Halbzeit für den Bürgermeister Harald Hübner - seit drei Jahren ist er Rathauschef in Neudrossenfeld. Im Halbzeitinterview mit der BR verrät er, was ihn gefreut hat, was ihm Sorge bereitet und was er fürs Jahr 2020 plant.

Was hat Sie besonders gefreut in Ihrer ersten Halbzeit?
Harald Hübner: Vor allem, dass es mir gelungen ist, das Gewerbegebiet Unterbrücklein anzustoßen, dass sich dort etwas bewegt, dass es mit den ersten Ansiedlungen von Aldi und McDonald's losgegangen ist. Ein großer Erfolg ist die Ansiedlung des Baukonzerns Strabag, und es kommt noch die Baufirma Böhner, Bayreuth, dazu, die zum selben Konzern gehört. Dann haben wir insgesamt um die 150 qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Hier hat Neudrossenfeld mit 600 Arbeitsplätzen Nachholbedarf. Denn vergleichbare Gemeinden wie Thurnau oder Stadtsteinach haben zirka 1000 Arbeitsplätze zu bieten. Wir verhandeln derzeit mit einem weiteren interessanten Unternehmen, das sich bei uns ansiedeln will. Aber das ist noch nicht spruchreif. Es freut mich außerdem, dass im ersten Jahr meiner Amtszeit die Ansiedlung des BRK-Seniorenheims gelungen ist. Zuerst gab es ein Riesengeschrei, und heute sind alle Bürger zufrieden.

Hat Sie etwas geärgert?
Ich bin im Grunde ein positiver Mensch, der meistens gut gelaunt ist (lacht). Das Bürgermeisteramt hat natürlich Licht und Schatten wie jeder andere Beruf, aber richtig geärgert hat mich nichts. Auch nicht, dass es anfangs ein paar Querschüsse im Gemeinderat gab. Wir alle sind berufen, Entscheidungen zum Wohl der Gemeinde zu treffen, da muss sich ein neuer Gemeinderat immer erst zusammenfinden. Anlass zur Sorge gibt aber, dass wir Einwohner verlieren. Wir hatten schon mal fast 4000 vor gut zehn Jahren. Seitdem geht es rückwärts. Neudrossenfeld ist ein hervorragender Standort zwischen Kulmbach und Bayreuth, aber uns fehlt ein attraktives Wohnbaugebiet.

Wie kommen Sie bei der Suche nach einem Baugebiet voran, nachdem Dreschenau per Bürgerentscheid abgelehnt worden ist?
Wir haben zwischenzeitlich mehrere Gebiete und, wie gewünscht, Baulücken untersucht. Letzteres bringt nicht viel, da oft Eltern für ihre Kinder oder Enkel Grundstücke gekauft haben, die sie nicht hergeben. Zwei Varianten haben sich als machbar erwiesen. Einmal ein Baugebiet Wald II hinter der Schule - hier ist die Erschließung der Hanggrundstücke relativ teuer, und auch die Häuser selber würden teurer. Daher wäre es für junge Familien schwer zu stemmen. Wir wollen aber gerade jungen Leuten etwas Erschwingliches anbieten, denn sie sollen in Neudrossenfeld bleiben. Also wird der Gemeinderat prüfen müssen, ob wir das Verfahren Dreschenau fortsetzen können. Der Bürgerentscheid 2015 hat Bindungswirkung von einem Jahr. Wie die Voruntersuchungen ergeben haben, ist Dreschenau die beste Variante mit der höchsten Wohnqualität und der geringsten Verkehrsbelastung, die uns zur Verfügung steht, und erfüllt damit ideale Voraussetzungen für ein gesundes Wohnen.

Neudrossenfeld liegt am Rand des Weidener Beckens, wo Öl- und Gasvorkommen zur Ausbeutung durch das umstrittene Fracking erkundet werden sollen. Haben Sie Sorge, dass hier noch etwas auf die Gemeinde zukommt?
Davon habe ich nie mehr etwas gehört. Derzeit haben wir mehr mit dem geplanten Sandabbau bei der Zoltmühle zu tun. Dort wurde nach zehnjährigem Probebetrieb eine dauernde Betriebserlaubnis bei der Regierung beantragt. Wir haben zwar keine Entscheidungskompetenz, aber im Interesse unserer Bürger beantragt, dass der Verkehr größtenteils über die Staatsstraße 2183 fließen soll und unzumutbare Beeinträchtigungen für Pechgraben und Zoltmühle vermieden werden.

