Mit ausgestrecktem Arm halte ich das Blatt Papier ans Fenster, die Augen zusammen gekniffen: Ist das eine 3 oder eine 8 in der Bankverbindung oder vielleicht doch eine 5?

Von jeder zweiten Rechnung, die uns ins Haus flattert, bin ich genervt: Das liegt selten an der zu zahlenden Summe, sondern in der Regel daran, dass ich meistens ein plötzliches starke Bedürfnis nach einer Lesebrille verspüre, wenn ich nach den Überweisungsdaten suche. Eine Lupe wäre noch besser.

"Du wirst halt alt", grinst mein Mann. Frech - wenn auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich werde auch nicht jünger.

Genau genommen sind aber nicht meine Augen das Problem. Die können nämlich alles auf der Rechnung unbebrillt prima lesen - nur die Kontodaten nicht.

Beim ersten Mal dachte ich noch: ein Einzelfall. Da hat jemand bei der Gestaltung seiner Rechnung nicht mitgedacht und so unauffällig wie möglich die wichtigsten Angaben am Seitenfuß platziert.

Dann habe ich allerdings festgestellt: Der Schwachsinn hat Methode. Es scheint einen deutschlandweiten Wettbewerb zu geben, wer es schafft, die winzigsten Ziffern auf seine Formulare zu drucken!

Was soll das? Leute, hier geht es nicht um Design, sondern um Funktion! Ihr wollt Geld von den Menschen und macht es ihnen vorsätzlich schwer, es zu bezahlen! Und durch die 22-stellige IBAN-Nummer ist das definitiv nicht einfacher geworden. Das Zahlenungetüm als lückenlose Kolonne zu präsentieren, ist fester Bestandteil des Konzepts "Ärgere deine Kunden".

In einer Zeit, in der Barrierefreiheit und Inklusion - zu Recht - überall gefordert werden, ist das ein Unding. Muss das so bleiben? Vielleicht hilft es, die Absender mit der Nase auf das Problem zu stoßen und ihnen ihre Rechnungen einmal vor die nämliche zu halten. Erste praktische Versuche sind durchaus Erfolg versprechend.