Ein Arbeiter in orangefarbenen Straßenwärter-Anzug saugt auf der Hauptstraße in Grafenghaig Laub. Er geht mit dem Gerät um, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Doch der Bauhof-Mitarbeiter ist kein normaler Angestellter, sondern ein Flüchtling, der in der Oberlandgemeinde untergekommen ist: Vitali Agne aus der Ukraine.
Seit Juli ist der 32-Jährige in Grafengehaig. Gelernt habe er den Beruf des Automechanikers, erzählt er in gebrochenem Deutsch. Die Arbeit im Bauhof entspricht sicherlich nicht seiner Qualifikation. Doch Vitali tut gerne etwas. "Es ist schlimm, immer nur zu warten und nichts verdienen zu können. Arbeit ist gut", sagt Vitali und lächelt.

Seine Tätigkeit in Grafengehaig gibt ihm das gute Gefühl, sich einzubringen, etwas zurückzugeben für die Gastfreundschaft, die ihm hier entgegenschlägt.


Manchmal Sprachprobleme

"Die Verständigung ist nicht immer einfach. Ich spreche Dialekt", sagt Bauhofarbeiter Klaus Keil, der Vitali Agne unter seine Fittiche genommen hat. Keil weiß, dass es nicht genug ist, wenn die Flüchtlinge "Ja, ja" sagen. "Es ist wie bei allen: Manche arbeiten lieber, manche nicht so", sagt Keil. Und manche Dinge müssen die Männer aus anderen Kulturkreisen erst lernen: Verlässlichkeit, Pünktlichkeit.

Schon seit Jahren beherbergt die Marktgemeinde Grafengehaig Flüchtlinge, die für verschiedene Arbeiten herangezogen. "Unsere Flüchtlinge können 20 Stunden pro Woche arbeiten. Sie bekommen 1,05 Euro pro Stunde", erklärt Bürgermeister Werner Burger. Die Arbeit muss natürlich vorher genehmigt werden. Flüchtlinge dürfen nicht mehr als 80 Stunden pro Monat leisten.

Wenn die Männer, die mit ihren Familien ihr Heimatland verlassen haben (derzeit sind vier Familien mit 20 Personen in Grafengehaig untergebracht), arbeiten, dann gelinge die Integration viel besser. Sie lernten Pünktlichkeit und Pflichtbewusstsein. "Sie sind dann viel besser in die Dorfgemeinschaft integriert", so Burger.


Uniform verschafft Akzeptanz

Auch die Uniform der Bauhofmitarbeiter verschafft den Flüchtlingen Akzeptanz. "Wenn die Leute sehen, dass sie etwas arbeiten, ist das viel besser als wenn sie nur zu Hause sitzen", ist der Bürgermeister überzeugt.

"Der Vitali kann mit dem Laubbläser hervorragend umgehen. Die Arbeit, die er erledigt, ist für uns wirklich hilfreich", bestätigt auch Klaus Keil, demzufolge der Bauhof ohnehin "nicht so üppig besetzt" ist. "Das ist eine Win-Win-Situation", unterstreicht Burger. Früher habe sich die Gemeinde mit ABM-Maßnahmen geholfen.

Doch nicht nur die Kommunen entdecken die Flüchtlinge als potenzielle Arbeitskräfte für sich, sondern auch die Wirtschaft. Alexander Meile von der gleichnamigen Sanitärfirma in Kulmbach hat bei einem Kinofilm über das Flüchtlingsproblem den 23 Jahre alten Afghanen Saheel Sneelkeil kennengelernt. Dieser ist seit fünf Jahren im Land, spricht hervorragend Deutsch und bringt eine zehnjährige Schulausbildung mit. Derzeit büffelt er für sein B1-Deutsch-Zertifikat. Das ist wichtig, um wirklich eine Ausbildung durchstehen zu können.

Dass Flüchtlinge Deutschkurse besuchen, hält Alexander Meile für unumgänglich. Jetzt hat er eine Möglichkeit gefunden, dass mehrere Flüchtlinge gemeinsam eine sogenannte betriebliche Einstiegsqualifikationsmaßnahme absolvieren können. Dafür zahlt die Agentur für Arbeit 220 Euro zuzüglich der Sozialversicherung in Höhe von 107 Euro. Arbeitgeber bekommen die Möglichkeit, sich sechs bis zwölf Monate lang einen Eindruck von den Azubis zu verschaffen. Meile: "Die Teilnahme an einer EQ-Maßnahme ist für Asylbewerber und Geduldete aber erst nach Ablauf einer dreimonatigen Wartefrist möglich."


Alexander Meile hilft Kollegen

Doch nicht nur bei Sanitärtechnik Meile konnten Asylbewerber ins Berufsleben eingegliedert werden. Alexander Meile hat auch andere Firmen überzeugen können - und übernimmt für diese die Abklärung bürokratischer Details.

Die Firmen ASK, Metallbau Dörnhöfer, die Menüfaktur, die Ingenieurgesellschaft für Geowissenshaften und Umwelttechnik und die Firma Ludewig machen mit. Außerdem ist die Diakonie dabei. "Das Problem ist, dass man erst sehen muss, wie man eine Förderung organisiert. Das habe ich jetzt - auch für die anderen Firmen, in die Hand genommen", sagt Meile.


Unterschiedliche Schulbildung

Ein Problem sei auch die Bewertung der Schulausbildung. So gebe es Asylbewerber, die nur zwei Jahre Schulausbildung absolviert haben, andere aber zwölf Jahre. Doch dies bedeute in der Praxis nicht unbedingt, dass dies mit Abitur oder Mittlerer Reife gleichzusetzen wäre.

Saheel Sneelkeil hat derzeit nur einen Wunsch: eine Ausbildung: "Dann möchte ich eine Aufenthaltsgenehmigung, damit ich wieder ein bisschen Freiheit habe", sagt er offen. "Ich verstehe mich mit allen Arbeitskollegen gut. Ich habe nie Gegner oder Probleme. Und ich möchte auch gut werden und fleißig sein", versichert er.
Für Saheel ist dieser erste Schritt ins Arbeitsleben eine neue, äußerst wichtige Lebensetappe. Den nächsten Schritt hat er auch schon im Visier: eine eigene Wohnung. Alexander Meile ist ihm behilflich, doch die Genehmigung steht noch aus.


Die ganze Familie bekam Probleme

Sneelkeil hat sein Heimatland verlassen, weil seine ganze Familie Probleme bekommen hat. Saheel stammt aus einer Juweliersfamilie, die auch Geld verliehen hatte. Doch die Familie wurde mehrfach bedroht. "In Afghanistan ist seit vielen Jahren immer Krieg. Da werden Leute für 10.000 Euro einfach umgebracht. Das ist normal", sagt der junge Mann, der in Deutschland ein neues Leben beginnen will.

Seine Familie hat er übrigens während der Flucht in Griechenland verloren. Inzwischen weiß er, dass seine Angehörigen wieder in Afghanistan sind.