Landrat Klaus Peter Söllner ist verhalten optimistisch. Die Corona-Situation im Landkreis Kulmbach hat sich etwas entspannt. Auch wenn es am Mittwoch mit 15 neuen Infektionen einen "leichten Rückschlag" gab, sinkt die Zahl der positiven Fälle doch kontinuierlich, die 7-Tage-Inzidenz lag gestern bei 78,25. Erfreulich vor allem, dass sich die Lage in den Seniorenheimen beruhigt hat ("Da sind wir besonders aufmerksam"). Dennoch mahnt der Landrat zur Vorsicht: "Auch wenn die Zahlen freundlicher ausschauen, sind immer noch Achtsamkeit und Sorgfalt geboten." Welche Maßnahmen der Landkreis deshalb ergreift, wie es mit dem Impfen vorangeht und was es Neues zu den Mutationen gibt, wurde am Mittwochabend bei einem Pressegespräch erläutert.

Der Landkreis erweitert sein Testangebot um drei weitere, dezentrale Schnelltestzentren: Diese Schnelltestzentren sind vor allem für Besucher und Besucherinnen von Senioreneinrichtungen gedacht. Aber auch alle anderen Landkreisbürger ab 16 Jahren (mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten), die einen Schnelltest benötigen (zum Beispiel für einen Verwandtenbesuch oder für einen Friseurtermin, wenn die Friseure wieder offen haben) können das kostenlose Angebot nutzen. Die neuen Schnelltestzentren mit je zwei Teststraßen befinden sich in Kulmbach beim BRK-Kreisverband, Rot-Kreuz-Platz 1, in der Stadthalle Kupferberg, Schulweg 1, und im Schützenhaus Thurnau, Kasendorfer Straße 9. Sie haben folgende Öffnungszeiten - BRK-Kulmbach: Montag bis Freitag jeweils 6 bis 9 Uhr und 16 bis 19 Uhr sowie Samstag 13 bis 16 Uhr; Testzentrum Kupferberg: Montag, Mittwoch und Freitag jeweils 11 bis 14 Uhr; Testzentrum Thurnau: Dienstag und Donnerstag jeweils 11 bis 14 Uhr und Samstag 8 bis 11 Uhr.

Die Möglichkeit zum Jedermanns-PCR-Test mit Termin in der Abstrichstelle in der Flessastraße bleibt weiterhin bestehen. Dort und durch die mobilen Test-Teams des Landkreises wurden seit 1. September 21 000 PCR-Tests durchgeführt, davon allein 4800 in den Seniorenheimen im Landkreis seit Mitte Dezember. "Wir sind Befürworter der Strategie ,Testen, testen, testen!'. Nur so können Infektionen aufgespürt werden, vor allem wenn keine Symptome vorhanden sind", sagte Oliver Hempfling vom Corona-Krisenstab des Landkreises.

In den neuen Schnelltestzentren sind übrigens acht Soldaten im Einsatz, die die Bundeswehr bis 2. März in den Landkreis abkommandiert hat. "Yves Wächter hat dafür entsprechende Telefonate geführt und Anträge gestellt", so Landrat Söllner. Die Soldaten haben die Zentren mit Hilfe des THW, BRK und der Bauhöfe Kupferberg und Thurnau in den vergangenen Tagen aufgebaut. Im Anschluss an den Dienst der Bundeswehrsoldaten sollen engagierte Freiwillige die Schnelltestungen fortführen. Interessierte können sich bei der Agentur für Arbeit unter der Hotline 0800/4555532 melden.

Die Impfungen im Impfzentrum laufen, die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist hoch: Im Impfzentrum des Landkreises wurden laut Julia Hasenfuß bislang 3264 Erst-Impfungen und 1803 Zweit-Impfungen vorgenommen (Stand Mittwochmorgen); davon 2076 im stationären Impfzentrum im Fritz, 716 durch mobile Teams und 472 im Klinikum Kulmbach. Die Impfquote liegt damit bei 4,56 Prozent (Erst-Impfungen). "Das Impfzentrum läuft aus meiner Sicht sehr gut, natürlich könnten wir noch wesentlich mehr bewältigen. Aber das, was wir kriegen, wird sofort verimpft", so Landrat Klaus Peter Söllner. Freilich gebe es hin und wieder Beschwerden, aber diese seien "spärlich".

Gesundheitsamts-Leiterin Camelia Fiedler und Oliver Hempfling betonten, dass auch das Serum von AstraZeneca, von dem der Landkreis 300 Dosen erhalten hat, ein geeigneter Impfstoff sei. "Er ist von Fachleuten als sehr gut eingestuft und verhindert schwere Verläufe genauso gut wie die anderen Impfstoffe", erklärte Fiedler. Bisher haben sich Hempfling zufolge 10 351 Bürger im Landkreis über das Online-Portal für eine Impfung registriert, "das zeigt die enorme Impfbereitschaft der Menschen".

Ab sofort werden alle positiven Corona-Proben aus dem Landkreis im Labor auf Mutationen untersucht: Bei einer weiteren Person - damit sind es insgesamt drei - wurde eine Mutation des Corona-Virus nachgewiesen, und zwar die britische Variante. Allerdings befindet sich die positiv getestete Frau nicht im Landkreis, und auch der Test wurde hier nicht vorgenommen; sie hat lediglich ihren Wohnsitz in Kulmbach gemeldet. Im Labor werden ab sofort alle positiven Proben auf Mutationen untersucht. "Damit bekommen wir einen sehr guten Überblick, ob und in welchem Ausmaß Mutationen im Landkreis unterwegs sind, und können dann auch schnell reagieren", erklärte Oliver Hempfling.