Schon morgens um halb sechs Uhr standen sich die Streikbereiten die Beine in den Bauch. Arbeitnehmer des Gewürzunternehmens Raps und der ausgegliederten Logistikfirma LogSpice harrten trotz Regenwetters aus. Bis um halb neun Uhr demonstrierten sie vor den Toren des Kulmbacher Gewürzunternehmens ihre Bereitschaft dazu, auch in einen echten Streik zu gehen.

Sie pfiffen, rollten Transpartente aus und hatten auch etliche Plakate selbst angefertigt - speziell zur Untermauerung ihrer Situation bei Raps. Unterstützung bekamen sie dabei von Gewerkschaftsvertretern der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. Aber auch Gewerkschafter von Glen Dimplex sowie Betriebsseelsorger Eckhard Schneider waren zugegen.



"Es geht uns um 145 Euro mehr Geld. Das ist wichtig, damit wieder was übrig bleibt", formuliert Betriebsrat Peter Geißler die konkreten Forderungen der Gewerkschaft und der Raps-Mitarbeiter. "Das ist nicht zu viel, wir wollen nur wieder weiterkommen. Und das sehen alle Leute so, die hier beim Warnstreik sind", sagte Geißler und hielt ein selbstgemaltes Schild mit der Aufschrift "Ein voller Becher, Frau Schaecher" hoch. Die Streikbereiten möchten sich direkt an die Geschäftsführerin des Gewürzunternehmens Raps wenden.

"Die Kaufkraft schwindet und schwindet. Wir brauchen das Geld, um unsere Familien über die Runden zu bringen", stößt auch Betriebsrat Detlef Ramming ins gleiche Horn. Die Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter freuten sich riesig über die große Anzahl der Streikwilligen. Denn Raps-Mitarbeiter aus allen Bereichen waren zugegen und zeigten sich solidarisch.

Wird Betriebsfest abgesagt?

Bei der Betriebsversammlung hatte Geschäftsführerin Johanna-Maria Schaecher im Vorfeld schon angekündigt, dass im Falle eines Warnstreiks das Betriebsfest zum 90-jährigen Firmenbestehen abgesagt werde. "Aber ich denke, das wird schon immer noch Frank Kühne entscheiden", kommentierte Betriebsrat Detlef Ramming. Die Streikwilligen ließen sich nicht einschüchtern und gaben sich kampfbereit.

"Das, was hier passiert, ist wunderbar. Die Menschen zeigen sich solidarisch", kommentierte Eckhard "Joey" Schneider die Aktion. Besonders freute sich der Betriebsseelsorger, dass die Menschen mit Papst-Zitaten jetzt für Chancengleichheit sorgen. "Die Ungleichverteilung der Einkünfte ist die Wurzel allen Übels", zitierte Schneider Papst Franziskus und hielt natürlich besonders gerne die Plakate mit den Papst-Zitaten hoch.

Auch Michael Grund und Jan Körper von der NGG waren zugegen. "Gute Arbeit ist Arbeit, wo auch die Entlohnung stimmt. Es geht natürlich auch um die Frage des Betriebsklimas, aber es ist eine Frage des Respektes, für eine gerechte Entlohnung zu sorgen", sagte Betriebsseelsorger Schneider.

Unverständnis der Unternehmen

Seitens der Raps-Geschäftsführung gab es keine Auskünfte zu den "Drohungen", sondern lediglich eine Pressemitteilung zur ersten Tarifrunde. Unternehmenssprecher Sascha Thaens teilte mit, dass er weder bei der entsprechenden Betriebsversammlung noch am Warnstreiktag in Kulmbach war.

"Warnstreiks sind ein legitimes Mittel, um Tarifforderungen durchzusetzen, dennoch reagieren Bayerns Unternehmen der Nährmittelindustrie mit Unverständnis auf die Gewerkschaftskundgebungen während der ersten Verhandlungsrunde", erläuterte Sascha Thaens die offizielle Haltung des Gewürzunternehmens und verwies auf die Tarifkommission, die den Arbeitnehmern den Vorschlag auf 2,5 prozentige Lohnerhöhung gemacht habe.
Warnstreiks haben auch bei der Firma Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen stattgefunden. "Der Vorsitzende der Tarifkommission, Detlef Fuchs von der Firma Hipp, hat den NGG-Vertretern ein erstes Tarifangebot unterbreitet, das deutlich über der aktuellen Inflationsrate liegt", sagte Unternehmenssprecher Thaens.

Angebot nicht akzeptabel

Doch die bisherigen Angebote der Tarifkommission würden einen Mehrlohn von 50 Euro bedeuten, kommentierte Betriebsrat Ramming. Und dies sei für die Arbeitnehmer in keinem Fall akzeptabel.