Während ihre Altersgenossen am Samstagvormittag gemütlich ausschlafen oder bummeln gehen, haben sich zehn Freiwillige der Kulmbacher Feuerwehren für die CSA-Ausbildung in der Atemschutzstrecke des Landkreises Kulmbach angemeldet: neun junge Männer und Carolin Heller - alle ausnehmend fit.

Carolin Heller ist 22 Jahre alt und eine überzeugte Feuerwehrfrau. Als sie den flüssigkeits- und gasdichten CSA-Anzug überzieht, merkt sie schnell, dass dies gar nicht so einfach ist. Denn der Anzug samt Ausrüstung wiegt 35 Kilo. Die Feuerwehrdienstleistenden können nur über eine Luftflasche, die sie auf dem Rücken tragen, atmen. "Man kann maximal zwanzig Minuten in dem Anzug bleiben - mehr geht einfach nicht, das ist sonst zu anstrengend", klärt Ausbilder Jörg Geyer die Absolventen auf. Schnell merken die Feuerwehrleute, was die erfahrenen Feuerwehrausbilder meinen. "Man kann ganz schlecht mit diesem Anzug laufen", sagt Carolin Heller. "Das ist richtig anstrengend", sagt sie und öffnet zwischen den Übungen schnell mal den Anzug.


Platzangst darf man nicht haben

"Man ist schon sehr eingeschränkt. Platzangst darf man nicht haben. Und es ist wirklich schwer, sich damit zu bewegen - das ist richtig anstrengend", sagt auch Timo Schneider (25) von der Freiwilligen Feuerwehr Mainleus. "Das schwierigste ist eigentlich dieser üble Geruch, der in den Anzügen herrscht und die Temperaturen. Es ist draußen warm, und man schwitzt in diesen Anzügen. Sie sind ja flüssigkeits- und gasdicht", sagt Tobias Kraus (32) von der Freiwilligen Feuerwehr Rothwind. Doch keiner gibt klein bei. Jeder der Absolventen will die Ausbildung machen und durchstehen.

Weil die CSA-Anzüge rund 4000 Euro kosten, werden zu Übungszwecken ausrangierte Anzüge der umliegenden Feuerwehren verwendet. Während sich die Nachwuchskräfte noch in den Chemikalienschutzanzügen akklimatisieren und daran gewöhnen, dass sie sich auch untereinander nicht verständigen können, inszenieren die Ausbilder Jörg Geyer und Oliver Baaske einen Chemieunfall. "Wir hatten im letzten Jahr keinen solchen Unfall, aber was bei uns über die Straßen rollt, ist enorm. Jederzeit kann etwas passieren", sagt Geyer.


Erst die Papiere suchen

Das Szenario: Ein Lkw, der offensichtlich Gefahrgut geladen hat, hatte einen Unfall. Der Fahrer ist nicht auffindbar. Es läuft eine unbekannte Flüssigkeit aus, der gesamte Laderaum des Lkw ist vernebelt. "Als erstes muss man feststellen, um welches Gefahrgut es sich handelt", erklärt Ausbilder Geyer. Der Einsatztrupp durchsucht das Fahrzeug nach Papieren und Unterlagen und wird schnell fündig. Erst wenn geklärt ist, dass es sich nicht um explosionsgefährliche Stoffe handelt, können die Feuerwehrleute einschreiten. "Denn vor Explosionen schützen die Anzüge natürlich auch nicht", sagt Jörg Geyer. Die Absolventen versuchen die austretende Flüssigkeit einzudämmen und durchsuchen den Laderaum nach dem Fahrer.

Doch damit nicht genug. Auch im Inneren der Atemschutzstrecke sind schwere Aufgaben zu meistern. Die CSA-Träger müssen in den Übungskäfig klettern und mit ihrer schweren Ausrüstung einen Druckluftschieber ausbauen. Und dann steht noch die Endlosleiter auf dem Programm. Die Auszubildenden müssen die unendliche Leiter hinaufsteigen. Eine anstrengende Sache. Es geht darum, die Fingerfertigkeit mit den Schutzanzügen zu üben.


Alarm verhindert Übergabe

Zwei Tage dauert die umfassende Chemikalienschutzausbildung. Einmal im Jahr findet sie in der Atemschutzstrecke in Kulmbach statt - für alle Wehren des Landkreises. Beim Kurs in diesem Jahr haben alle Absolventen bestanden. Doch ihre Urkunden konnten sie nicht in Empfang nehmen - ein unvorhergesehener Alarm forderte die Teilnehmer aus Rothwind-Fassoldshof und Mainleus.