Es wollte den Verkehr in Kulmbach revolutionieren: Michael Hilbert, der mit seiner Firma "easy drive" eine besondere Variante des Car-Sharings angeboten hat. Er hat beim Fahrzeug-Verleih allein auf Elektro-Autos gesetzt.

Gewagtes Modell

Es war ein gewagtes Modell, wie schon zum Start Ende 2018 Willi Loose vom Bundesverband "CarSharing" erklärt hat - mit dem Verweis darauf, dass wirtschaftlich erfolgreiche Anbieter auf einen Angebotsmix aus E-Mobilen sowie Benzin- und Diesel-Fahrzeugen setzen. "Um Kunden auch weitere Fahrten zu ermöglichen", hat Loose erklärt.

Hilbert hat allein auf saubere Energie gesetzt. Und er hatte große Ziele, wollte seinen Fuhrpark nach dem Start mit zwei Renault Zoe erweitern, sogar eine eigene Infrastruktur mit Ladestationen aufbauen.

Viele Vorteile

Sein Traum ist geplatzt. Der Kulmbacher hat seine Firma aufgelöst. Ob er mit dem E-Auto doch auf das falsche Pferd gesetzt hat? Nein, sagt Hilbert, der nach wie vor davon überzeugt ist, dass der Siegeszug der E-Mobilität nicht aufzuhalten ist. "Ich wollte in einer Zeit, in der das Bewusstsein für die Mobilität im Wandel ist, ein neues, ökologisches Angebot unterbreiten", sagt Hilbert und führt an: "Es hatte viele Vorteile: Man hat kein eigenes Auto und keine Versicherung gebraucht, musste auch keine Spritkosten zahlen, denn man konnte ja kostenlos an der E-Lade-Station auf dem Zentralparkplatz tanken."

Bis zu 80 Kunden

Sein Geschäft sei gut angelaufen. "Ich hatte in der Höchstphase 80 Kunden, davon 20 bis 30 Stammkunden", sagt der Geschäftsmann, der berichtet, dass die Autos nicht nur für Einkaufstouren in Kulmbach, sondern auch für Fahrten in Nachbarstädte wie Bayreuth oder Kronach genutzt wurden.

Was die Gründe dafür sind, dass er jetzt den Stecker gezogen hat? "Es gibt einige", sagt Hilbert. Pläne, einen Shuttle-Service aufzubauen, hätten sich nicht realisieren lassen. Auch sei das Bemühen, mit Geschäftsleuten in Kontakt zu treten, deren Kunden beim Einkauf Mobilitätspunkte erhalten hätten, die sie beim Bezahlen der Autorechnung hätten einlösen können, nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Es habe bürokratische Hürden gegeben.

"Parken leider nicht kostenlos"

Auch mehr Unterstützung von der Stadt Kulmbach hatte er sich erhofft: "Wer sagt, er will die E-Mobilität fördern, muss auch etwas tun." Ein Vorwurf, zu dem sich die Stadt nicht äußern will. Schade findet Hilbert es auch, dass man in Kulmbach anders als in Bayreuth mit E-Autos nicht kostenlos parken kann.

Gewichtige Gründe für das Aus seien aber auch der Vandalismus ("Die Autos wurden beschädigt") und Kunden gewesen, die das fremde Eigentum nicht pfleglich behandelt hätten. Hilbert klagt zudem über eine mangelnde Zahlungsbereitschaft. So mancher habe seine Rechnung nicht beglichen. Juristische Schritte habe er bei einem Mietpreis von vier bis fünf Euro pro Stunde nicht eingeleitet: "Da war mir ehrlich gesagt der Aufwand zu groß."

Corona hat nicht den Ausschlag gegeben

Die Corona-Krise, die der gesamten Car-Sharing-Branche zugesetzt hat, habe nicht den Ausschlag gegeben,. "Sie war vielleicht das I-Tüpfelchen beim Entschluss, das Geschäft auslaufen verlassen." Gedanklich verabschiedet habe er sich von "easy drive" schon im Frühjahr. "Da habe ich gemerkt, es macht in Kulmbach keinen Sinn."

Von der E-Mobilität ist er aber nach wie vor überzeug. Michael Hilbert fährt privat weiter mit Strom. "Und ich weiß, dass auch mein nächstes Fahrzeug ein Elektroauto sein wird."