Scharfe Geschütze werden gegen Inge Aures aufgefahren. In einem Interview nimmt die Awo-Kreisvorsitzende zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen Stellung. Frau Aures, in der Stellungnahme des Bundesvorstands zum Prüfbericht heißt es, dass das Architekturbüro Drenske keine weiteren Aufträge mehr erhält, um Interessenskollision zu vermeiden - mit dem Hinweis, dass die Vorgaben des Awo-Governance-Kodex einzuhalten sind. Sie gehören seit 2010 dem Kreisvorstand an. Haben Sie in der Zeit bis 2016, in der immer wieder Aufträge an das Büro Drenske vergeben wurden, selbst keinen Interessenkonflikt gesehen? Selbstverständlich gab es einen Interessenskonflikt. Genau aus diesem Grund haben wir bereits 2015 einen Code of Conduct beschlossen. Der Code of Conduct wurde vom Awo-Bezirksverband mit Schreiben vom 10. Dezember 2015 und 29. Januar 2016 genehmigt. Dabei ist festgelegt, dass der Interessenskonflikt transparent dargestellt wird, Betroffene nicht an Abstimmungen teilnehmen dürfen und der Beschluss der nächsthöheren Gliederung angezeigt werden muss. Dies ist immer geschehen. Ich habe an keiner der Abstimmungen teilgenommen. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst und alle Protokolle einstimmig genehmigt. Während meiner Amtszeit wurden nur ein Auftrag für die Brenkstraße an das Architekturbüro Drenske vergeben. Seit 2016 erfolgten keine Vergaben mehr an das Architekturbüro. Bundesvorstand Wolfgang Stadler fordert, dass die Awo die Vorgaben des Governance-Kodex künftig vollumfänglich einhält. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass dies bis dato nicht immer der Fall war. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus? Seit 2014 bin ich Kreisvorsitzende, bereits 2011 wurde unter anderem mein Interessenskonflikt in einem Prüfbericht nach § 53 HGRG aufgeführt und im Kreisvorstand thematisiert. Beschlussfassungen, die meinen Interessenskonflikt berühren, wurden im Kreisvorstand - Aufsichtsrat - beraten und gefasst, ohne mein Beisein. Welche Lehren ich ziehe? Dokumentation bis ins kleinste Detail vor allem bei Interessenskonflikten, da es ja auch andere betroffene Kreisvorstandsmitglieder gibt. Mit Inkrafttreten des novellierten Governance-Kodex 2017, der eine Verschriftlichung der Interessenskonflikte fordert, werden schriftliche Erklärungen bei allen Kreisvorständen eingeholt. Transparenz muss gegeben sein. Stimmt es, dass Oskar Schmidt nach seinem Ausscheiden als Kreisvorsitzender im Oktober 2014 kontinuierlich weiterhin Zahlungen erhalten hat, obwohl seine Bauberatertätigkeit vertraglich noch nicht geregelt war? Der Spatenstich Am Rasen war ja erst Mitte 2015. Wenn ein Spatenstich erfolgt, sind sowohl die Finanzierung, die Eingabe und Ausführungsplanung, die Baugenehmigung als auch die Ausschreibungen für die Baugewerke bereits durchgeführt. Die ersten Skizzen für die Baumaßnahme Am Rasen reichen bis in das Jahr 2010 und die ersten Vorplanungen bis Juni 2014 zurück. Der Bundesvorstand fordert den Kreisverband auf, etwaige Rückforderungsansprüche gegenüber Oskar Schmidt zu prüfen. Sehen Sie dazu die Notwendigkeit? Der Bundesverband fordert volle Transparenz. Hierzu muss ich feststellen, dass die Weichen schon 2004 nach dem Tod von Werner Grampp vom den Stellvertretern Wolfgang Hoderlein und Horst Kellermann gestellt wurden. Sie schlugen Herrn Schmidt als neuen Kreisvorsitzenden vor. Der Beschluss dazu erfolgte einstimmig - auch Wolfgang Hoderlein stimmte zu. Am 9. Oktober 2004 wurde die Satzung geändert und Oskar Schmidt zum Kreisvorsitzenden gewählt. Der Bezirksverband hat die neue Satzung am 9. Februar 2005 genehmigt.

Am 31. Dezember 2008 beendete Herr Schmidt seine Tätigkeit als alleiniger Geschäftsführer. Mit Beschluss vom 22. Dezember 2008 wurde der Kreisvorsitzende ab 1. Januar 2009 zum Geschäftsführer für den Geschäftsbereich "Angelegenheiten der Awo und des Awo-Kreisverbandes Kulmbach" bestellt. Dabei wurde auch die Höhe der Aufwandsentschädigung beschlossen. Wolfgang Hoderlein als stellvertretender Kreisvorsitzender hat im Kreisvorstand/Aufsichtsrat hierzu beraten und den Beschluss zur Abstimmung beauftragt. Es gab einen einstimmigen Beschluss. Ich selbst war im Krankenhaus.

2014 stand Oskar Schmidt für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Ich wurde zur neuen Kreisvorsitzenden gewählt. In der Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes am 15. September 2014 sowie in den Sitzungen des geschäftsführenden Vorstandes am 3./10. November sowie am 8. Dezember 2014 wurde das Anstellungsverhältnis von Herrn Schmidt einstimmig beschlossen.

