Die Bluttat von Mistelbach, bei der der 51-jährige Stephan S. und seine 47-jährige Frau in der Nacht zum 9. Januar ums Leben gekommen sind, gibt knapp zwei Wochen danach weiterhin viele Rätsel auf. Wie konnte es zu der Tragödie kommen? Hat es vorab einen Streit gegeben? Fragen, auf die es (noch) keine Antworten gibt.

Tatverdächtiger sitzt in Jugendstrafanstalt

Dem Ehepaar wurden im Keller des Hauses tödliche Stichverletzungen zugefügt. Als dringend tatverdächtig gilt ein 18-Jähriger, der der Freund der ältesten Tochter (16) des Ehepaares war. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Opfer im Schlaf erstochen hat. Dies würde das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllen, weil die Opfer arg- und wehrlos gewesen seien, wie Leitender Oberstaatsanwalt Martin Dippold gegenüber der Bayerischen Rundschau erklärt hat. Gegen den 18-Jährigen wurde Haftbefehl wegen des Verdachts auf zweifachen Mord erlassen. Er befindet sich in der Jugendstrafanstalt in Ebern in Untersuchungshaft.

Widerstandslos

Der junge Mann war zunächst geflüchtet, hatte sich wenige Stunden später dann aber der Polizei in Bayreuth gestellt und sich auch widerstandslos festnehmen lassen. Bei der ersten polizeilichen Vernehmung hat er die Tat gestanden, vor dem Ermittlungsrichter dann aber keine Angaben mehr gemacht. "Das ist nach wie vor der Stand der Dinge", wie Martin Dippold gestern betonte.

Die Aussagen, die der Mann bei der Polizei gemacht habe, seien nun zu überprüfen, denn sie müssten ja nicht unbedingt richtig sein. "Die Aussagen des Tatverdächtigen müssen mit der vorgefundenen Spurenlage in Einklang stehen", so Dippold. So lange es keine belastbaren Fakten gebe, könne die Staatsanwaltschaft angesichts der Schwere der Tat keine detaillierten Auskünfte geben, betont der Leitende Oberstaatsanwalt, nach dessen Worten womöglich in zwei Wochen weitere Details bekanntgegeben werden können. Auch der Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberfranken, Matthias Potzel, macht deutlich, dass eine mündliche Angabe bei der Polizei das eine sei - das auch genau nachzuweisen, den Tatverdächtigen zu überführen oder die Angaben zu widerlegen, sei das andere. "Wir versuchen, die Wahrheit aufgrund objektiver Tatsachen zu finden. Und das dauert seine Zeit."

Die Todesursache

Inzwischen soll das vorläufige Ergebnis der Obduktion vorliegen, wonach - wie vermutet - die durch einen spitzen Gegenstand verursachten Verletzungen bei beiden Opfern die Todesursache gewesen sein sollen. Gleich nach der Tat waren im Haus mehrere Messer sichergestellt worden. Um die vier minderjährigen Kinder im Alter zwischen fünf und 16 Jahren, die bei der Tat im Haus waren, kümmert sich das Bayreuther Jugendamt. In absehbarer Zeit soll ein Gericht entscheiden, wer zum Vormund bestellt wird.