"Das war ein Riesenschritt in Richtung Rathaus und spiegelt die Rückmeldungen wider, die ich in den vergangenen Tagen erhalten habe." CSU-Bürgermeister-Kandidat Robert Bosch ist sichtlich glücklich mit seinem Ergebnis bei der Mainleuser Bürgermeisterwahl. Mit 43 Prozent ließ er die beiden Mitbewerber Jürgen Karg (SPD) und Günther Stenglein (FW) deutlich hinter sich.


Die Menschen überzeugen

"Mein Ziel in den nächsten zwei Wochen wird es sein, die Menschen zu überzeugen, die ich bisher noch nicht gewinnen konnte", erklärte Bosch mit Blick auf die Stichwahl, die am 24. April stattfinden wird. Er sei stets davon ausgegangen, dass es eine Stichwahl geben wird, so Bosch weiter. "Ich habe nie darüber spekuliert, wer in die Stichwahl kommen könnte und nur gehofft, dass ich dabei bin", sagte der 36-Jährige, der zusammen mit seinen Anhängern im TSC-Sportheim feierte.

Dort warteten auch prominente Unterstützer auf ihn: CSU-Kreisvorsitzender und Kulmbachs OB Henry Schramm, MdB Emmi Zeulner, MdL Ludwig von Lerchenfeld und viele mehr gratulierten zum Einzug in die Stichwahl.

Mit einer besonderen Brauspezialität stießen die Sozialdemokraten im Gasthaus "Zur Linde" an: ein Kasten Bier der Brauerei Karg, passend zum namensgleichen SPD-Kandidaten, der kurz zuvor den Sprung in die Stichwahl geschafft hatte. "Die erste Gefühlswallung war: Gott sei Dank, es reicht, da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen", sagte Karg inmitten seiner Unterstützer, zu denen unter anderem SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures zählte.

Eine Vorplanung für die Zeit bis zum entscheidenden Urnengang gebe es nicht. "Mein Wahlkampfteam setzt sich nun mit mir zusammen. Wir müssen die Wähler nochmals mobilisieren und auch diejenigen überzeugen, die heute für Günther Stenglein gestimmt haben." Karg hatte den CSU-Kandidaten Robert Bosch gleich nach dessen Sieg telefonisch gratuliert und ihm wie auch dem unterlegenen Günther Stenglein für einen fairen Wahlkampf gedankt. "Es tut mir persönlich leid für Günther, aber es ist eben demokratisch so vorgesehen, dass einer ausscheiden muss."

Jener Günther Stenglein hatte gestern einen guten Start hingelegt. Als er bei der Hälfte der ausgezahlten Wahllokale aber gerade noch fünf Stimmen Vorsprung auf Jürgen Karg hatte, ahnte er bereits: "Das kann haarig werden." Kurz nachdem das Endergebnis feststand, sagte er: "Es ist nichts Schlimmes passiert." Seine Erwartungshaltung sei klar gewesen: "Wen man antritt, will man gewinnen, sonst hat es keinen Sinn. Mir wird nicht langweilig, ich bin und bleibe ja Gemeinderat." Zum Ausgang der Stichwahl wollte er keine Prognose abgeben. "Das ist schwer vorherzusehen." Eine neuerliche Kandidatur schloss Stenglein aus. "Es hat jetzt gepasst - und jetzt ist es rum."

Amtsinhaber Bürgermeister Dieter Adam macht keinen Hehl daraus, dass er Günther Stenglein gerne in der Stichwahl gesehen hätte. Nicht nur, weil beide den Freien Wählern angehören, sondern durch seine Art und die beruflichen Erfolge wäre Stenglein der richtige Mann für Mainleus gewesen, ist Dieter Adam überzeugt. "Aber es waren drei gute Kandidaten, es wurde viel spekuliert. Jetzt haben die Wähler entschieden", so Adam etwas resigniert.


Das sagen die Kreisvorsitzenden

Zufrieden mit dem Ergebnis und der Wahlbeteiligung zeigte sich CSU-Kreisvorsitzender und Kulmbachs OB Henry Schramm: "Das war ein Vertrauensbeweis für Robert Bosch. " Mit seiner sympathischen Art, mit Wissen und Einsatz habe der 36-Jährige die Menschen von sich überzeugt. Er werde Bosch weiter unterstützen, versicherte Schramm. "Wir müssen in der Region zusammenhalten und können gemeinsam viel bewegen."

Hochzufrieden mit dem Wahlausgang zeigte sich auch die SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures. "Total spannend" sei die Auszählung gewesen. "Wir sind heilfroh, dass Jürgen Karg so gut abgeschnitten hat und nun in die Stichwahl geht." Hier würden die Karten neu gemischt. Bei der Bürgermeisterwahl in Stadtsteinach habe es seinerzeit eine ähnliche Konstellation gegeben. Auch damals habe der SPD-Kandidat Roland Wolfrum letztlich das Rennen gemacht.

Von einer "großen Enttäuschung sprach hingegen der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Klaus Peter Söllner. "Dass Robert Bosch einen Vorsprung hat, damit haben wir gerechnet. Aber wir sind schon davon ausgegangen, dass Günther Stenglein in die Stichwahl kommt." Aus Stengleins Mannschaft habe sich niemand etwas vorzuwerfen. Günther Stenglein habe sich gut präsentiert. "Es waren aber drei sehr gute Kandidaten."


Kommentar von Redaktionsleiter Alexander Müller:


Ein außerordentlich fairer Wahlkampf ist in Mainleus zu Ende gegangen: Alle drei Kandidaten haben ihre Ideen für die Marktgemeinde in die Waagschale geworfen - aber darauf verzichtet, die Mitbewerber anzugreifen. Das lässt für die bevorstehenden zwei Wochen hoffen.

CSU-Kandidat Robert Bosch hat im ersten Wahlgang einen respektablen Vorsprung für sich verbucht - und auch wenn die Karten nochmals neu gemischt werden, kann er in gewisser Weise auf das Vertrauen dieser Wähler bauen.

Diejenigen, die Günther Stenglein ihre Stimme gegeben haben, müssen sich nun in den kommenden Tagen neu entscheiden. Um sie muss besonders Jürgen Karg kämpfen, wenn er eine Chance haben will. Eine Wahlempfehlung haben die Freien Wähler am Wahlabend ausgeschlossen.

Fest steht, dass die Freien Wähler einen Bürgermeister-Posten an eine der beiden großen Parteien verloren haben. Günther Stenglein muss sich deswegen aber nicht grämen - er hat sehr gut gekämpft und ist äußerst knapp ausgeschieden.