Allein an Staatsstraßen sind im Kreis Kronach 14 Brücken mit der Note 2,5 oder schlechter bewertet. Nicht gut, denn wäre die Brücke tadellos, würde das die Kategorie 0 nach sich ziehen. 2,5 hingegen bedeutet laut dem Bayerischen Innenministerium, dass "Standfestigkeit und/oder Dauerhaftigkeit der Brücke" beeinträchtigt sein können. Das hört sich dramatisch an, denn Standsicherheit bedeutet, ob die Brücke der täglichen Belastung durch Autos und Lastwagen standhält.

Dauerhaftigkeit heißt, ob die Brücke dies auch über die geplante Nutzungsdauer tut - bei Stahl- und Spannbeton-Bauteilen beträgt diese nach deutscher Industrienorm 50 Jahre.
Neben Standsicherheit und Dauerhaftigkeit fließt auch noch die Verkehrssicherheit in die Note einer jeden Brücke mit ein. Gemäß eines Schreibens des Ministeriums macht eine Note ab 2,5 eine kurzfristige Instandsetzung erforderlich.


Kleiner Schaden, schlechte Note

Das sei richtig, bestätigt Ute Becker vom Staatlichen Bauamt aus Bamberg, das auch für den Kreis Kronach zuständig ist. Horst Moser von der Servicestelle des Staatlichen Bauamts in der Cranach-Stadt konkretisiert: Getan werden müsse etwas, aber die Noten müssten differenziert betrachtet werden: Eine Brücke, die mit 2,5 oder schlechter bewertet werde, sei nicht sofort vom Einsturz bedroht. Wäre sie es, würde das Bauamt zuerst die Höchstlast verringern und in akuten Fällen die Brücke sperren.

"Generell muss bei der Benotung zwischen Schäden an Bauteilen und am Brückenbauwerk unterschieden werden", erklärt Moser. So kann es beispielsweise sein, dass der Gehweg, in der Fachsprache Brückenkappe genannt, beschädigt ist. Die Brücke ist in diesem Fall immer noch stabil, also standsicher, aber die Verkehrssicherheit ist eingeschränkt. Schon das kann dazu führen, dass die Brücke mit der Note 2,5 bewertet wird. "Es kommt immer auf den jeweiligen Schaden an. Wenn zum Beispiel in einer Spannbetonbrücke Risse sind, in welche die Feuchtigkeit reinkommen kann, ist das schlecht. Versagen die Spann stähle, würde das die Tragkraft der der Brücke annullieren", beschreibt Horst Moser einen wesentlich gravierenderen Schaden.

Wasser lässt Stahl rosten

Risse im Beton, da schaut Horst Moser genau hin, denn Wasser ist der natürliche Feind eines jeden Stahlbeton-Bauwerks. Besonders im Winter, wenn auch noch Salz hinzukommt, das die Straßen eisfrei hält. Durch die Risse kann Wasser eindringen und der Stahl rostet. Wenn er durchgerostet ist, wird es gefährlich, da er für die Stabilität der Brücke notwendig ist.

Um Wasser geht es auch bei der Brücke in Steinwiesen, die über die Rodach führt. Von Ende April bis Ende November wird sie für voraussichtlich 400.000 Euro saniert. Ein Problem sind die Bordsteine am Gehweg, die durch eindringende Feuchtigkeit nach außen gedrückt werden. "Hier könnte ein Schneepflug hängen bleiben", erklärt Horst Moser. Stichwort: Verkehrssicherheit. Wer einen Blick unter die Brücke wirft, sieht, dass an der Wand, auf der die Brücke in der Rodach steht, Teile der Sandstein-Verblendung herausgebrochen sind. Ebenfalls problematisch, da die Sandsteine die Betonwand vor Wasser schützen. An der Stelle, an der die Staatsstraße 2207 auf die Brücke führt, zieht sich ein Riss quer über die Straße - der schwerwiegendste Mangel.

Entschieden wird nach Dringlichkeit

In die kaputte Querfuge kann Wasser eindringen, weswegen die Fahrbahn und die Abdichtung zwischen Straßenbelag und Brückenbeton erneuert werden müssen. Insgesamt ist diese Brücke mit 3,0 bewertet. "Das liegt an der Summe der Mängel", sagt Horst Moser. "Man sollte sich aber nicht nur an der Zustandsnote festhalten. Für die Regierung ist sie ein Richtwert, damit sie weiß, wo Handlungsbedarf besteht."

Welche Brücke wann saniert werde, entscheide das Bauamt nach Dringlichkeit, sagt Ute Becker, "da die Ergebnisse der jährlich stattfindenden Bauwerksprüfungen mit einfließen müssen". Die Dringlichkeiten, betont Becker, könnten sich dabei durchaus verschieben. Brücken, die in schlechtem Zustand seien, beobachte das Bauamt allerdings genau, versichert Jürgen Woll, Leiter der Servicestelle Kronach. Um die Sicherheit gewährleisten zu können und um die Sanierungskosten möglichst klein zu halten.