Rund 500 Gramm Fisch frisst ein Kormoran pro Tag, Äschen und Bachforellen werden immer mehr dezimiert. Von ihrem Hauptstandort an der Kieswäsch aus jagen die Kormorane in Gewässern im Raum Kulmbach. Inzwischen hat der Kulmbacher Fischereiverein eine ganzjährige Schonzeit für die Äsche eingerichtet, um die sehr geringen Bestände zu schützen. Es steht fest, dass die Kormorane in Schwärmen jagen und ganze Gewässer leerfischen.

Bezirkstagspräsident Henry Schramm: "Auch die Fischotter haben zugenommen, und alles zusammen ist schon eine erhebliche Belastung in freien Gewässern, in Seen und Flüssen."

Ausnahmeverfügung begrüßt

Beim gestrigen Pressetermin machte der Bezirkstagspräsident deutlich, wie wichtig ein vernünftiges Kormoran-Management ist, für das die Fischereiberatung am Bezirk Oberfranken verantwortlich ist: "Es dient zum einen dem Fischartenschutz, und auch die Förderung der Teichwirtschaft ist eine Hauptaufgabe, die bei uns die Fischereiberatung erfüllt. Wir sind deshalb sehr froh, dass es eine artenschutzrechtliche Ausnahmeverfügung von der Landesregierung gibt, die in gewissen Grenzen auch die Bejagung dieses Vogels erlauben. Das, was jetzt rausgekommen ist, ist auch ein Erfolg der Bemühungen unserer Fischereiberatung beim Bezirk Oberfranken." Dafür wurden eigens ausgebildete ehrenamtliche Kormoranberater eingesetzt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Maßnahmen zwischen betroffenen Fischern und Teichwirten abzustimmen und im Spannungsfeld zwischen Fischerei, Naturschutz und Öffentlichkeit zu vermitteln.

Seit der artenschutzrechtlichen Ausnahmeverfügung, die durch den Gesetzgeber in Bayern erlassen wurde, ist der Abschuss von Kormoranen unter strengen Auflagen im Umkreis von 200 Metern in und um Gewässer möglich. Die Bejagung darf nur durch Jäger und Personen mit Jagdschein erfolgen.

Aktuell gibt es in Oberfranken drei Flussgebiete, in denen eine Allgemeinverfügung zur Vergrämung des Kormorans gilt: das Wiesenttal, der Main mit Nebengewässern und Aisch sowie der Aischgrund. Zum Schutz der traditionellen heimischen Teichwirtschaft gibt es zusätzlich eine spezielle Regelung für den oberfränkischen Aischgrund. Neu erlassen wurde zudem eine Allgemeinverfügung für die erwerbsmäßige Teichwirtschaft.

"Eine neue Dimension"

Der Bezirkstagspräsident stellte fest, dass die einheimischen Fischarten immer weiter aus den Bächen und Flüssen Oberfrankens verschwänden: "Die Bedrohung der heimischen Fischwelt durch den Kormoran hat eine neue Dimension angenommen."

Der Küstenvogel zieht alljährlich im Winter durch das Main- und Regnitztal. "Problematisch ist, dass der Kormoran in den vergangenen zehn Jahren vermehrt auch bei uns heimisch geworden ist und nicht mehr bis zur Küste zieht. Zum Leidwesen unserer Fische scheint es ihm am Main zu gefallen", erklärte Schramm an der renaturierten Kulmbacher Flutmulde.

Der Einfluss des Kormorans ist mittlerweile auch bei den Bachforellenbeständen sichtbar: So fehlen die Größenklassen ab 15 Zentimeter, und vorrangig kommen kleine Brutfische oder ganz große Bachforellen vor.

Vorsitzender Frank Podhorn vom Fischereiverein Kulmbach bestätigte, dass die Äsche seit zwei Jahren ganzjährig gesperrt ist: "Sie darf also auch nicht mehr beangelt werden." Gewässerwart Gerd Suske betonte, dass sich der Fischereiverein bemühe, auch wenn es mit dem Kormoran zunehmend schwieriger werde, die Artenvielfalt so groß wie möglich aufrechtzuerhalten.

Thomas Speierl präsentierte aktuelle Zahlen zum Fischbestand in Oberfranken. Besonders in den Wintern 2008/2009, 2011/2012 und 2016/2017 seien massive Verluste bei den einheimischen Fischarten Äsche, Nase, Barbe, Nerfling, Bachforelle und Aal zu verzeichnen gewesen. Zwischen 600 und 800 Kormorane hielten den Fraßdruck an den eisfreien Fließgewässern während der Wintermonate hoch.