Die Vorstellung ist ausverkauft. Doch noch nie zuvor war die Anspannung bei den Initiatoren vor einer Premiere so groß. "Ich halte innerlich die Luft an", gesteht Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, als er den Boden des Festspielbereichs betritt. Hinter ihm strömen Hunderte Besucher, darunter auch viele Sponsoren und Ehrengäste, durch das große Eisentor. Die Gemüter sind heiter und doch liegt eine besondere Erwartung in der Luft. Es hat sich viel verändert. Nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch direkt vor Ort lassen sich bereits vor der Vorstellung Neuerungen erkennen. Diese liegen vor allem im Detail: Rosenlikör, neue Pralinen und Sitzunterlagen bestücken den Festspiel-Shop. Die Menschen dahinter sind die gleichen geblieben.

Und während sich die Gäste noch umschauen, unterhalten und den lauen Sommerabend genießen, vergeht die Stunde vor dem Einlass wie im Fluge. Nach dem letzten frischen Schluck gehen die Kulturfans zielstrebig auf Spielfläche und Tribünen zu.


Herausragender Schauspieler

Von Beginn an fieberte das Publikum mit, lieferte Szenenapplaus und verstand sich mit Wortwitz und Geschehen. Herausragend gab sich der Berliner Schauspieler Hardy Kistner in der Rolle des Petruccio. Kistner zähmte nicht nur die "Widerspenstige", sondern behielt auch seine Gäste im Auge. "Trotzig, stürmisch, zornig und gemein - Was ist denn daran so schlimm?", fragte er aufgeweckt einen Besucher im Publikum und performte mit Tatendrang und Heiratslust weiter, während seine auserwählte Katharina, gespielt von Regisseurin Heidemarie Wellmann, im Hintergrund tobte und brodelte. Mit turbulenter Lockerheit, Witz und Tiefsinn gelang es dem Ensemble, für die Gäste das reinste Vergnügen zu bereiten. Die neuen "Profi-Schauspieler" machten ebenfalls ihrem Ruf Ehre und entzückten in jeder noch so kleinen Passage mit ausgefeilter Persönlichkeit und Eigenheit.

Trommelnde Füße auf der Tribüne, Applaus und Jubel sind wenig später die Bestätigung. Das Stück ist mit Bravour über die Freilichtbühne gegangen. Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein bedankte sich bei Schauspielern mit Rosen und erleichterten Worten: "Ich bin glücklich und zufrieden, dass es so gut gelungen ist", lobte das Stadtoberhaupt das Ensemble der Rosenberg Festspiele. Nicht selbstverständlich sei die gute Zusammenarbeit hinter und vor der Bühne: "Ich bin sehr stolz auf die Festspiele. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere." Sein Dank galt vor allem Heidemarie Wellmann, Schauspielerin und Regisseurin der Rosenberg Festspiele: "Du hast mit Leidenschaft und Herzblut Deine Arbeit begonnen und die Mannschaft zusammengehalten. Heute haben wir den Lohn dafür erhalten." Und weil nach der ersten Premiere noch zwei weitere Stücke in den Startlöchern stehen, beendete er seine Ansprache mit dem Satz: "Nach der Premiere ist vor der Premiere."

Auch Wellmann bedankte sich für die Unterstützung und das Vertrauen in den vergangenen Monaten: "Es war ein turbulentes Jahr, aber nun ist die erste Etappe geschafft", fiel der Regisseurin ein Stein vom Herzen. Momentan stehen noch Proben für die nächsten Premieren an: "Ich danke auch allen Statisten, die den Festspielen treu geblieben sind." Und mit erneutem Applaus und ratternden Tribünenbalken endete die erste Aufführung "Der Widerspenstigen Zähmung."


Nette Gespräche

Immer der Nase lang, könnte man wohl den Weg der Festspielbesucher beschreiben, die sich nach dem letzten Applaus zur Premierenfeier begaben, um bei gutem Essen und netten Gesprächen den Abend ausklingen zu lassen. Der Biergarten der Bastion Marie war voll. Gesprächsstoff von tiefsinnigen Passagen und Witzen des Theaterstücks sorgten für angeregte Unterhaltung. Wieder erklangen Sektgläser, diesmal, um den gelungen Abend zu besiegeln. Schauspieler und Statisten mischten sich nach und nach unter die Menge, ein harmonischer Abschluss eines zukunftsreichen Neustarts der Festspiele in Kronach war gelegt.

