Es sind der Krieg in der Ukraine und die weltweit hohe Nachfrage, die die Preise an den Energiehandelsmärkten auch beim Gas in Rekordhöhen schießen lassen. Viele Versorger sehen sich gezwungen, ihre Mehrkosten an ihre Kunden weiterzugeben. So die Stadtwerke Bayreuth, die zum 1. Mai ihre Preise deutlich erhöhen: Die Kilowattstunde Gas kostet dann brutto 12,40 statt bisher 6,57 Cent. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden muss so mit monatlichen Mehrkosten in Höhe von 73 Euro rechnen. Ob auch die Kulmbacher Stadtwerke angesichts dieser Entwicklung die Preise erhöhen werden? Die Entscheidung fällt am 31. März, wie Leiter Stephan Pröschold im Interview mitteilt.

Die Energiepreise eilen von Rekordhöhe zu Rekordhöhe. Wie trifft das die Kulmbacher Stadtwerke?

Wie alle anderen Anbieter sind natürlich auch wir von den explodierenden Preisen auf dem Energiemarkt betroffen. Wir kaufen unseren Strom und unser Gas zwar schon in Teilmengen über zwei, drei Jahre im Voraus ein, um unseren Kunden attraktive Konditionen bieten zu können, doch einen Teil auch zu aktuellen Marktpreisen. Und die schießen seit Monaten in die Höhe.

Können Sie Zahlen nenen, die den Preissprung verdeutlichen?

Der Börsenhandelspreis für eine Kilowattstunde Strom hat in den vergangenen Jahren deutlich unter 10 Cent gelegen, im Dezember war er zwischenzeitlich auf 37 Cent gestiegen. Heute liegt er bei 25 Cent. Beim Gas ist Ähnliches zu beobachten. In den vorangegangenen Jahren lag der Preis für Erdgas zeitweise unter 20 Euro je Megawattstunde fürs Folgejahr. 2021 sind die Preise im Dezember auf bis zu 140 Euro gestiegen. Aktuell liegen wir bei rund 100 Euro pro Megawattstunde und damit um ein Vielfaches höher als in den Vorjahren.

Die Preissprünge haben dafür gesorgt, dass die Stadtwerke seit dem 6. Dezember keine Neukunden mehr annehmen. Wann wird das wieder der Fall sein?

Beim Strom - hier versorgen wir fast 9000 der 17.000 Haushalte im Stadtgebiet - nehmen wir derzeit gar keine Neukunden auf. Weil wird die zusätzliche Menge an Strom, die wir bräuchten, um auch diese Kunden zu versorgen, zu den genannten deutlich höheren Konditionen nachkaufen müssten. Da wäre jeder Neukunde für uns ein Verlustgeschäft. Das trifft auch beim Gas zu. Dort sind wir allerdings auch Grundversorger. Das heißt, dass wir Kunden versorgen müssen, die keinen Lieferanten haben, weil der etwa in Insolvenz gegangen ist.

Wann wir generell wieder Neukunden aufnehmen, kann man derzeit weder beim Gas noch beim Strom sagen. Dafür sind die Rahmenbedingungen zu unsicher. Wird in der Ukraine noch länger Krieg geführt oder kommt es zeitnah zu einer Einigung? Das ist eine Frage, die die Entwicklung auf dem Energiemarkt maßgeblich mitbestimmen wird. Im Moment weiß niemand, wohin sich die Beschaffungspreise entwickeln werden.

Die Stadtwerke Bayreuth haben ihren Gas-Kunden eine deutliche Preissteigerung angekündigt. Der Preis für die Kilowattstunde steigt um 5,83 auf 12,40 Cent. Müssen auch die Kunden der Kulmbacher Stadtwerke bald tiefer in die Tasche greifen? Auch wir sind wie gesagt von den exorbitant steigenden Strom- und Gaspreisen betroffen, die es im übrigen schon vor Beginn des Krieges in der Ukraine gegeben hat. Wir haben unsere Preise in der Folge zum Jahreswechsel auch moderat angehoben. Das Gas kostet bei uns aktuell in unserem Sondervertrag Gasfix 6,70 Cent brutto pro Kilowattstunde. Zur Frage, ob eine weitere Erhöhung ansteht: Wir müssen unsere Preiskalkulation natürlich ständig überprüfen und können Erhöhungen augenblicklich nicht ausschließen. Eine Steigerung in Größenordnung der Stadtwerke Bayreuth steht bei uns derzeit jedoch nicht im Raum.

Wer entscheidet über die Preiserhöhung?

Wir werden dem Werkausschuss unsere Kalkulation in der Sitzung am 31. März vorstellen, der dann darüber entscheiden wird, ob die Preise erhöht werden.

Sollte es eine Erhöhung geben, wann würde die auf die Kunden zukommen?

Weil es eine sechswöchige Ankündigungsfrist gibt, in der der Kunde seinen Vertrag kündigen könnte, wäre das frühestens zum 1. Juni der Fall.