Das Schullandheim oben an der B 85 wirkt verlassen. Klar, es sind Ferien. Aber ging da überhaupt etwas in den vergangenen Monaten? Karl-Heinz Häusler und seine Frau Angelika wohnen gleich nebenan. Sie schütteln mit dem Kopf. "Corona" - das sagt alles.
Drei Kirchen für 1100 Einwohner
Aber mit Häusler hat uns der Zufall dennoch einen guten Ansprechpartner gebracht. Schließlich war der 65-Jährige bis Dezember Kämmerer der Gemeinde, 43 Jahre lang. Der gebürtige Hesse kennt sich aus, wenn es um Sehenswürdigkeiten und Infrastruktur des Ortes auf rund 600 Metern Höhe über dem Meeresspiegel geht. So weist er uns nicht nur auf das Freizeitzentrum mit Hallenbad und Tennisanlagen hin, sondern auch auf die drei Kirchen im Ort mit seinen rund 1100 Seelen.
Am Scheitelpunkt an der stark befahrenen B 85 steht im Kreisverkehr ein gläserner Obelisk. "Am Rand gibt es aber noch einen kleinen, steinernen Obelisken von 1850", sagt Häusler. "Als Hinweis auf die Wasserscheide an dieser Stelle, wo das Wasser zur einen Seite Richtung Elbe und zur anderen Seite Richtung Rhein fließt." Sehenswert sei auch der gerade entstandene Kunstpark aus Baumstümpfen, gleich in der Nähe des Kreisverkehrs.
Schutz der Baumreste vor Verfall
Dort treffen wir auf einen Mann, der gerade mit Schnitzeisen und Knüpfel letzte Hand an die "Trachtenfrau" anlegt. Die 19 Holzskulpturen sind nahezu fertig. Drei Künstler haben sie im Auftrag der Gemeinde aus bis zu vier Meter hohen Fichtenstümpfen gefertigt. Die Bäume hatte der Förster wegen Borkenkäferbefalls umsägen müssen. Jetzt sollen die künstlerischen Reste für die nächsten 15 Jahre bis zum Verfall die Gäste erfreuen.
Ob Pinocchio, Glaskönigin oder Greta Thunberg - die Mischung ist bunt. Auch Michael Steigerwalds Skulpturen. Der 65-jährige Holzbildhauermeister kommt ursprünglich aus Unterfranken, lebt aber in Baden-Württemberg - und von seiner Kunst. "Ich wurde eingeladen, das zu fertigen. Aber es ist für mich so eine Art Urlaub", sagt er noch. Dann klingelt das Handy des Reporters. Wir können in zehn Minuten aufs Wiegand-Firmengelände, heißt es.
Dort erwartet uns Uwe Eichhorn. Der Diplomingenieur ist bei Wiegand für das zentrale Umweltmanagement zuständig. Und er hat die Zahlen, die uns interessieren. Knapp 2000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen an acht Standorten, rund 600 sind es in Steinbach. Bis zu 9,40 Meter hoch kann so eine Glasscherben-Halde werden, die mit dem Förderband befüllt wird.
Scherben werden wieder zu Glas
"Derzeit liegen bei uns rund 300.000 Tonnen Recyclingglas", berichtet Eichhorn. Was da mit acht Millimeter Körnung lagert, ist ungetrocknete, aber bereits aufbereitete Zwischenware: gebrochen, Metalle entfernt und nach Farben vorsortiert. Irgendwann landen die Scherben in einer der vier Schmelzwannen und werden wieder zu Glas.
Eher für die Natur als für Glas interessiert sich an diesem Tag Dieter Groscurth. Der 73-jährige Nürnberger im Ruhestand war um 8.30 Uhr in Neuhaus (Thüringen) losgelaufen und hat soeben Steinbach erreicht: 23 Kilometer auf dem Rennsteig, alleine. "Da habe ich mehr davon. Da kann ich laufen, wie ich will", erzählt er. Dabei hat er nur eine kleinen Rucksack. Seinen Koffer transportiert der Veranstalter der Rennsteig-Tour von Hotel zu Hotel. "Das ist nicht ganz billig, aber ich bin angenehm unterwegs." Sagt's und macht sich auf zu seiner Unterkunft. Dort wird er für eine Nacht in eines der 116 Betten fallen, die Steinbach für Touristen zu bieten hat.
Am Dienstag berichtet Sven Dörr von seinem Besuch in Bischberg.