Wolfgang Hoderlein sieht die Gefahr, dass durch die Vergütungen, die Oskar Schmidt erhalten hat, die Awo den Status der Gemeinnützigkeit verlieren könnte. Teilen Sie seine Befürchtung? Dieser Aussage müssen wir widersprechen. Diese Frage stellt sich nicht. Das Ehrenamt wird nicht vergütet, Kreisvorstände erhalten lediglich Aufwandsentschädigungen. Das Sitzungsgeld beläuft sich auf 30 Euro pro Sitzung. Wir geben gerne Einblick in die Zahlungen. Hoderlein erklärt, dass Sie und Oskar Schmidt schon 2012/13 die Weichen für das Projekt in Hornschuchshausen gestellt hätten. Er habe das Projekt strikt abgelehnt, weil es laut Statuen nicht Aufgabe der Awo sei, denkmalgeschützte Gebäude zur Errichtung von Sozialwohnungen zu kaufen und zu sanieren. Nun ist zwar die Gemeinde Bauherr, dennoch stellt sich die Frage: Warum hat die Awo das Projekt in Angriff genommen? Diese Aussage verwundert und befremdet. Wolfgang Hoderlein war an allen Sitzungen - sechs Stück - in den Jahren 2011/12 zu dem Themenkomplex Hornschuchshausen anwesend. In den Protokollen ist keine Ablehnung, geschweige denn ein Diskussionsbeitrag von Herrn Hoderlein zu lesen.

Warum die Awo das Projekt in Angriff genommen hat? Der Markt Mainleus, Bürgermeister Herr Adam, kam auf die Awo zu und fragte um Beratung an. Ein soziales Projekt solle entstehen, z. B. Wohnort für junge Familien mit gegenseitigem Babysitterdienst, betreutes Wohnen für ältere Menschen, behindertengerechten Wohnraum schaffen, Schaffung eines Lehrbetriebes mit psychisch Kranken, z. B. Gastronomie in der Spinnstube und Einbau einer Sozialstation. Der Beschluss für diese Aufgabenstellung wurde am 26. September 2011 gefasst. Der Beschluss war einstimmig. Die Baumaßnahme in Mainleus betreut das Büro Ihres Ehemanns. Wie lässt sich die Kostensteigerung von 7,3 auf die zuletzt genannten 11,3 Millionen erklären? Sind das die Gesamtkosten oder nur die Kosten für den Wohnungsbau? Diese Fragen kann ich nicht beantworten. Hoderlein erklärt, dass beim Bauvorhaben Am Rasen der Auftrag an das Büro Drenske in der letzten Sitzung von Kreisvorsitzendem Oskar Schmidt erfolgt sei. Sie selbst hätten wenig später in Ihrer ersten Sitzung als Kreisvorsitzende vorgeschlagen, Schmidt mit der Bauüberwachung zu beauftragen. Er spricht von Klüngelei. Dieser Aussage können wir nicht folgen: Für das Bauvorhaben ist die Entscheidung durch den Kreisvorsitzenden Oskar Schmidt in 06/2014 herbeigeführt worden. Gemäß Protokolleinsicht erfolgten mehrere Sitzungen im Nachgang. Zur Vervollständigung: Herr Schmidt stand für die Wahl am 18. Oktober 2014 zum Kreisvorsitzenden nicht mehr zur Verfügung. Mit dieser Entscheidung stand der Kreisvorstand vor einer riesigen Herausforderung. Im Kreisverband war kein Fachmann für die Aufgaben eines Bauherrenvertreters vorhanden, sodass sich der Kreisvorstand aufgrund der langjährigen Expertise von Herrn Schmidt entschloss, ein Anstellungsverhältnis mit ihm einzugehen.

In der Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes am 15. September 2014 sowie in der Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes am 03./10.11.2014 und am 08.12.2014 wurde das Anstellungsverhältnis einstimmig beschlossen. Vorstandsmitglied Udo Petzoldt erklärt, dass Sie den Vorstandsmitgliedern den Fragenkatalog, den die Wirtschaftsprüfer dem Kreisverband im Aufsichtsverfahren zugestellt habe, nicht an die Kreisvorstandsmitglieder weitergeleitet haben. Man wisse nicht, welche Unterlagen die Prüfer erhalten haben. Der Prüfbericht sei möglicherweise auf der "falschen Basis" erstellt worden. Was sagen Sie dazu? Waren die Vorstandsmitglieder in das Aufsichtsverfahren tatsächlich nicht involviert? Ein Aufsichtsverfahren ist uns nicht bekannt, es liegt lediglich eine Sonderprüfung vor. Die Prüffelder hat der Bundesverband mit dem Bezirksverband festgelegt. Der Fragenkatalog des Bezirksverbandes wurde am 4. März lückenlos, umfangreich und wahrheitsgemäß beantwortet. Alle notwendigen Unterlagen wurden komplett zur Verfügung gestellt und alle Ordner dem Bezirksverband direkt überbracht. Weitere Fragen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wurden lückenlos, vollumfänglich und wahrheitsgetreu beantwortet. Alle Unterlagen wurden zur Verfügung gestellt, insbesondere standen den Prüfern alle Protokolle der letzten zehn Jahre lückenlos zur Verfügung. Am 30. Juni haben die Vereinsrevisoren zudem umfangreich Akteneinsicht in alle Ordner der Sonderprüfung genommen. Zudem brachte sich Kreisvorstand Udo Petzoldt mit einem Schreiben bereits am 25. Februar beim Awo-Bundesverband ein, vermutlich war die vorausgegangene Berichterstattung in der "Frankenpost" dazu der Anlass. Diese Berichterstattung stützte sich auf umfangreiche, interne Unterlagen, die der Presse durch einen Insider zugespielt wurden. Bereits am 9. März und am 9. Mai hat sich Herr Petzoldt mit Fragen direkt an den Bundesverband gewandt und übersandte Fragenkataloge mit beachtlichem, weitreichendem Prüfungsschema. Eine Aussage, dass fehlende bzw. lückenhafte Unterlagen eine "falsche Basis" für den Prüfbericht ergeben haben könnten, ist deshalb unzutreffend.