Jürgen und Herta Sachers aus Bad Überkingen stehen fassungslos am Ufer der Kieswäsch. Die beiden machen Urlaub und eigentlich finden sie das Naherholungsgebiet wunderschön. "Aber der Geruch ist nicht sehr angenehm. Und natürlich kann man hier nicht baden", sagt Herta Sachers. Auch ohne das Schild "Baden verboten", das neuerdings von der Stadt Kulmbach aufgestellt worden ist, hätte sie keine Lust.

Die Urlauber beobachten die Algenplage schon seit einigen Tagen. "Letzte Woche waren wir hier spazieren, da war alles noch nicht so schlimm", erzählt Jürgen Sachers. Am schlimmsten war wohl die Situation am Sonntag beim traditionellen Königsfischen. Der See stank zum Himmel und der gesamte Uferbereich war von einem türkisblauen Algenteppich übersät. Inzwischen hat der Wind die Algen weiter getrieben und teilweise auch zerstört. Acht Arbeiter tun ihr möglichstes, um die schlimmsten Spuren der Algenplage zu entfernen, laden den Schlick auf die orangefarbenen Laster auf und fahren sie zur Kompostieranlage. Die Algen geben einen guten Dünger.

Jetzt hat die Blaualgenplage auch die Behörden auf den Plan gerufen: Das Wasserwirtschaftsamt Hof schickte mit Anton Fuß eder einen ausgesuchten Wasserexperten. Auch Klaus Lazarus vom Gesundheitsamt in Kulmbach hatte seinen Probenkoffer dabei und füllte das türkisgrüne Wasser in mehrere Behälter ab: "Das Badeverbot, das wir jetzt verhängt haben, bleibt bis auf Weiteres bestehen", sagt Lazarus. Denn es ist eine gesetzliche Vorschrift, dass nur in Seen gebadet werden darf, die eine Mindestsichttiefe von einem Meter aufweisen. Und die ist noch immer nicht gegeben.

Doch wozu noch die Proben? Lazarus erklärt eine Besonderheit der Blaualgen. Denn die Blaualgen des Typs Anabaena, die für die Plage an der Kieswäsch verantwortlich sind, können Giftstoffe produzieren, tun dies aber nicht immer. Und das soll jetzt untersucht werden. Möglicherweise sind die Blaualgen einfach nur unappetitlich und stinken, aber völlig ungefährlich. "Aber jetzt hat sowieso keiner Lust hier zu baden", sagt Uwe Angermann von der Stadt Kulmbach.

Fußeder glaubt, dass das Schlimmste schon überstanden ist. Letztlich hänge alles vom Wetter ab. "Diese türkisblauen Schlacken sind ein Zeichen dafür, dass die Algen schon am Absterben sind", erklärt er. Mit einem Sauerstoffgehalt von 7,5 Milligramm und 81 Prozent liegen die Werte im normalen Bereich. "Das ist keine Sauerstoffübersättigung. Das könnte ein Zeichen sein, dass die Blaualgen die Photosynthese schon eingestellt haben und absterben", sagt Fußeder.

Doch was kann man gegen die Algen tun? "Belüften bringt gar nichts mehr", sagt Fußeder. Auch die Praktik, dass früher oft Feuerwehren stundenlang Wasser in Seen spritzen, würde nichts nützen. "Man kann jetzt nur die Algen abrechnen und versuchen sie zu entfernen und auf kühlere Temperaturen hoffen." Durch das Abrechnen wird verhindert, dass die Algen nach dem Absterben absinken und den See verschlammen. Denn das könnte dann im nächsten Jahr wieder zu einer vermehrten Algenbildung führen. "Die Situation muss sich auf natürliche Weise lösen", sagt auch Lazarus.

Die Ursache für die Blaualgen ist übrigens nicht auszumachen. Auch, ob die Gänse und Enten dafür verantwortlich sind, ist unklar, sagt Fußeder: "Das kann man nicht beweisen. Es gilt die Unschuldsvermutung." Sicherlich ist in Wahrheit eine Verkoppelung unglücklicher Umstände ausschlaggebend. Nur einen Appell haben die Wasserexperten für die Badegäste: Die Vögel bloß nicht füttern.