Gibt es etwas, das Sie stolz macht?
Ja, dass wir nicht am Tropf des Staates hängen und keine Stabilisierungshilfen brauchen. Unser Gemeinderat kann frei über seinen Haushalt entscheiden. Diese Freiheit gründet allerdings darauf, dass man immer sparsam wirtschaften muss und nicht jeden Wunsch erfüllen kann. Luftschlösser werden wir in Neudrossenfeld nicht bauen. Unsere Pro-Kopf-Verschuldung liegt mit 350 Euro deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 678 Euro. Wir sind im grünen Bereich, und das soll auch so bleiben.

Welche großen Projekte wollen Sie in der zweiten Halbzeit Ihrer Amtszeit in Angriff nehmen?
Am dringendsten ist das Baugebiet. Wir haben ständig Anfragen von Leuten, die bei uns bauen wollen. Am Weidenrain sind noch Teile bebaubar. Dort wird ein Investor aus der Schweiz Doppelhäuser bauen, um die Nachfrage zu decken. Es sind zirka 25 Wohneinheiten geplant. Beim Breitbandausbau haben wir die erste Erschließungsstufe zügig abgewickelt, in unterversorgten Ortsteilen müssen wir noch etwas machen. Wir wollen unsere Schule erhalten und das Gewerbegebiet füllen, wo etwa fünf Hektar frei sind. Um noch mehr Wohnqualität zu schaffen, werden wir im Ortskern investieren und rund um den Schlossplatz das verbrauchte Pflaster erneuern. Damit dort die schöna Madla wieder mit Stöckelschuhen laufen und die Kampfstiefel zu Hause lassen können.

Denken Sie schon an 2020, wenn wieder Bürgermeisterwahl ist?
Ich werde weiter meine ganze Kraft für die Gemeinde einsetzen. Die Arbeit bereitet mir nach wie vor Freude, und wenn mich die Bürger haben wollen, werde ich auch wieder zur Verfügung stehen. Ich habe bisher viel Zuspruch und Unterstützung aus der Bevölkerung und von meinen Mitarbeitern erfahren. Dafür bedanke ich mich besonders.


Fraktionen geben Noten

Die Fraktionen im Neudrossenfelder Gemeinderat haben wir gebeten, die Arbeit von Bürgermeister Hübner - wie in der Schule - zu benoten.

"In den Hauptfächern bekommt er eine Zwei, in den Nebenfächern eine schlechtere Note", sagt Franz Klatt (SPD). Hübner erledige seine Pflichtaufgaben ordentlich. Der Gemeinderat dürfe aber zu wenig mitarbeiten. "Viele unserer Anregungen verliefen im Sande."

Die FuG-Fraktion (Für unsere Gemeinde), deren Kandidat Björn Sommerer in der Stichwahl gegen Hübner verloren hat, gibt keine Erklärung ab. "Das Thema ist zu komplex, um es in wenigen Sätzen ausdrücken zu können", so FuG- Sprecherin Heidemarie Nitsch.

"Unser Bürgermeister hat die Gabe, Menschen zu einen, ohne Vorbehalte auf jeden zuzugehen und den bestmöglichen Konsens zu finden. Das tut er immer um der Sache willen", betont Silvia Eichner. Die CSU-Fraktionsvorsitzende gibt ihrem Parteifreund "eine Eins minus, weil er viel Gutes tut, aber öfter darüber reden müsste".

"Meine Note ist eine Zwei minus. Er vertritt die Gemeinde sehr gut nach außen, sollte aber intern die Zügel fester in der Hand halten", erklärt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Peter Rösch.

"Von uns kriegt er eine Zwei", sagt Thomas Erlmann von der Wählergruppe Waldau, der Hübners "ruhige und sachliche Art" schätzt. Mit Gewerbegebiet und Seniorenheim sei "viel Positives passiert", so Erlmann, der sich lediglich eine straffere Sitzungsleitung wünscht.



Bürgermeister-Bilanz

Serie Zur Hälfte der Amtszeit haben wir mit den Bürgermeistern, die 2014 neu ins Amt gewählt wurden, eine Zwischenbilanz gezogen.

Fortsetzung In der nächsten Folge, die am 17. Mai erscheint, sprechen wir mit dem Rugendorfer Bürgermeister Ralf Holzmann (CSU).