Köppel spricht von einer "unsicheren Zeit". Denn die Lebensmittelproduktion hänge nicht nur von den Landwirten ab, sondern auch von den Lieferketten.
Schlachthof arbeitet weiter
Befürchtungen, dass auch der Kulmbacher Schlachthof durch die Einreisesperre unter Personalmangel leidet, kann ein Pressesprecher der Stadt zerstreuen: "Unser Schlachthof hat derzeit keine Personalausfälle zu verzeichnen und schlachtet nach wie vor im üblichen Rhythmus weiter. Die polnischstämmigen Mitarbeiter, die bisher an den Wochenenden im Wechsel in ihre Heimat gefahren sind, bleiben für die nächsten Wochen in Kulmbach."
Die Sommergerste, die jetzt unter anderem auf dem Jura gesät wird, dient häufig als Braugerste. Sie wird in den Mälzereien der Ireks GmbH weiterverarbeitet. Das Unternehmen lässt mitteilen: "Aus heutiger Sicht sind Produktion und Logistik gesichert. In unsicheren Zeiten wie diesen, muss dies aber immer wieder neu bewertet werden."
Molkereien brechen Exporte weg
Aufgrund der derzeitigen Verfügbarkeit von Braugerste und den erwarteten Anbauflächen für die Ernte 2020 seien keine Engpässe zu erwarten. Auch der Brand am Hauptsitz in Kulmbach (siehe Bericht auf Seite 7 dieser Ausgabe) habe hierauf keinen Einfluss.
Italien ist für die bayerischen Molkereien das wichtigste Exportland. Gerhard Meier, Geschäftsführer der Bayernland eG, bestätigt, dass der Absatz von Milchprodukten gegenwärtig deutlich eingebrochen sei. Er schreibt: "Wir gehen zuversichtlich davon aus, dass das nicht auf Dauer sein wird und hoffen darauf, dass sich die Situation in Italien in absehbarer Zeit wieder stabilisiert, verbessert und normalisiert." Meier zufolge ist es zu früh "heute schon über mittel- und langfristige Auswirkungen der Nachfrageflaute in Italien auf die Milchauszahlungspreise in Bayern zu spekulieren".
Ludwig Weiß, Direktor der Milchwerke Oberfranken West eG in Coburg, sagt: "Nach jetzigem Stand müssten wir über die Krise kommen. Wir sind breit gestreut, in Summe ist der Absatz nicht so schlecht." Wie es weitergeht hängt ihm zufolge stark von den Arbeitskräften ab. So lange nicht zu viele auf einmal ausfallen, sei die Produktion gesichert. Das gelte auch für die Milchfahrer, die die Milch bei den Landwirten abholen.
Hoffen auf mehr Wertschätzung
Im Milchviehbetrieb der Familie Wagner in Wonsees macht man sich noch keine Sorgen. "Wir sehen positiv in die Zukunft", so Herbert Wagner. Bestätigt fühle er sich durch die Aussagen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Während der Bundespressekonferenz betonte sie, dass die Landwirtschaft zur kritischen Infrastruktur gehöre. "In Krisenzeiten zeigt sich, dass wir Produkte aus heimischer Landwirtschaft brauchen, nicht nur die Importe", so Wagner.
Man werde eben abwarten und sehen, wie sich die Milchpreise entwickeln. Tochter Sonja Wagner, ehemalige bayerische Milchkönigin, fügt hinzu: "Man kann nur hoffen, dass die Wertschätzung für regionale Produkte steigt."