Kulmbach
Corona

Altenheim wieder coronafrei: Beschwerden Angehöriger rufen Justiz auf den Plan

Das Heiner-Stenglein-Heim der AWO ist coronafrei. Nun muss aufgearbeitet werden. Auch von Heimaufsicht und Staatsanwaltschaft.
 
Das Heiner-Steinglein-Senioren- und Pflegeheim ist coronafrei. Nun muss das Ausbruchsgeschehen vom Dezember aufgearbeitet werden. Foto: Katrin Geyer
Das Heiner-Steinglein-Senioren- und Pflegeheim ist coronafrei. Nun muss das Ausbruchsgeschehen vom Dezember aufgearbeitet werden. Foto: Katrin Geyer

Es gibt sie, trotz allem: die guten Nachrichten. Wochenlang waren drei Altenheime in der Region Kulmbach in den Schlagzeilen, weil es dort große Corona-Ausbrüche und zahlreiche Tote gegeben hat. Nun macht sich im Heiner-Stenglein-Senioren- und Pflegeheim Am Rasen in Kulmbach verhaltener Optimismus breit: Das Haus ist wieder coronafrei. Das hat Margit Vogel, die Geschäftsführerin der AWO, auf Anfrage bestätigt.

Nach aktuellem Stand sind alle Mitarbeitenden und alle Bewohner negativ getestet worden. Mitarbeiter und Bewohner wurden zudem am Freitag letzter Woche geimpft.

Kulmbacher Seniorenheim nach Corona-Ausbruch: Hoffnung auf Rückkehr zu Normalbetrieb

"Wir hoffen sehr, dass das Haus langsam wieder in den Normalbetrieb zurückkehren kann", sagt Bianca Kauper aus der AWO-Geschäftsstelle. Es seien noch bei allen Bewohnern sogenannte Doublex-Abstriche (einmal im Rachen, einmal in der Nase) nötig. Sofern das Ergebnis negativ sei, ende die Isolation für die jeweiligen Bewohner.

Man gehe davon aus, dass die Bewohner im Laufe der Woche auch wieder ihre gewohnten Zimmer beziehen können - sofern sie das wollen.

Derzeit würden die Mitarbeitenden über die vorgeschriebenen drei Mal in der Woche hinausgehend täglich bei Dienstbeginn getestet; die Bewohner einmal in der Woche. Bei einem akuten Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus würden Schnelltests eingesetzt, so Bianca Kauper weiter.

"Teilweise drei Wochen durchgearbeitet": große Anstrengung für Pflegepersonal

Wie die AWO-Sprecherin betont, gelte es jetzt, die Erfahrungen der letzten Wochen aufzuarbeiten. "Der Blick in den Rückspiegel ist richtig und wichtig, um festzustellen: Was hat gut funktioniert? Wo gibt es Verbesserungspotential?"

Die letzten Wochen hätten gezeigt, dass auf die Mitarbeiter Verlass ist. "Teilweise haben Mitarbeitende über drei Wochen hinweg durchgearbeitet und Doppelschichten geschultert, um die Bewohner und auch ihre Kollegen nicht im Stich zu lassen. Dieses Durchhaltevermögen verdient vor allem eines: Anerkennung und Dank."

Der Weg zurück zum Normalbetrieb werde einige Zeit in Anspruch nehmen, heißt es. Viele Mitarbeiter seien am Ende ihrer Kräfte, und die, die jetzt aus der Quarantäne zurückkehren, müssten sich noch in einer veränderten Situation zurechtfinden, denn die Abläufe sind immer noch andere als vor dem Corona-Ausbruch.

Beschwerde von Angehörigen

Von den Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft habe man aus den Medien erfahren, sagt Bianca Kauper. Man selbst habe allerdings nach einer Beschwerde einer Angehörigen die Heimaufsicht um eine Prüfung gebeten. "Es war uns wichtig, ein objektives Prüfergebnis in diesem speziellen Fall zu erhalten."

Aber auch wenn im Senioren- und Pflegeheim Am Rasen bald alles wieder seinen gewohnten Gang gehen soll: Abgeschlossen ist das Kapitel "Corona" damit noch lange nicht. Klagen von Angehörigen hatten vor wenigen Wochen nicht nur die Heimaufsicht beim Landratsamt Kulmbach auf den Plan gerufen, sondern mittlerweile auch die Justiz . Angehörige von Bewohnern waren Mitte Januar mit etlichen Beschwerden an die Öffentlichkeit gegangen. So habe man einer Bewohnerin wochenlang die Haare nicht gewaschen. Bei der Verlegung von Bewohnern in andere Zimmer nach dem Corona-Ausbruch seien deren Telefone nicht mit umgezogen worden, so dass viele keinen Kontakt zu ihren Angehörigen halten konnten.

Auch an den Testverfahren hat es Kritik gegeben. Der Vorwurf: Die Mitarbeiter würden nicht oft und nicht konsequent genug getestet.

Heimaufsicht reagierte sofort auf Beschwerden

Die Heimaufsicht habe, als sie von der Beschwerde Kenntnis erhielt, sofort mit dem Heim Am Rasen Kontakt aufgenommen, sagt dazu der Kopf des Corona-Krisenstabes im Landkreis Kulmbach, Oliver Hempfling. Die betroffene Bewohnerin sei zwischenzeitlich versorgt worden. Allerdings stellt Hempfling auch klar, dass Bewohner, die beim Duschen Unterstützung von Pflegekräften benötigen, aus Gründen des Infektionsschutzes seit Ausbruch des Infektionsgeschehens nicht geduscht würden.

