Noch steht das Gerüst. Noch ragen unzählige kleine schwarze Verpressungsschläuche aus der Burgruine Nordeck. In diese Schläuche können dann später die 2,50 Meter langen Edelstahlnadeln eingebracht werden, die die Burgruine dauerhaft stabilisieren.

Noch im Oktober sollen die Sanierungsmaßnahmen an der Burgruine Nordeck abgeschlossen werden, betonte der Leiter des Forstbetriebes Nordhalben, Fritz Maier. Der Kranz der Ruine wurde von der Spezialfirma Preuße & Rätsch aus Weimar abgetragen und komplett neu aufgemauert. Dazu wurden entweder die alten Steine wieder verwendet oder neue Muschelkalksteine aus Unterfranken. Bei der Steinauswahl kam es auf die Beschaffenheit und die chemische Zusammensetzung an, erklärte Maier.


Ein Identifikations-Merkmal

Dass die Bayerischen Staatsforste die immensen Sanierungsarbeiten in Höhe von rund 350 000 Euro auf sich genommen haben, liegt daran, dass die Nordeck ein Identifikations-Merkmal für Stadtsteinach ist. "Wir hätten sie entweder dem Verfall und damit dem Weg alles Irdischen preisgeben oder eben fachmännisch sanieren können", sagt Maier.

Die Bayerischen Staatsforste haben den einsturzgefährdeten Turm nun für die nächsten Jahrhunderte gerettet. "Aber wir werden jetzt nicht die Gärtner der Nordeck werden", sagte Maier klipp und klar. Das bedeutet: Rasenmähen, die Umgebung der Nordeck zu pflegen - das sollte jetzt ein Verein und/oder eine Bürgervereinigung übernehmen. "Jetzt ist eine Initiative gefragt", so Maier.

Fritz Maier gab bei der öffentlichen Begehung den Ball an die Stadt weiter. "Jetzt muss ein Konzept, wie die Nordeck genutzt werden kann, erarbeitet werden - abgestimmt mit der Regierung von Oberfranken, mit dem Naturschutz und Denkmalschutz", so der Leiter des Forstbetriebes.

Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) erklärte, dass Burgenforscher Joachim Zeune bereits angeboten hat, die Grundlagenforschung, die er über die Burgruine angestellt hat, für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten. Sogar eine dreidimensionale digitale Animation könnte entstehen.

Bürgermeister Roland Wolfrum schwebt vor, eine Erlebnis achse Steinachtal ins Leben zu rufen und touristisch zu vermarkten. So könnte man das mittelalterliche Leben in der Stadt, im Waffenhammer bis zur Ruine thematisieren. Die Stadt bemühe sich um Leader-Fördermittel, so Wolfrum.

Wolfgang Hoderlein (SPD) sprach offen den Bewuchs im Umfeld der Nordeck an. Doch zu diesem Thema konnte Fritz Maier eine klare Auskunft erteilen. Die Nordeck liegt im Naturwaldreservat. Und im Naturwald darf keine Holznutzung getätigt werden. "Eine freie Sichtschneise wird es definitiv nicht geben, das würde das ganze Projekt ausbremsen", so Maier.

"Man muss so ein Konzept vorsichtig angehen. Wir sollten kein Disneyland aus der Ruine machen. Wir müssen jetzt ein Konzept erstellen", sagte Wolfgang Martin (BL). Wanderführer Sepp Madl betonte, dass die Burg und die Stadt eng miteinander verknüpft sind und riet, dieses historische Potenzial in eine Konzeption einzubringen.