Seit Aschermittwoch blättere ich in Zeitungen weiter und schalte im TV um, sobald das Thema "virulent" wird. Ein hartes Stück, schließlich saugt man als Journalist sonst so ziemlich alles dazu auf. Und nun das Gegenteil praktizieren?

Halleluja: Es funktioniert bisher. Das Ziel ist: sieben Wochen ohne Sieben-Tage-Inzidenz. Sieben Wochen. Auch ein Marathon. Das wird wohl der schwerste Verzicht, den ich mir je auferlegt habe (noch schwerer als das Plastik-Fasten vor einigen Jahren).

Aber: Die ersten Erfolge haben sich bereits eingestellt. Schon gestern, am dritten Tag, konnte ich mich spontan nicht mehr an den Vornamen von Dr. Drosten erinnern. Gelöscht! Herrlich. - Moment, wer hat hier "Christian" vorgesagt? Mensch Leute, jetzt kann ich wieder von vorne ...

Ich zappe mittlerweile so schnell weg, dass ich Markus Söder im bayerischen Rundfunk nicht mal mehr das komplette Wort "Lockdown-Öffnungsmatrix" sagen höre. Einfach raus. Zum nächsten Sender rübergehüpft. Dort wollte mir ein Landrat aus dem Westfälischen berichten von seiner "Altenheim-Test-Strate..." - bei der letzten Silbe war ich schon wieder weg. Ich habe wahrlich sportlichen Ehrgeiz entwickelt. Talkshows wie Annewillundkannnicht machen es mir leicht; die umschiffe ich, haben ja eh nur noch ein Thema. Aufgrund meiner Ausweichstrategie bin ich bei so lustigen Sendern wie Anixe gelandet und den Vorher-Nachher-Haus­umbau-Dokus. Ich habe Bad­renovierungen erlebt, da kachelst du ab. Aber: Haupt­sache virenfrei!

Ob ich das durchhalte oder doch rückfällig werde? Entzugserscheinungen haben sich bislang nicht eingestellt. Die Psyche will in diesen Zeiten nicht weniger geschützt sein

als der Körper. Schlechte Nachrichten sind mental ansteckend. Wer wüsste das besser als wir Zeitungsleute?