Das dunkle Auto mit dem E-Kennzeichen fuhr vor - und war sofort umringt von den Würdenträgern aus Stadt und Landkreis. Auch wenn der Verkehr auf der Ortsumfahrung schon seit Dezember fließt, war die offizielle Verkehrsfreigabe durch Andreas Scheuer, den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktu, doch ein besonderer Tag für Untersteinach.

Alfred Vießmann, ehemaliger Untersteinacher Gemeinderat und Kämpfer für die Umgehung, übergab dem Minister einen Brief. "Ein Dankesschreiben - schaut mal. So herzlich wird man selten empfangen", freute sich Scheuer. Endlich seien die Anwohner befreit von Lärm, Schmutz, Feinstaub und Abgasen, so Vießmann. "Die Ortsumfahrung bringt uns nach jahrzehntelangen Bemühungen, eine vollkommen neue Lebensqualität."

Andi Scheuer gratuliert zum 78-Millionen-Euro-Projekt: Endlich Ortsumfahrung in Untersteinach

"Die Zeiten, in denen die Lastkraftwagen quasi durch die Wohnzimmer der Anwohner fahren mussten, ist jetzt endlich vorbei", betonte der Verkehrsminister. Eigentlich sollte zur Eröffnung ein großes Bürgerfest stattfinden., Corona habe dies unmöglich gemacht.

Für die Bauprojekte an den Bundesstraßen 289 und 173 hat der Bund Scheuer zufolge 222 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Allein die Umfahrung Untersteinach, 4,2 Kilometer lang, habe 78 Millionen verschlungen. Die Hälfte dieser Summe sei in die Brücke geflossen. "Wir investieren konsequent in den Ausbau und den Erhalt der Infrastruktur in Oberfranken", betonte der CSU-Politiker. Besonderen Gefallen fand er an dem Brückenbauwerk. Die Brücke bestehe aus sechs Pylonen und zehn Schrägkabeln. Sie wirke futuristisch und schlank.

Dass die Ortsumfahrung Untersteinach so schnell in Angriff genommen werden konnte, sei der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU) zu verdanken. Sie habe hartnäckig dafür gekämpft.

Ministerialrat Peter Weywadel vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD), Kurt Schnabel vom Staatlichen Bauamt Bayreuth und Landrat Klaus Peter Söllner (FW) ließen den aufwendigen Bau Revue passieren. Die neue Umfahrung bringe eine wesentliche Entlastung. Denn mehr als 15 000 Fahrzeuge rauschten täglich an Untersteinach vorbei. Fünf Jahre habe man für die Realisierung benötigt.

Bundeverkehrsminister Scheuer trägt sich ins Goldene Buch ein

Und weil die Freude über die Ortsumfahrung so groß war, trug sich der Bundesverkehrsminister ins Goldene Buch der Gemeinde Untersteinach ein. Etliche Kommunalpolitiker ließen sich ein Autogramme geben. Empfangen wurde der Bundesverkehrsminister allerdings auch von Demonstranten aus Kauernburg. Rund zwanzig Bürger hatten sich mit Plakaten an die Straße gestellt. "Wir wollen daran erinnern, dass man Kauerndorf nicht vergessen soll. Wir brauchen unseren Tunnel", sagte Manfred Hahn.

Auch junge Leute hielten Schilder in die Höhe. Emma Dippold und Paula Bittermann wollten die Anliegen der Eltern in die Zukunft tragen. Andreas Scheuer suchte das Gespräch. Bereits im Juli 2021, so sagte er, sei der Tunnelentwurf mit dem Vermerk "Gesehen" bedacht worden. Dieser sei nötig, um eine Kostenfortschreibung vornehmen zu können. Kurzum: Das Bundesverkehrsministerium und die Planer haben bezüglich des Tunnels ihre Hausaufgaben gemacht.

Die Planungen für den Tunnel sind laut Scheuer schon weit fortgeschritten. Er soll 730 Meter lang werden - bei einer Fahrbahnbreite von 7,5 Metern. Zwei Rettungsstollen sollen eingearbeitet werden. Einen festen Zeitpunkt, wann die Realisierung erfolgen soll, konnte Scheuer allerdings nicht nennen, denn für den Tunnelbau müsse das Finanzministerium erst die Mittel freigeben. Doch die Planungen sehen vor, dass mit einer Realisierung ab 2023 gerechnet wird und dass eine Verkehrsfreigabe für Ende 2026 angedacht sei.

Zu den Ehrengästen der Feier zählten auch Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU), die Landtagsabgeordneten Inge Aures (SPD) und Rainer Ludwig (FW, Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU), Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und zahlreiche Lokalpolitiker.