Während es durch die Ausgangsbeschränkung in bayerischen Städten vielerorts relativ ruhig ist, gibt es auf dem Land eine vielseitige Geräuschkulisse. Neben dem Vogelgezwitscher knattern Traktormotoren, Landmaschinen rumpeln über die Straßen, hier und da heulen Kreissägen.

Für Landwirte geht der Arbeitsalltag weiter. Wie jedes Frühjahr muss Gülle ausgebracht und Getreide gesät werden, im April dann auch der Mais. Thomas Schmeußer, Landwirt aus Schirradorf, sagt: "Eigentlich ist alles so wie immer, nur der Plausch am Feldrand ist nicht mehr so eng." Wenn es etwas zu besprechen gebe, würde man Abstand halten oder sich sogar lautstark von Traktor zu Traktor unterhalten.

Servicetechniker kommt

"Wenn eine Maschine auf dem Feld kaputt geht, fährt der Servicetechniker ganz normal raus", bestätigt Markus Nicklas, Junior-Chef des Unternehmens Nicklas Landtechnik. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Mitarbeiter der Schirradorfer Firma in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen immer eine arbeitet und eine zu Hause bleibt. "Falls sich eine Gruppe infiziert, bleibt das System am Laufen", so Nicklas.

Die Öffnungs- und Servicezeiten seien unverändert, doch der Kontakt mit Kunden wurde so weit wie möglich eingeschränkt. Ersatzteile werden häufiger via Telefon bestellt und ausgeliefert. "Wir fühlen uns gut gerüstet", so Nicklas.

Auch landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Saatgut, Pflanzenschutz und Dünger sind derzeit ausreichend vorhanden. Eine Pressesprecherin der BayWa AG teilt dazu mit: "Wir verfügen in unserem Vertriebsgebiet über ein dichtes Standortnetz mit ausreichender Lagerkapazität sowie über eigene Logistikketten, so dass wir hier entsprechend leistungsfähig sind." Kunden seien angehalten, telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufzunehmen, beziehungsweise online über das BayWa-Portal zu bestellen.

Saisonkräfte fehlen

"Die Arbeit ist da. Sie muss gemacht werden", sagt Harald Köppel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Kulmbach. Felder würden bestellt und das Vieh versorgt, doch habe die Corona-Krise auch für die Landwirtschaft weitreichende Konsequenzen.

"Wegen der Grenzschließungen haben solche Betriebe große Probleme, die Mitarbeiter aus dem Ausland beschäftigen." Das betreffe vor allem Saisonarbeitskräfte, aber auch Personal mit grenzübergreifenden Pendelstrecken. Um Betriebe und Betriebshelfer zusammen zu bringen setzt der Bauernverband nun verstärkt auf das Vermittlungsportal des Maschinenrings www.daslandhillft.de und versucht über Bezirks- und Landkreisgrenzen hinaus zusammenzuarbeiten.

Köppel spricht von einer "unsicheren Zeit". Denn die Lebensmittelproduktion hänge nicht nur von den Landwirten ab, sondern auch von den Lieferketten.

Schlachthof arbeitet weiter

Befürchtungen, dass auch der Kulmbacher Schlachthof durch die Einreisesperre unter Personalmangel leidet, kann ein Pressesprecher der Stadt zerstreuen: "Unser Schlachthof hat derzeit keine Personalausfälle zu verzeichnen und schlachtet nach wie vor im üblichen Rhythmus weiter. Die polnischstämmigen Mitarbeiter, die bisher an den Wochenenden im Wechsel in ihre Heimat gefahren sind, bleiben für die nächsten Wochen in Kulmbach."

Die Sommergerste, die jetzt unter anderem auf dem Jura gesät wird, dient häufig als Braugerste. Sie wird in den Mälzereien der Ireks GmbH weiterverarbeitet. Das Unternehmen lässt mitteilen: "Aus heutiger Sicht sind Produktion und Logistik gesichert. In unsicheren Zeiten wie diesen, muss dies aber immer wieder neu bewertet werden."

Molkereien brechen Exporte weg

Aufgrund der derzeitigen Verfügbarkeit von Braugerste und den erwarteten Anbauflächen für die Ernte 2020 seien keine Engpässe zu erwarten. Auch der Brand am Hauptsitz in Kulmbach (siehe Bericht auf Seite 7 dieser Ausgabe) habe hierauf keinen Einfluss.

Italien ist für die bayerischen Molkereien das wichtigste Exportland. Gerhard Meier, Geschäftsführer der Bayernland eG, bestätigt, dass der Absatz von Milchprodukten gegenwärtig deutlich eingebrochen sei. Er schreibt: "Wir gehen zuversichtlich davon aus, dass das nicht auf Dauer sein wird und hoffen darauf, dass sich die Situation in Italien in absehbarer Zeit wieder stabilisiert, verbessert und normalisiert." Meier zufolge ist es zu früh "heute schon über mittel- und langfristige Auswirkungen der Nachfrageflaute in Italien auf die Milchauszahlungspreise in Bayern zu spekulieren".

Ludwig Weiß, Direktor der Milchwerke Oberfranken West eG in Coburg, sagt: "Nach jetzigem Stand müssten wir über die Krise kommen. Wir sind breit gestreut, in Summe ist der Absatz nicht so schlecht." Wie es weitergeht hängt ihm zufolge stark von den Arbeitskräften ab. So lange nicht zu viele auf einmal ausfallen, sei die Produktion gesichert. Das gelte auch für die Milchfahrer, die die Milch bei den Landwirten abholen.

Hoffen auf mehr Wertschätzung

Im Milchviehbetrieb der Familie Wagner in Wonsees macht man sich noch keine Sorgen. "Wir sehen positiv in die Zukunft", so Herbert Wagner. Bestätigt fühle er sich durch die Aussagen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Während der Bundespressekonferenz betonte sie, dass die Landwirtschaft zur kritischen Infrastruktur gehöre. "In Krisenzeiten zeigt sich, dass wir Produkte aus heimischer Landwirtschaft brauchen, nicht nur die Importe", so Wagner.

Man werde eben abwarten und sehen, wie sich die Milchpreise entwickeln. Tochter Sonja Wagner, ehemalige bayerische Milchkönigin, fügt hinzu: "Man kann nur hoffen, dass die Wertschätzung für regionale Produkte steigt."