Für die Sparte Ballett ist es abseits der Metropolen schwer geworden. Ein junges Publikum gibt es kaum noch, viele kennen die Kunstgattung gar nicht mehr. Im Zuge vieler Sparmaßnahmen werden die Produktionen auch an großen Häusern weniger und so könnte man fast glauben, dass die Ballettkunst langsam ausstirbt.
Wenn, ja wenn es nicht Tourneetheater gäbe, die zwar nicht gerade mit bahnbrechenden, sondern eher mit konservativen, um nicht zu sagen musealen Inszenierungen aufwarten, aber dennoch etwas von der großen Faszination Ballett vermitteln.


Aufmerksames Publikum

Das St. Petersburg Festival Ballett ist so eine Truppe, die Jahr für Jahr um die Weihnachtszeit entweder mit Tschaikowskys "Nußknacker", mit "Dornröschen" oder "Schwanensee" durch die Lande zieht.

Mit "Schwanensee" machten sie in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach Station. Wenn auch viele Plätze leer blieben, so war es doch ein erstaunlich junges, aufmerksames und sachkundiges Publikum, das diese Aufführung sehen wollte.

Die romantische märchenhafte Geschichte um Macht und Liebe, in der sich der junge Prinz Siegfried in die verzauberte Schwanenprinzessin Odette verliebt und sie vom bösen Zauber des Magiers Rothbart befreit, das ist der Stoff, aus dem Ballettträume sind. "Schwanensee", das ist fast schon ein Synonym geworden für die Eleganz des klassischen Balletts auf höchstem Niveau.


Blitzsaubere Leistungen


Das Festival Ballett gilt als eines der besten Ensembles der Petersburger Schule. Es steht für strenge klassische Eleganz und für Tanzleistung in Perfektion. Die Macher haben dazu ganz traditionelle opulente Kostüme und kitschig-schöne Bühnenbilder geschaffen. Hier wird die Ästhetik der goldenen Tanzkultur großgeschrieben. Alle Akteure präsentieren sich in Kulmbach auf sehr hohem Niveau und überzeugen mit Können und einer blitzsauberen Tanzleistung.

Wie gesagt, bahnbrechende Choreographien wird ernsthaft niemand erwartet haben. Ganz traditionell setzen die Macher auf geometrische Figuren, da laufen Tänzerreihen wunderbar ineinander, da werden bewegte Ornamente, Kreise, Dreiecke, Quadrate und Winkel gebildet, ganz mit Revue-Charakter, und das alles bei der wunderbaren Musik Tschaikowskys, die freilich vom Band kommt. Der Zauber der perfekten Show stellt sich trotzdem ein.
Irina Borisova, Absolventin der Kiew-Ballett-Akademie, vereint in der Doppelrolle als weißer Schwan Odette und als schwarzer Schwan Odile Eleganz mit Pathos, ganz in alter russischer Schule.

Mit graziöser Eleganz und athletischer Sprungfertigkeit tanzt Ivan Sitnikov als Siegfried. Den Zauberer Rothbart gibt ein stets präsenter Arseni Islamov perfekt und im fantasievollen Kostüm, den Hofnarr tanzt in ebenfalls überragender Manier Sergeij Dubrovin. Höhepunkte sind zweifellos die Charaktertänze und Solovariationen, die Pas de deux Siegfrieds mit dem weißen Schwan im zweiten Akt und mit dem schwarzen Schwan im dritten Akt.


Vielfach ausgezeichnet


Insgesamt besteht das St. Petersburg Festival Ballett aus über 40 Tänzern, 32 sind pro Abend auf der Bühne, alle sind Absolventen renommierter russischer Ballettschulen. Sämtliche Tänzer haben bereits Preise bei internationalen Festivals und Wettbewerben gewonnen. Zusammen bilden sie eine der ästhetisch und technisch besten Ballettkompanien nicht nur Russlands. Die künstlerische Leitung lag in den Händen der Choreographen Margarita Kamysh und Nikolai Boyarchikov, beides große Namen der renommierten Tanzszene.

Natürlich krönte am Ende ein großer Schlussapplaus mit Jubel, Bravorufen und sogar einem Blumenstrauß für die Hauptdarstellerin den Ballettabend.