Sobald die Tür aufgeht, strömt er entgegen - der süße Duft von Schokolade. Für jeden Besucher der Fischbachsmühle in Ludwigsstadt ist es das Highlight und ein Gefühl wie im Schlaraffenland. Schokolade so weit das Auge reicht. Und mit Glück kann man direkt bei der Produktion der Leckereien von Lauenstein zuschauen.

Volker Garbarek arbeitet in diesem Schlaraffenland und weiß Bescheid über die Geheimnisse der Lauensteiner Pralinen. Der Produktionsleiter und seine neun Mitarbeiter stehen täglich im schokoladigen Duftgenuss. Ob da auch mal genascht wird? "Wir essen das, was da ist", sagt Garbarek. Bei der Produktion fällt schon mal die ein oder andere Praline ab, wenn diese Schönheitsmakel hat. Seine Lieblingssorte ist aber der Rum-Trüffel.

Marzipanröllchen der Renner

Bei den Kunden steht eine andere aus dem 100 Sorten großen Sortiment ganz oben. "Das Pariser Marzipan liegt mit allen Varianten unter den Top acht der meistverkauften", sagt Geschäftsführer Thomas Luger. Dieses Edelmarzipanröllchen gibt es in Zartbitter, Vollmilch und weißer Schokolade und ist etwas Besonderes unter den Pralinen bei Lauenstein. 8000 Kilogramm Walnüsse werden dafür aus Frankreich importiert. Handverlesen und am Ende noch einmal von Volker Garbarek und seinem Team kontrolliert.

Die Hälften müssen identisch sein für die perfekte Optik. Der Marzipan wird mit 60-prozentigem Weinbrand veredelt - das stärkt den Geschmack und konserviert auf natürliche Weise. Das Besondere und Einmalige an diesen Pariser Edelmarzipanröllchen versteckt sich aber an den Walnüssen, wie Thomas Luger erklärt: "Sie werden alle mit Schokolade überzogen."

Der Entstehungsprozess ist detailliert und mit vielen Handgriffen versehen: Die Röllchen werden zurechtgeschnitten und mit Schokolade überzogen, die Walnüsse an die Seiten gesetzt und am Ende in Zucker gebettet. Danach braucht es die perfekte Abkühltemperatur, um für Glanz und Bruchsicherheit zu sorgen. Der Teufel stecke im Detail. 8000 Stück können so an einem Tag produziert werden.

In jeder Praline steckt Handarbeit. Dadurch hat sich Lauenstein einen Ruf erarbeitet, der sich auf der ganzen Welt ausgebreitet hat. Auf fast jedem Kontinent können Lauensteiner Pralinen gekauft werden. Am stärksten ist der Export nach Asien. Und dort besonders nach China. Aber wer glaubt, dass Schokolade überall gleich ist, der täuscht sich. Denn was am meisten beliebt ist, ist lokal unterschiedlich.

Zartbitter, Vollmilch oder weiß

In der Schweiz wird die Vollmilchschokolade bevorzugt, erzählt Thomas Luger. Die Nachbarn aus Frankreich und Italien mögen eher Zartbitterschokolade. Und in Deutschland lässt sich Nord und Süd unterteilen. "Die Kasselebene bildet die Grenze in Deutschland - vergleichbar mit dem Weißwurstäquator", sagt Luger. Der Norden von Deutschland steht mehr auf Bitterschokolade, der Süden auf Vollmilch. Die Kunden in Kronach würden auch etwas mehr Vollmilch als Bitterschokolade kaufen. Weit abgeschlagen ist die weiße Schokolade.

Egal ob weiß, bitter oder Vollmilch - mit Schokolade gibt es genug zu tun. 60 Mitarbeiter sind mit der direkten Produktion von Schokoladentafeln und Pralinen an den beiden Standorten beschäftigt. Wer da Probleme mit Schokolade hat, ist fehl am Platz. Häufig komme das aber nicht vor. "Es haben weniger eine Schokoladenallergie als eine Mehlallergie", sagt Volker Garbarek. Besonders groß ist die Nachfrage in den starken Monaten Oktober und November - pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. Aber bereits im September ist Weihnachten schon sichtbar. Die ersten Nikoläuse werden in Klarsichtfolie verpackt und auch die Produktion von Adventskalendern läuft bereits. 70 000 Kilogramm Schokolade werden in Spitzenmonaten produziert.

Lauenstein Confiserie:

1954 kam ein Berliner Pralinenmacher in den Frankenwald, weil er sich in die Müllerstochter aus der Fischbachsmühle verliebt hat. Vom Müller erhielt er die Mühle zur Produktion der Pralinen. 1965 wird die Süßwaren-Fabrikation "Pralinenboy" gegründet. 1989 erfolgt die Umfirmierung zur "Lauenstein Confiserie GmbH". Während der deutschen Teilung befand sich die Mühle nur 500 Meter von der Grenze entfernt.

Der Lauensteiner Pralinenhersteller entwickelt sich zu einem internationalen Unternehmen, das besonders für seine Manufakturqualität bekannt ist. 2007 expandiert das Lauensteiner Unternehmen und zieht mit der Hauptproduktion nach Teuschnitz.

Nach dem Umzug erfolgte die aufwendige Renovierung der Fischbachsmühle 2008. Es entstand eine "Gläserne Manufaktur", in der Kunden bei der Herstellung der Pralinen zuschauen können. Zeitgleich entstand im Werksverkauf mit Café und Schokobrunnen die längste Pralinentheke Oberfrankens. Dort, wo nun die Pralinen verkauft werden, wurden sie früher produziert. Am Standort im Landkreis Kronach wird weiterhin festgehalten.