So einen Fall hatte Jugendrichter Christoph Berner auch noch nicht. Und er ist schon lange Richter. "Unerträglich, so etwas geht nicht", sagte er. Und Staatsanwältin Eva-Marie Heßler sprach von einer "Sauerei". Der Angeklagte zeigte sich zerknirscht: "Ich schäme mich. Ich weiß, was ich für Scheiße gebaut habe."

Was hat der junge Mann am 6. Januar in einer Diskothek in Oberfranken verbockt? Er war mit Freunden feiern. "Klar, dass da Alkohol getrunken wird", sagte er. Er hatte ganz sicher über den Durst getrunken. 1,6 Promille wurden bei ihm noch eine Stunde nach der Tat gemessen. Eine halbe Flasche Wodka und jede Menge Likör, wie der 20-Jährige bei der Jugendgerichtshilfe zugab.

Weit ausgeschnittenes Top

Laut Anklageschrift waren auch sein Freund und dessen Schwester, die mit ihm unterwegs waren, angetrunken. Die Schwester stachelte den Angeklagten an: Er bekomme zehn Euro, wenn er einer anderen Frau das T-Shirt runterziehe.

Warum gerade diese Frau, wollte der Richter wissen. "Kein besonderer Grund. Sie hatte ein weit ausgeschnittenes Top an und stand neben uns an der Bar", sagte der Mann.

Eine Watschn

Jedenfalls ging er hin, zog der Frau das knappe T-Shirt runter und den BH gleich mit, "dass die rechte Brust zu sehen war" (Staatsanwältin). Die Geschädigte reagierte spontan und wehrte sich: Sie gab dem Mann eine Watschn, schüttete ihm ihr Getränk ins Gesicht und erstattete Anzeige. Deshalb das Strafverfahren wegen sexueller Belästigung.

Die Staatsanwältin hielt es für bedenklich, wenn jemand so eine niedrige Hemmschwelle hat. Wie viel müsse man bezahlen, damit er jemand niederschlägt? "Ich war an diesem Abend nicht klar im Kopf", meinte der Angeklagte. Er habe daraus Konsequenzen gezogen und trinke seitdem nichts Hochprozentiges mehr: "Nur noch Bier, und auch nicht viel." Außerdem brauche ihm niemand mehr mit solchen blödsinnigen Wetten kommen.

Da der Mann keinerlei Vorstrafen hat und die Jugendgerichtshilfe von einer "jugendtypischen Tat bei alkoholbedingter Enthemmung" sprach, regte Amtsgerichtsdirektor Berner die Einstellung des Verfahrens gegen eine spürbare Geldauflage an. Die Staatsanwältin stimmte zu. Der 20-Jährige wurde nicht verurteilt, muss aber an den Bayreuther Verein Avalon, der Opfer von sexueller Gewalt berät, 1300 Euro bezahlen.

Bevor der zerknirschte Sittenstrolch gehen durfte, riet ihm der Richter, seinen Alkoholkonsum zu überdenken. "Hier müssen Sie dringend etwas tun." Und Berner wollte noch wissen, ob er die zehn Euro bekommen habe. "Ja, hätte ich, hab's aber nicht angenommen."