Diese optimistische Stimmung spiegelte sich auch in den Meinungen von Experten, Verantwortlichen, Mitwirkenden und Besuchern wider. Kreiskulturreferentin Gisela Lang war nach der Premiere mit der Umsetzung sehr zufrieden: "Ein schöner Abend und eine gute Besetzung. Die Kontinuität wurde gewahrt, eine intensive Inszenierung, unterhaltsam auf gediegenem Niveau, so wie man es sich wünscht", waren die ersten Gedanken, die der Theaterexpertin auf Anhieb in den Sinn kommen.

Kerstin Löw, kaufmännische Leiterin der Rosenberg Festspiele, war kurz nach der Premiere sprachlos: "Ich bin überwältigt", gab die Tourismus-Chefin der Stadt Kronach zu und erklärte, dass sie einen wunderbar gelungenen Theaterabend erleben durfte: "Super gespielt, ein tolles Stück", fasste sie zusammen und beschrieb, dass das Publikum den Schauspielern von Anfang an den Lippen hing: "Nach den ersten Momenten baute sich Zuneigung auf und es gab immer wieder Szenenapplaus." Shakespeare gehöre ihrer Meinung nach auf diese wunderschöne Freilichtbühne. Dabei galt ihr großer Dank einer Person: "Ich danke Heidemarie Wellmann für die wunderschöne Inszenierung. Die Arbeit hat sich gelohnt."


Gelungener Neustart

CSU-Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach besuchte gemeinsam mit seiner Frau die Premiere. Er war über den gelungenen Neustart begeistert. Der Mut, neue Wege zu gehen, wurde seiner Ansicht nach belohnt: "Wunderbar leicht und spritzig ist das Stück. Es hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Schauspieler haben Shakespeare gut rüber gebracht und die Zuschauer wurden dazu bewegt, ihr eigenes Ich zu betrachten." Außerdem sei das Theater für Stadt und Region ein kultureller Höhepunkt: "Auch im gesellschaftlichen Sinne durch Kultur inspirieren zu lassen, das ist sehr wichtig", freute sich Michelbach, der auch das zweite Stück "Der Besuch der alten Dame nicht verpassen will."

Und auch bei Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein fiel bei der Premierenfeier nach und nach die Spannung ab: "Ich bin sehr glücklich über den Neuanfang, es war toll. Das Publikum ist mitgegangen und es war eine gelungene Galapremiere." Und jetzt wo der Knoten geplatzt sei, hofft Beiergrößlein auf viele Gäste: "Damit die Festspiele auch in Zukunft angenommen werden." Auf die Frage, ob es ihm besser als im vergangenen Jahr gefalle, entgegnete der Bürgermeister zufrieden: "Es war eine tolle Zeit und jetzt beginnt hoffentlich wieder für viele Jahre eine neue Zeit zusammen mit Heidemarie Wellmann."


Die Spannung ist gelöst

"Hinter den Kulissen herrscht eine gute Stimmung." Nicht nur das Publikum, sondern auch alle Mitwirkenden waren guter Dinge: "Der Knoten ist geplatzt und die Spannung ist gelöst. Das Stück ist sehr gut angekommen", berichteten Karin Siegemund und Markus Stirn, die seit 2010 zum festen Statistenstamm der Festspiele zählen. "Sogar die Feuerprobe mit den Schülern am Dienstag bei der Generalprobe haben wir gut bestanden", verrieten die Ensemble-Mitglieder.

Auch bei den Zuschauern spiegelte sich der tosende Beifall am Ende in Worten wider: "Es war lustig, aber auch nicht klamaukmäßig. Keiner der Schauspieler ist abgefallen und es waren alle sehr gut", berichtete Gitti Prysok aus Kronach, die zusammen mit ihrer Familie im Rahmen eines Geburtstags die Premiere besuchte. "Es war nicht nur eine Komödie, sondern auch sehr tiefsinnig. Das harte Käthchen wird mit eigenen Waffen geschlagen und am Ende trügt der Schein", ergänzte ihre Schwester Christine Kraus. "Mir hat es sehr gut gefallen", entgegnete die zuvor skeptische Margita Kraus. Weitere Gäste bei der Premierenfeier im Anschluss waren sich ebenfalls einig: "Meine Erwartungen wurden übertroffen, weil das Stück nicht klamaukmäßig witzig war", erklärte Alexandra Steidl aus Kronach, die sich bereits Karten für "Die kleine Hexe" besorgt hat. Und nicht nur die weiblichen Gäste sind angetan, sondern auch der männliche Part der Zuschauer ist zufrieden. So zum Beispiel Dominik Kossakowski aus Kronach: "Richtig motivierend und positiv. Der Cut war sinnvoll, dass man etwas Neues macht. Da hat Kronach nur darauf gewartet."