus, bei dem man die Haltungsbedingungen selbst beobachtet habe, so Höffken.

Grundsätzlich gehe es darum, dass Wildtiere nicht in den Zirkus gehörten. Sie seien für das viele Reisen und Leben in kleinen Gehegen nicht geschaffen. Wahrscheinlich halte sich Voyage größtenteils an geltende Gesetze und Vorgaben, aber die seien das Problem, sagt Höffken.

Nicht nur Peta, sondern auch die Bundestierärztekammer spreche sich für eine Haltungsverbot von Wildtieren in Zirkussen aus. Die aktuellen Richtlinien seien veraltet, erklärt Höffken. Er sieht die Bundesregierung in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu ändern. Er ist vor allem von der Haltung der CDU/CSU-Fraktion genervt. Diese blockiere eine Gesetzesänderung in diesem Bereich, obwohl die Mehrheit der anderen Parteien eine solche Änderung befürworte.

Dennoch gebe es Möglichkeiten auf kommunaler Ebene. Als Besitzer der Flächen, auf denen ein Zirkus seine Zelte aufbaut, könne die Stadt einen Auftritt verhindern. Höffken nennt ein Beispiel aus Erding, wo diese Haltung der Stadt auch vom Gericht bestätigt worden sei. Aus der Kulmbacher Stadtverwaltung habe es positive Signale gegeben, Zirkusse mit Wildtieren künftig nicht mehr auftreten zu lassen, sagt Höffken.

Das stimme so nicht ganz, sagt Helmut Völkl, Leiter des Kulmbacher Tourismus - und Veranstaltungsservices. Die Information über das Urteil aus Erding sei zwar auch für ihn neu gewesen, aber letztendlich müsse eine solche Entscheidung der Stadtrat treffen. Diese Antwort habe Völkl auch an Peta-Vertreter Höffken gesendet. Zudem habe die Stadt die Auftrittsmöglichkeiten von Zirkussen in der Vergangenheit stark limitiert. Diese seien nur noch von Mai bis Oktober möglich, erklärt Völkl.

Auch Andreas Koller, der Abteilungsleiter des Kulmbacher Veterinäramtes, beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Zirkus Voyage. Die notwendigen Unterlagen habe der Zirkus bereits Anfang Oktober an das Veterinäramt geschickt. Seitdem hat Koller recherchiert, bei Kollegen anderer Ämter und einer speziellen Datenbank, dem "Zirkus-Register".

Er ist zu dem Entschluss gekommen: "Wir werden den Zirkus Voyage kontrollieren." Damit rechnet Bettina Richter sowieso. Ihr Tierbestand werde stark kontrolliert, die Haltung sei vorbildlich. "Wir haben keine Bedenken, wenn der Tierarzt kommt", sagt sie.

Gesetze sind entscheidend

Amtstierarzt Koller rechnet nicht damit, gravierende Verstöße zu finden. Teilweise seien die Auflagen für bestimmte Tiere im Zirkus tierschutzkonformer als in der Nutztierhaltung. "Voyage ist nach den geltenden Gesetzen in Sachen Tierhaltung kein problematischer Zirkus. Alles andere ist eine Gewissensfrage", urteilt Koller nach seinen Recherchen und vor dem Ortstermin.

Er müsse sich an die gesetzlichen Vorgaben halten und kontrollieren, ob diese erfüllt werden, sagt Koller und fügt an: "Wahrscheinlich sind Zirkusse mit Großtieren sowieso ein auslaufendes Modell." Derweil sieht Zirkusssprecherin Richter die Peta-Kampagne als Mittel zum Spenden sammeln. Peta bekomme mit solch emotionalen Themen viele Schlagzeilen und Aufmerksamkeit sowie dementsprechend Geld, auf das der Verein angewiesen sei.

Auf die Besucherzahlen habe die Kampagne bisher keine Auswirkungen, sagt Richter. Sie lädt alle Kulmbacher für heute Nachmittag, ab 15 Uhr, auf den Festplatz am Schwedensteg ein, um sich selbst ein Bild von der Tierhaltung im "Circus Voyage" zu machen.