"Die Bewohner werden stattdessen grundsätzlich gründlich gewaschen, zusätzlich erfolgen Fußbäder, die Haare werden am Waschbecken gewaschen." Die Heimaufsicht sei im Übrigen bereits seit Beginn des Ausbruchsgeschehens in ständigem Kontakt mit den Verantwortlichen des Heims Am Rasen, so Hempfling weiter.

Bei nahezu täglichen Beratungsbesuchen habe man die notwendigen Maßnahmen wie die Bildung von Pandemiezonen, die Verlegung von Bewohnern, die Organisation externer Kräfte zur Unterstützung und Aufrechterhaltung des Pflegebetriebes in der Einrichtung oder die Durchführung von sieben Reihentestungen bei allen Bewohnern und Mitarbeitern der Einrichtung besprochen. Die Heimaufsicht habe schließlich auch zusammen mit der Einrichtungsleitung und der Pflegedienstleitung die Impfung der noch negativen Bewohner koordiniert.

Staatsanwaltschaft Bayreuth ermittelt gegen AWO Kulmbach

Die Beschwerde einer Angehörigen (laut AWO eine einzige) ist mittlerweile auch Gegenstand eines sogenannten Vorermittlungsverfahren, das die Staatsanwaltschaft Bayreuth gegen die Arbeiterwohlfahrt Kulmbach eingeleitet hat.

Man sei aufgrund der Presseberichterstattung auf die Vorgänge in den Seniorenheimen der AWO aufmerksam geworden, erklärte Leitender Oberstaatsanwalt Martin Dippold auf Anfrage der Bayerischen Rundschau.

Derzeit fänden Befragungen statt, um abzuklären, ob der Verdacht auf eine Straftat bestehe. Das könne zwei bis drei Wochen dauern, und erst dann könne man sagen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Tests und Fälle: So sieht es woanders aus

Die Teststrategie war oft ein zentraler Punkt bei der Diskussion um den Umgang mit Corona-Infektionen in Seniorenheimen. So fragten sich nicht nur besorgte Angehörige, warum in den Einrichtungen zum Beispiel das Personal nicht täglich bei Dienstantritt getestet wird.

Die Häufigkeit der Testungen ist in der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geregelt. Dort hieß es bis 20. Januar, dass sich die Mitarbeiter von Seniorenheimen und Pflegediensten "mindestens an zwei verschiedenen Tagen pro Woche" einer Testung unterziehen müssen.

Dieser Turnus wurde mit Wirkung ab 21. Januar nun auf drei Tests pro Woche erhöht. Die Arbeiterwohlfahrt geht - im Nachgang zu den Ausbruchsgeschehen in den Heimen Am Rasen und in der Johann-Brenk-Straße - noch darüber hinaus und testet alle Mitarbeiter derzeit täglich.

Andere Kulmbacher Pflegeheime bisher von Corona-Ausbrüchen verschont

Die beiden anderen Kulmbacher Träger, Diakonie und Bayerisches Rotes Kreuz, folgen bei den Tests in ihren Einrichtungen den Vorgabe der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Im Gegensatz zur Arbeiterwohlfahrt wurden sie von Ausbruchsgeschehen in ihren Heimen bislang verschont.

Das Diakonische Werk Kulmbach betreibt drei Seniorenheime: das Evangelische Wohnstift in der Tilsiter Straße, den Mainpark und das Mainleuser Stift. In allen drei Einrichtungen müssen die Mitarbeitenden gemäß der Verordnung drei Mal pro Woche einen Schnelltest machen; das sind für jedes Haus zwischen 25 und 30 Abstriche pro Testreihe, erläutert die stellvertretende Geschäftsführerin, Heike Lauterbach. Bewohner werden auf Wunsch getestet oder wenn mögliche Symptome auftreten. Seit Beginn der Pandemie habe man bei den betreuten Senioren in den Diakonie-Einrichtungen keine einzige Corona-Infektion gehabt, so Lauterbach. Auch unter den Mitarbeitern habe es lediglich einen Positiv-Fall gegeben. Die Person hatte zum Zeitpunkt des Ergebnisses aber dienstfrei, und mit einer sofort durchgeführten Reihentestung habe man weitere Fälle ausschließen können.

Der BRK-Kreisverband Kulmbach unterhält ebenfalls drei Seniorenheime: das Bürgerhospital in Kulmbach, das Haus Rotmaintal in Neudrossenfeld und das Dr.-Julius-Flierl-Seniorenheim in Marktleugast. Und auch BRK-Geschäftsführer Jürgen Dippold ist "heilfroh", dass es unter den Bewohnern bislang kein einziges positives Testergebnis gegeben hat. In den Reihen der Mitarbeiter habe es "sehr wenige" Infektionen mit dem Sars-Cov-2-Virus gegeben. Man habe die betreffenden Personen frühzeitig aus dem Dienstbetrieb nehmen und mittels der Kontaktnachverfolgung weitere Ansteckungen verhindern können.

Zweigleisige Teststrategie

Seit Beginn der verpflichtenden Tests müssen sich alle Mitarbeiter und Dienstleister in den BRK-Einrichtungen den vorgeschriebenen Schnelltests unterziehen (Bewohner auf Wunsch oder bei Symptomen).

Für die Durchführung der Schnelltests fährt das BRK eine zweigleisige Strategie: am Rot-Kreuz-Platz wurde eine zentrale Abstrichstelle mit insgesamt vier Abstrichstraßen eingerichtet, die nicht nur von BRK-Mitarbeitern, sondern auch von zwei anderen Trägern genutzt wird ("Wir haben es allen angeboten"). 500 bis 600 Schnelltests werden dort pro Woche durchgeführt. Daneben ist ein mobiles Test-Team im Einsatz, das jeden Tag in einer bis zwei Einrichtungen im Landkreis 100 bis 130 Abstriche vornimmt.cf